20 Jahre - 20 Hits

Die Party vor der Party

mephisto 97.6 wird 20 Jahre alt. Für die Geburtstagsstimmung zählen wir im Countdown „20 Jahre – 20 Hits“. Dafür versammeln wir echte Schätze aus dem Musikarchiv und erzählen ihre Geschichte. Jeden Tag ein neuer Song bis zum 31. Mai 2015.
Perlentaucher auf der Suche nach den Schätzen im Musikarchiv.
Perlentaucher auf der Suche nach den Schätzen im Musikarchiv.

Unsere Musikredakteure haben die Archive durchstöbert und den ein oder anderen Klassiker hervorgeholt. Es warten ganz besondere Hits und ihre Geschichten.

Song 0: Willkommen im Tollhaus

Bevor mephisto 97.6 am 31. Mai 1995 das erste Mal zu hören war, gingen Monate der Proben und Planungen ins Land. Und obwohl am Anfang das Wort war, kam die Musik gleich danach. Wir wissen heute nicht mehr, welche Überlegungen dazu geführt haben, das der erste Song, der jemals im Programm live gesendet wurde "Willkommen im Tollhaus" hieß. Aber ein Tollhaus war es sicher damals in den Kellerräumen der Leipziger Universität. Der Titel stammt von den Rappern der Hamburger Arroganz. Sicher lag er schon eine Weile bei den damaligen Musikredakteuren im CD-Regal, denn er findet sich auf dem Album "Junges Blut" aus dem Jahr 1991. Es war die letzte Veröffentlichungen für die Hamburger Arroganz. Aber für mephisto 97.6 stand sie ganz am Anfang.

Leider gibt es den Titel im Netz nicht zu hören. Das finden wir aber gar nicht so schlimm.

Song 1: Soll ich's wirklich machen?

Der folgende Song sagt seine Jahreszahl selber an: "Es ist 1996..." Die Rapper von Fettes Brot haben sich auch in den letzten 20 Jahren gehalten. Mit "Jein" und der Frage: "Soll ich's wirklich machen, oder lass ich's lieber sein?" verankern sie endgültig ihren Platz im Deutschrap-Kosmos. Wir bei mephisto 97.6 sind zwar nur in Ausnahmefällen "Nordisch by Nature", aber was uns mit den Hamburgern vereint: Fettes Brot haben auch 1996 eine  Radiosendung gemacht, nämlich Radio Forellentee bei Radio Fritz.

Song 2: Ostpop Made in Schweden

Studiobereichleiter Andreas Wolf erinnert sich an genau einen Song aus 20 Jahren Musik bei mephisto 97.6. Und zwar an „Frau Gorbatschowa tanzt den Bossa Nova“ von IFA Wartburg. Klar dass gerade dieser Song in unserem Rückblick nicht fehlen darf! Hinter IFA Wartburg stehen die beiden Schweden: Nils Lundwall und Magnus Michaeli. Wenn man als Schwede Deutsch und Musik studiert kommt man an alter DDR-Lektüre anscheinend nicht vorbei. Die beiden sind fasziniert. Also werden Bundfaltenhose und Pullunder rausgekramt und mithilfe von DDR Wörterbüchern Songs getextet. 1997 erscheint ihre erste Single auf einem Sammelalbum namens „Sozialamt bezahlt doch.“ IFA Wartburg sind also zwei Schweden die Ost-Pop spielen. Klingt komisch, ist aber so. Überzeugen Sie sich selbst. Hier sind IFA Wartburg mit „Frau Gorbatschowa tanzt den Bossa Nova“.

 

Song 3: Ich packe meinen Koffer

Im Jahr 1998 erlebte deutscher Hip Hop ein richtiges Hoch. Viele, der damals noch eher unbekannten Gruppen, kamen zu der Zeit aus Hamburg. Leute wie die Absoluten Beginner oder Fettes Brot waren da schon relativ bekannt. Eine Clique, die in dem Jahr ihren Durchbruch feiern konnte, ist die Band Fischmob. Die gibt es zwar nicht mehr, die Bandmitglieder sind aber bis heute manchen ein Begriff, zum Beispiel der Mann mit dem kreativen Namen DJ Koze. Die brachten 1998 ihre Single „Susanne Zur Freiheit“ an den Start und holten sich dafür ordentlich Unterstützung. Zusammen mit gestandenen Rappern wie Smudo von den Fanta 4 oder Dendemann rappen die vier im Strandhemd über Party und Urlaub. Um uns für unsere Party warm zu machen, ist „Susanne Zur Freiheit“ unser Song für 1998.

