Utopie

Die Möglichkeiten der Kunst

Utopien kennt man aus der Philosophie. Eine der Ersten schrieb schon Platon und über die Jahrhunderte folgten viele alternative Gesellschaftsentwürfe. Aber die Utopie kommt auch in anderen Kunstsparten vor.
Bücherstapel liegen auf einer Treppe
Literatur kann gesellschaftliche Alternativen beschreiben

Ökologische und ökonomische Krisen, die Digitalisierung der Gesellschaft und ein erstarkter Nationalismus in Europa. Große gesellschaftliche Umbrüche erfordern gedankliche Hingabe. So müssen sich Gesellschaften immer wieder fragen, wie sie leben wollen und welche Werte sie teilen.

Mit Utopien kann man Alternativen beschreiben. Doch die existieren nicht nur in der philosophischen Literatur. Bei der Langen Nacht der Utopie verweist Lyriker Christian Lehnert von der Sächsischen Akademie der Künste auf andere Kunstsparten. Denn eine Utopie hängt vom Ausgangspunkt ab:

Die Utopie ist die Negation des Ortes, wo ich bin. Ein Traum, zu dem ich mich aufmache, der ist abhängig vom Ort, wo ich stehe.

Christian Lehnert, Lyriker

Die Zukunftsvisionen können subtil sein und drücken sich in Tanz und Musik anders aus als in der Literatur. Lehnert ist überzeugt davon, dass durch Lyrik Utopien entstehen können. Die Lyrik könne die Welt durch Bildfindung, Metaphern und Verse anders aufscheinen lassen und Denkschablonen aufbrechen.

Musikalische Utopien

Über den Begriff Utopie denkt der Komponist Bernd Franke bei seiner Arbeit nicht nach, erzählt er. Für ihn sei die Utopie vielmehr eine Mischform verschiedener innerer Gefühlswelten:

Es ist eine Melange aus Vision, Träumen, Ängsten, Zweifeln. Jeder muss das für sich selber suchen und das ist auch abhängig vom Alter und der Zeit, in der man lebt.

Bernd Franke, Komponist

Bernd Franke bedient sich in seiner Arbeit am Konzept der sozialen Plastik. Den Ausdruck prägte einst der Künstler Joseph Beuys. Er sagte, dass jeder Mensch ein Künstler sei und dass jeder die Gesellschaft aktiv mitgestalten könne. Das überträgt Franke auf seine Musik, indem er den Musikern Freiraum lässt – sie improvisieren. Er nennt sie bewusst Solisten. Denn jeder spielt für sich. Daraus ergibt sich ein Ganzes, abseits von herkömmlicher Orchestermusik.

Seine Abkehr vom klassischen Symphonieorchester würde er aber nicht auf alle übertragen wollen. Er möchte zwar neue Wege beschreiten, das Gewandhausorchester sei deshalb aber nicht gleich wegzudenken. Es gehe vielmehr um Alternativen und die sollten nicht nur in Clubs geboten werden, sondern auch an anderen Orten.

Theater als Ort der Utopie

In der Langen Nacht der Utopie wird auch darüber diskutiert, ob das Theater ein Ort der Utopie ist. Diese Frage richtet der neue Präsident der Akademie der Künste, Holk Freytag, an Kay Voges. Er ist Intendant am Schauspiel Dortmund und bekannt für seine experimentellen Inszenierungen. Dabei setzt er sich oft mit der Digitalisierung auseinander.

Das Theater ist für mich per se ein Ort der Utopie. Man kann Unmögliches erschaffen und Träume wahr werden lassen.

Kay Voges, Intendant Schauspiel Dortmund

Es sei ein Gegenwartsmedium, in dem Besucher und Schauspieler für den Augenblick zusammenkommen und jeder Einzelne sich fragen könne: Wie soll die Zukunft aussehen? Ein Problem sieht Kay Voges aktuell. Die deutsche Politik überlasse die Zukunftsgestaltung dem Silicon Valley.

Es sind große Fragen, die es für die Zukunft zu beantworten gilt. Für Christian Lehnert steht fest, dass der Kunst dahingehend eine besondere Rolle zukäme, weil sie die großen zentralen Fragen stellen und Denkanstöße geben könne.

Sie kann neue Wege gehen und gesellschaftliche Alternativen denken. Kunst kann den Menschen in Erinnerung rufen, was mal war und sie kann Mut machen für Neues.

Den Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Nadja Bascheck können Sie hier nachhören:

Nadja Bascheck über Utopien in der Kunst
0407 Beitrag Utopie
 

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Nadja Bascheck
11.07.2017 - 13:08
  Kultur