CD der Woche

Die Rettung der Rockmusik, Kapitel 5?

Erst vor zwei Wochen haben wir auf die dezente Einfallslosigkeit einiger Bands bei der Album-Namensfindung hingewiesen. Bonaparte nennen ihr Album „Bonaparte“. Was machen Kasabian? Sie benennen ihr fünftes Album nach der Spieldauer: 48:13.
Die Band Kasabian mit grimmigen Gesichtern
Die Band Kasabian mit grimmigen Gesichtern

Gut, 48:13 als Name spricht jetzt nicht unbedingt für großen Einfallsreichtum. Übrigens genauso wenig wie das Cover. Das wartet auf mit: Pink. Und der Tracklist. Nimmt man diese Features für sich, schwant dem geneigten Hörer erst mal nichts Gutes. Die erste, überraschend elektronische Single „Eez-Eh“ lässt mich ebenfalls recht ratlos zurück. Aller Vorboten zum Trotz legen sich die Zweifel aber spätestens mit dem zweiten Titel „Bumblebee“. Mit treibenden Drums und eingängiger Melodie setzt der Song das erste Ausrufezeichen. Nahtlos geht es weiter mit „Stevie“, das erst nach langem Intro loslegt, dann aber am längsten in den Gehörgängen verbleibt und sich so mit dem Titel „Stärkster Song des Albums“ schmücken darf. Insgesamt bietet das Album, für Kasabian eher untypisch, sehr viel Abwechslung. Von Rock über Elektro zu Psychedelic und wieder zu HipHop. Von Einfallslosigkeit also keine Spur.

Produktion im Alleingang

Erstmals übernehmen Kasabian bei 48:13 die Produktion selbst. Oder sagen wir es genauer: Sänger, Gitarrist und Songwriter der Band, Sergio Pizzorno, war noch immer nicht ausgelastet und hat sich die Produktion noch zusätzlich aufgebürdet. So viel scheint das nicht geändert zu haben: Kasabian klingen noch immer nach Kasabian, nur etwas elektronischer als zuvor. Eine etwas seltsam anmutende Neuerung: 48:13 beinhaltet ein gesondertes Intro sowie zwei Zwischenstücke. Alle drei wirken etwas unnötig. Übrig bleiben zehn echte Tracks, was an sich heutzutage ein normaler Wert für ein Album ist. Interessant dazu: Ohne diese Füller hätte das Album fast genau 45 Minuten, was eine sehr viel rundere Sache für einen Albumtitel gewesen wäre.

Spiel- und Experimentierfreude

Aber genug zu Kasabians ungewöhnlicher Marketing-Strategie. Mit 48:13 haben die Briten ein mehr als solides Stück Musik abgeliefert. So viele Experimente lieferte noch keine Platte der Band. Trotzdem bleibt das Album tanzbar und eingängig. So sind dann auch Songs wie „Eez-Eh“ oder das recht anstrengende „Glass“ zu verzeihen. Auch wenn ich ihre Aussage, die Rettung der Rockmusik sein zu wollen, so nicht unterschreiben würde: Wenn schon Musik einer größenwahnsinnigen Band, dann bitte diese.

Moderator Philipp Weiskirch im Gespräch mit Tabea Buckard zu 48:13 von Kasabian

Moderator: Philipp Weiskrich
Musikredakteurin: Tabea Buckard

SG CDdW zu 48:13 von Kasabian
 

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Javan Wenz
30.06.2014 - 12:49
  Kultur

Kasabian: 48:13

Tracklist:

01. (Shiva)
02. Bumblebee
03. Stevie
04. (Mortis)
05. Doomsday
06. Treat
07. Glass
08. Explodes
09. (Levitation)
10. Clouds
11. Eez-Eh
12. Bow
13. S.P.S

Erscheinungsdatum: 06.06.2014
Columbia, Sony Music