Song 4: Trainingsjacken und Seitenscheitel

An einer Band kommen wir da nicht vorbei: die haben letztes Jahr selbst 20-Jähriges gefeiert und gerade erst eine CD der Woche gestellt. Die Rede ist natürlich von Tocotronic. Die haben in Trainingsjacken und Seitenscheitel in den 90ern den Diskurs-Rock mitbegründet. Die ersten Alben waren noch richtig schrammelig, das änderte sich 1999. Da erschien KOOK. Das klang musikalisch reifer und auch die Texte wurden abstrakter. Trotzdem waren sie immer noch für Slogans gut. Zwei passen für mephisto ganz besonders: „Das haben sich die Jugendlichen selbst aufgebaut“ und natürlich „Let there be Rock“ – und so heißt auch unser Song für 1999 von Tocotronic. Die Zeile zitiert übrigens den Titel des vierten Studio-Albums von AC/DC.

Let There Be Rock von Tocotronic auf tape.tv.

Song 5: Ein neuer Sound

Im Jahr 2000 meldeten sich nach vier Jahren Pause Radiohead mit einem neuen Album zurück. Kid A hieß die Platte und gilt bis heute als eines der besten Alben der Band, aber auch des Jahrzehnts. Sowohl die Rolling Stones, die britische Times und das Online-Magazin Pitchfork kürten Kid-A zum besten Album der 2000er Jahre. Das Album war also extrem erfolgreich, und das, obwohl der Sound der Platte damals sicher einige verwundert hat. Radiohead verzichten auf dem Album nämlich auf klassische Songstrukturen und herkömmliche Instrumente. Im Zentrumm des Albums stehen Rhytmen und Klänge. Da wird experimentiert was das Zeug  hält, und unser Song ist der Titeltrack „Kid A“ von Radiohead.

Song 6: Alles nur geklaut

Für das Lied aus dem Jahr 2001 haben wir ein kleines Rätsel für sie. Was haben die Songs „Crimson and Clover“, “Rock’n’Roll Fantasy”, und “Kickstart my heart” gemeinsam? Also erstmal sind das alles Songs von Davey von Bohlen, dem Sänger von klassischen Emo-Bands wie The Promise Ring und They Might be Giants. Außerdem sind es drei der sieben Songs, die den Refrain des gesuchten Songs ausmachen. Und vielleicht denken sie jetzt an “Komm schon Davey, sing mir etwas, das ich kenne”, und dann haben Sie es schon. Das ist nämlich der der Einstieg zu Song „Praise Chorus” von Jimmy Eat World.

Song 7: Hamburg City rules

Im Jahr 2002 gründeten drei Männer um die 30 Jahre ihr eigenes Label. Grund dafür: Deutsche Labels lehnten die Herren reihenweise ab, weil sie angeblich zu alt wären. Die Rede ist von den Bands Kettcar und Tomte, die damals das Label Grand Hotel van Cleef gründeten. Diese Bands sind aus der deutschen Indieszene nun nicht mehr wegzudenken, und haben auch bei mephisto 97.6 ihre Spuren hinterlassen: Da hängt an der Tür des Musikressorts zum Beispiel noch ein Poster von Thees Uhlmann. Und wenn sie mal auf unserer Homepage schauen, finden sie da so einige CDs der Wochen aus dem Hause van Cleef. Zum Beispiel von der bereits erwähnten Band Kettcar. Die haben 2002 ihr Debutalbum auf ihrem eigenen Label veröffentlicht. Aus dem Album „Du und wie viele von deinen Freunden“ ist unser Song für 2002: „Landungsbrücken raus“.

Song 8: 99 Probleme

Auch 2003 gab es stressige Tage für den U.S.-Rapper Jay Z. Der hat nämlich gleich 99 Probleme auf einmal. Gut, dass seine Freundin nicht auch noch Ärger macht. “I got 99 problems but a bitch ain’t one“ ist eine oft aufgegriffene Phrase aus dem Gangsterbusiness. Die stammt übrigens aus der Feder von Ice-T von seinem 93er Album Home Invasion. Populär geworden ist Jay Zs Version von 2003. Er erzählt in „99 Problems“ unter anderem von Alltagsproblemen mit der Polizei und kritisiert deren Rassismus. Der Song wurde viel diskutiert. 2011 zum Beispiel hat die Analyse durch einen amerikanischen Juraprofessor ergeben, dass Jay Z mit den Rechtsvorstellungen, die er besingt, höchstens in Kanada Erfolg haben könnte. Was er sich sonst noch für Gedanken über die Komplikationen im Alltag macht, erzählt Jay Z in „99 Problems“.

