Gespräche auf dem Roten Sofa

Die Schlacht im Winter

Die Schlacht von Stalingrad ist in die Geschichte eingegangen. In rechten Kreisen wird sie als Opfermythos der Wehrmacht stilisiert, in Russland wird sie dagegen als großer Sieg gefeiert. Aber wie war es für die Menschen, die wirklich dabei waren?
Carsten Gansel im Interview mit mephisto 97.6
Carsten Gansel auf der Roten Couch

Winter 1942: Die deutsche Armee hat sich in der russischen Stadt Stalingrad eingegraben. Adolf Hitler hat ihr den Befehl gegeben die Stadt um jeden Preis zu halten. Trotz massiver russischer Streitkräfte, die die Deutschen einkesseln und in der Stadt einschließen. Von dem Rückzug in die Stadt, bis zur blutigen Kapitulation ist Oberleutnant Breuer dabei. Er diente bei einer Panzereinheit der deutschen Armee. Breuer ist allerdings das Alter Ego des Autors. Denn Heinrich Gerlach war selbst in Stalingrad. Er hat die Kämpfe in der Stadt miterlebt und ging nach der Kapitulation in Kriegsgefangenschaft. Dort schrieb er dann das Buch „Durchbruch bei Stalingrad“. Allerdings wurde es ihm abgenommen und er kam ohne das Buch zurück nach Deutschland. Dort versuchte er sich durch Hypnose an das Buch zu erinnern und schrieb es aus diesen Erinnerungen neu. Unter dem neuen Titel „Die verratene Armee“ wurde es in den 50er Jahren zu einem Bestseller.

2011 macht der Germanist Carsten Gansel in Archiven der Roten Armee einen sensationellen Fund. Er entdeckte das Originalmanuskript von Heinrich Gerlachs Buch „Durchbruch bei Stalingrad“. Gansel bereinigt sie von allen Notizen Gerlachs und destilliert aus den Manuskripten die Urfassung von „Durchbruch bei Stalingrad“.

„Durchbruch bei Stalingrad“ ist kein Buch für schwache Nerven. Die Schrecken des Krieges werden von Gerlach sehr plastisch dargestellt. Auch die psychischen Folgen des ständigen Grauens und Belastungen der Kesselschlacht, stellt Gerlach hervorragend dar. Am Anfang erhält man den Eindruck das Gerlach dadurch an der Beschreibung der Umgebung spart. Doch es wird relativ schnell klar, dass der Winter in der russischen Tundra nicht großartig beschrieben werden kann.

Im Interview hat Carsten Gansel seine Geschichte erzählt, wie er sich auf die Suche nach dem Ur-Roman von Heinrich Gerlach gemacht hat. Er ist selbst nach Russland gereist und hat sich auf die Suche begeben. Im Februar 2012 ist er fündig geworden. Dieser Roman hatte für Carsten Gansel bereits in jungen Jahren eine Verbindung, die ihn nicht los gelassen hatte.

 

Carsten Gansel, Autor von "Durchbruch bei Stalingrad", im Interview mit Michael Buchweitz
 

„Durchbruch bei Stalingrad“ ist ein sehr zu empfehlendes Buch, da es ungeschönt und gerade heraus beschreibt, wie die Schlacht bei Stalingrad aus der Sicht der einfachen Soldaten abgelaufen ist.

 

 
 

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Michael Buch
17.03.2016 - 14:45
  Kultur

Carsten Gansel (Hrsg.): Geboren am 21. November 1955. Studierte 1974 bis 1978 Germanistik, Slawistik und Pädagogik. Er promovierte 1981 und ist seit 1995 Professor für Neue deutsche Literatur und germanisitische Literatur- und Mediendidaktik an der Universität Gießen. Sein Forschungschwerpunkt liegt auf der deutschen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Nach jahrelanger Recherche stieß er 2011 in einem russischen Archiv auf das Originalmanuskript von Heinrich Gerlachs “Durchbruch bei Stalingrad”.

 

Heinrich Gerlach (Autor) wurde am 18. August 1908 geboren. 1939 wurde er in die Wehrmacht eingezogen und diente erst als Unteroffizier in Polen und anschließend als Nachrichtenoffizier in Frankreich. Schlussendlich war er Oberleutnant bei der 14. Panzer-Division und diente in Stalingrad. Dort wurde er schwer verwundet und geriet am Ende der Schlacht in Kriegsgefangenschaft. Dort schrieb er das Buch “Durchbruch bei Stalingrad”. Allerdings wurde es ihm während der Gefangenschaft abgenommen. Als er 1950 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, versuchte er das Buch aus seinen Erinnerungen wieder neu zu schreiben. Dafür ließ er sich unter anderem hypnotisieren. 1959 wurde es veröffentlicht und wurde bis 1988 1 Million Mal verkauft. Er starb am 27. März 1991 in Brake an der Unterweser.