Filmrezension "Star Wars: Episode VIII"

Die Macht ist wieder stark

Für viele Filmfans ist es der wichtigste Film des Jahres. Mit "Star Wars: Episode VIII" geht eine der erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten in die nächste Runde und sorgt für allerhand Diskussionen.
Daisy Ridley in "Star Wars"
Rey entdeckt ungeahnte Kräfte in ihr

Neben der Fantasyserie Game of Thrones oder den neuen Marvel-Filmen gibt es wohl kaum ein Franchise, um die ein so großes Geheimnis im Vorfeld gemacht wird, wie bei Star Wars der Fall ist. Spoiler dürfen unter keinen Umständen vorher an die Öffentlichkeit gelangen, viele Fans schauen sich nicht einmal den rätselhaften Trailer an, um sich nicht den Spaß zu verderben. Dabei erzählt Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi im Grunde genommen die gleiche Geschichte wie auch schon die beiden anderen Trilogien zuvor. Das Gute gegen das Böse, die Rebellion gegen das böse Imperium. Und doch ist da zum ersten Mal ein Gefühl der Unberechenbarkeit.

Die alte Macht

Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi setzt dort ein, wo Episode VII die Zuschauer mit einem fiesen Cliffhanger zurückgelassen hat. Rey (Daisy Ridley) trifft auf den legendären Luke Skywalker (Mark Hamill), der sich ins Exil zurückgezogen hat. Die Rebellen erhoffen sich die Rückkehr des Jedi-Ritters als Symbol des Widerstands, die junge Rey möchte in Ausbildung gehen, hat sie doch längst ebenfalls ungeahnte Kräfte in sich entdeckt. In der Zwischenzeit werden die Rebellen rund um Prinzessin Leia (Carrie Fisher) von einem Angriff der Ersten Ordnung überrascht. Wie das Aufeinandertreffen zwischen Luke und Rey verläuft und ob die Rebellion weiterlebt, darf an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden.

In Episode VIII agiert an verschiedensten Stellen ein riesiges Figurenensemble. Das Zusammenspiel aus Charakteren der alten Trilogien und den charismatischen neuen Charakteren wie Rey oder dem Piloten Poe (Oscar Isaac) funktioniert bisher erstaunlich gut. In diesem Teil geben sich auch einige Stars wie Laura Dern oder Benicio del Toro die Ehre. Leider bleibt in der überladenen Handlung wenig Zeit, um die neuen Figuren befriedigend einzuführen und so fühlen sie sich etwas hilflos in die Geschichte gequetscht an. Auch wer sich auf mehr Tiefe für die Charaktere der bösen Seite gefreut hat, wird vermutlich eher enttäuscht. So bekommt beispielsweise Game of Thrones - Star Gwendoline Christie als Captain Phasma gefühlt zehn Sekunden mehr Screentime als im vorherigen Teil. Alle anderen, insbesondere der von Adam Driver gespielte Kylo Ren, zeigen mehr vom Bekannten. 

Emotional wird es hingegen bei Carrie Fishers Szenen. Die 2016 verstorbene Schauspielerin bekommt hier noch einmal einen einprägsamen Auftritt, in Episode IX wird sie kaum noch zu sehen sein. Größte Überraschung im Cast ist Mark Hamill als gealterter Luke Skywalker, der in den alten Filmen eher weniger für sein schauspielerisches Talent bekannt war, aber hier seine bisher beste Leistung abliefert.

Daisy Ridley und Mark Hamill
Luke Skywalker hat sich zurückgezogen

Episch bis ärgerlich

Der achte Star Wars - Teil ist mit 150 Minuten der bisher längste der ganzen Reihe. In den 2 1/2 Stunden ist so ziemlich alles dabei: von epischen Actionszenen über unfreiwillige Komik bis zu absolut enttäuschenden Entwicklungen. Episode VIII beginnt direkt mit einer spektakulären und äußerst langen Actionszene, von der aufgesetzten Dynamik ist in der eigentlichen Geschichte danach aber zunächst recht wenig zu spüren. Glücklicherweise ist Die letzten Jedi kein Remake von Das Imperium schlägt zurück geworden, wie viele befürchteten. Regisseur Rian Johnson beweist in vielen Momenten Mut, seinen eigenen Weg zu gehen. Er rechnet mit vielen bekannten Konstellationen ab, durchtrennt bisher gesponnene Fäden und sorgt damit für kontroverse Reaktionen. Dabei ist es genau diese Radikalität, die die Reihe im 21. Jahrhundert verdient hat, um sich in neue Gefilde vorzuwagen. Der Mittelteil des Films ist hingegen sehr enttäuschend ausgefallen. Große Handlungsstränge wirken im Nachhinein völlig überflüssig und unlogisch, einige Entwicklungen verpuffen gänzlich, ja in vielen Szenen will sogar gar keine richtige Star Wars - Stimmung aufkommen. Mut zur Schere wäre da angebracht gewesen!

Episode VIII ist düsterer ausgefallen als seine Vorgänger, die Charaktere sind teils ambivalenter gezeichnet und die ein oder andere Mission geht überraschenderweise auch mal schief. Diesen Mut muss man dem Regisseur hoch anrechnen und im letzten Drittel gelingt ihm zum Glück, das Ruder noch einmal herumzureißen, nachdem auf halber Strecke ein wenig erzählerischer Leerlauf herrschte. Episode VIII hält sich lange zurück, im letzten Akt wird aber alles an Bombast und Spektakel aufgefahren, was das Kino hergibt. Das Sounddesign ist spektakulär, die Bilder sind mitunter eine Wucht. Episode VIII zieht im Gänsehautfinale die Spannung gekonnt an. Warum nicht gleich so? Zum Schluss bleibt Aufbruchstimmung. Episode 9 kann kommen!

Szene aus Star Wars: Episode VIII
Finn gegen Captain Phasma

Fazit

Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi ist eine überzeugende, mutige Weiterführung der Geschichte mit reichlich Diskussionsstoff für die Fans, aber insgesamt zugleich ein etwas durchwachsen erzählter Film geworden. Das spektakuläre letzte Drittel und einige sehr emotionale Charaktermomente überwiegen die Probleme, die dieser achte Teil mit sich bringt. Das größte Kompliment, das man dem Film aber machen kann, ist, dass man am Ende das Kino mit großer Vorfreude auf den Abschluss der Trilogie verlässt. Die Wartezeit bis 2019 wird eine Qual.

 

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Janick Nolting
15.12.2017 - 18:25
  Kultur

Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi

Regie: Rian Johnson

FSK 12

Laufzeit: 150 Minuten

Kinostart: 14.12.2017

Cast: Daisy Ridley, Mark Hamill, Carrie Fisher, Oscar Isaac, Gwendoline Christie, Adam Driver, Laura Dern, John Boyega, Kelly Marie Tran, Benicio del Toro, Peter Mayhew und viele mehr