Song 9: Sound of Schnitzel

Im Jahr 2004 durfte sich die deutsche Musikszene ganz besonders über eine Band freuen. Die Rede ist von den Beatsteaks. Die Klangschnitzel aus Berlin veröffentlichten damals nämlich ihr drittes Album. „Smack Smash“ hieß das Ding. Die Platte schaffte es in den deutschen Charts bis auf Platz 11 und machte die Beatsteaks auf einen Schlag international bekannt. 2011 waren die Jungs dann auch mal bei uns und haben mal so ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert. Hier ist „Hand in Hand“ von den Beatsteaks.

Song 10: Party im Block

Im Jahr 2005 hatte die Indie-Band Bloc Party ihren Durchbruch. Ihr Debütalbum „Silent Alarm“ wurde von den Kritikern weltweit regelrecht gefeiert. Und auch wir waren von der Band nachhaltig begeistert. 2012 war ihr viertes Album „Four“ unsere CD der Woche. Genauso wie die beiden Soloalben des Bloc Party Frontmanns Kele Okereke. Unser Song für 2005 ist „Modern Love“ aus dem Debütalbum von Bloc Party.

Song 11: Reif für die Insel

Wenn Sie auf Gitarrenmusik aus England stehen, war 2006 ein tolles Jahr. Damals waren Bands wie Franz Ferdinand oder Arctic Monkeys in aller Munde. Oder auch The Kooks. Die haben 2006 ihr Debüt „Inside In, Ouside Out“ veröffentlicht und sind damit an die Spitze der Charts gestürmt. Seitdem haben The Kooks drei weitere Alben veröffentlicht. Ihre neuste Platte erschien letztes Jahr. Damals waren die Jungs auch in Leipzig. Und natürlich im Interview bei uns. In unsere Playlist kommt der Ohrwurm „She Moves Her Own Way“ aus dem Jahr 2006.

Song 12: "Give me the Song"

Heute geht’s um 2007. Es gibt immer mal Titel, die in der Musikredaktion hoch und runter laufen. Selbst genervte Moderatoren können da mit Gewaltandrohungen nix machen. Dazu gehörte auch ein Stück der britischen Band The Feeling. Die sind mit ihrer ersten Single „Sewn“ direkt in den britischen Top Ten gelandet. Übrigens vor allem durch Radio-Unterstützung von der BBC. Da hat mephisto wohl nicht so viel dazu beigetragen. Auch das zweite Album erreichte in England die Spitze der Charts. Inzwischen arbeitet die Band schon an Album Nummer 5. Und wenn Ihnen „Sewn“ von The Feeling gleich auch bekannt vorkommt, mögen Sie vielleicht Fußball-Computerspiele. Der Song wird nämlich auch in FIFA 07 gespielt.

Song 13: Rückkehr der Achziger

Wir befinden uns heute im Jahr 2008. Damals kam auch die Musikredaktion nicht an der Rückkehr der 80er Jahre vorbei. Schuld daran war unter anderem das Australische Duo Empire Of The Sun. Die haben im Herbst 2008 die Single „Walking On A Dream“ veröffentlich. Der Song war so erfolgreich, dass sie extra den Titel ihres Debütalbums geändert haben. Mit dem nahmen sie auch alle Preise mit. Trotzdem blieben Empire Of The Sun irgendwie ein One-Hit-Wonder. Vielleicht ändert sich das ja mit dem dritten Album. An dem sollen sie nämlich gerade arbeiten. Wir erinnern uns jetzt erstmal an Sommer, Sonne und zahlreiche Studi-Partys mit Empire Of The Sun und „Walking On A Dream.”   

Song 14: Digital ist besser

Als mephisto 1995 zum ersten Mal auf Sendung ging, kam die Musik natürlich von CD. Damals bekamen die Moderatoren einfach einen Stapel CDs von der Musikredaktion in die Hand gedrückt - die sie dann in der Sendung aufgelegt haben. Seit 2009  spielen wir unsere Hits direkt vom Computer. Der zählt auch fleißig mit, wie oft wir welche Titel spielen. Der folgende Song, ist der aktuell älteste gespielte Titel im System. Das war im November 2009. Und zwar von I’m Not A Band aus Berlin. Das Duo mischt Geige mit Elektrobeats und wechselt ständig die weibliche Besetzung. In alter Besetzung im Jahr 2009 entstand der Song „Electrolin“, den wir nach sechs Jahren für Sie wieder ausgegraben haben.   

Song 15: Geliebte Halle D

Im September 2010 wurde die Halle D im Werk 2 wiedereröffnet. Davor war sie fast zehn Jahre geschlossen. Heute kann man sich die Leipziger Konzertlandschaft ohne die Halle D kaum vorstellen. Ein Eröffnungskonzert gab es natürlich auch. Übrigens kostenlos, damit sich die Leipziger die neuen Räumlichkeiten angucken konnten. An diesem Abend spielten da unter anderem die Leipziger Band Sonic Boom Foundation und Elsterclub. Und der englische Elektrokünstler James Yuill. Für die Musikredaktion damals DAS Konzert des Jahres. Deshalb hören wir jetzt James Yuill mit „This Sweet Love“.

Song 16: Oh, Boy!

Wenn sich zwei Mädels Boy nennen, dann ist Irritation vorprogrammiert. Dabei steht das Duo für ausgesprochen sympathische Popmusik. Das haben sie auch gelernt – nämlich beim Popkurs Hamburg. Das Debütalbum „Mutual Friends“ erschien 2011. Wir feiern bei mephisto ja gerne die Geheimtipps, aber Boy war damals wirklich in aller Munde. Das Album ist dann auch direkt in die Top Ten eingestiegen. Und es war natürlich unsere CD der Woche. Seit dem ist es still um die Band geworden. Letztes Jahr hieß es noch, Boy arbeiten am zweiten Album. Aber bisher hat sich da nichts getan. Wir haben Boy auf jeden Fall nicht vergessen. Deshalb ist der Song „Little Numbers“. Ein Jubiläum übrigens, denn in diesem Zusammhang haben wir ihn zum 100. Mal gespielt.

Song 17: Lokales Kraft-Beben

Wir befinden uns im Jahr 2012. Da hat im Januar eine sächsische Lokalband ganz Deutschland erobert. Die Rede ist natürlich von Kraftklub. mephisto-Hörern ist die Band aus Chemnitz wohlbekannt. Ihr Debütalbum „Mit K“ haben wir als CD der Woche gefeiert. Letztes Jahr erschien der Nachfolger „In Schwarz“. Die dazugehörige Live-Tour führte Kraftklub durch ausverkaufte Hallen und springende Fans sorgten in Leipzig sogar für ein kleines Erdbeben. Bei mephisto waren sie auch im Interview. Einen Song von Kraftklub haben wir neulich zum zweihundertsten Mal gespielt. Der heißt „Songs für Liam“ und steckt voller Anspielungen auf die musikalischen Vorbilder der Band.

Song 18: Neue deutsche Fröhlichkeit

Im Jahr 2013 ging es insgesamt ziemlich elektronisch zu. DJ Koze, Mount Kimbie, Disclosure, Flume, Foals, diese Bands fanden sich alle in der Jahresbesten-Playlist wieder. Was ziemlich bemerkenswert war: Es haben sich vermehrt junge, deutsche Bands in die Playlisten geschlichen. Messer, Trümmer, Zucker, Die Nerven, candelilla. Für die Musikredaktion stand 2013  im Zeichen dieser jungen Bands, die es seit langer Zeit mal wieder geschafft haben, deutschen Indierock mit Anspruch zu machen. Davon zeugte auch die Sendung: "Neue deutsche Fröhlichkeit." Außerdem sind diese Bands auch alle irgendwie verbandelt und befreundet, obwohl sie aus den unterschiedlichsten Teilen Deutschlands kamen. Für die deutschsprachige Musik deshalb auf jeden Fall ein sehr spannendes Jahr. Unser Song des Jahres ist Trümmer mit "Straßen voller Staub".

Song 19: Ein echter Geheimtipp

Im Jahr 2014 ist der Musikredaktion im Februar eine besondere Geschichte passiert. An einem Freitagabend waren alle eingeschickten Songs der Woche durchgehört. Und es war einfach nix Brauchbares dabei für die CD der Woche. Doch dann kam die Email direkt von einer schwedischen Band. Feathered Arms heißen die. Gerade mal 250 Fans auf Facebook. Ein echter Geheimtipp. Das Debütalbum überzeugte so sehr, dass die Redakteure am Abend noch fix ein Skype-Interview geführt haben. Die Band war natürlich überglücklich. Und so war mephisto der einzige Sender, der die kleine Band aus Malmö auf dem Schirm hatte. Deshalb sind „Feathered Arms“ mit „Sold Out!“ unsere Band für 2014.

Song 20: Roh und ungeschliffen

Wir beginnen im Jahr 2015. Der Song des Jahres ist einer der meist gespielten mephisto-Songs des Jahres: „Then What“ von Balthazar. Die Band aus Belgien lieferte im März ihr drittes Album ab. Das heiß „Thin Walls“ und war damals unsere CD der Woche. Unsere Musikredaktion meinte damals: Das Album zeichnet sich durch seinen rohen und ungeschliffenen Sound aus.

 

 

mephisto 97.6 wird 20! Die Musikredaktion feiert: 20 Jahre - 20 Hits! from mephisto 97.6 on Vimeo.

 

Kommentare

Kommentieren

Simon Köppl und Lars-Hendrik Setz
29.04.2015 - 23:19
  Kultur