Stadt teilen: Zentrum-West

Die hippste Platte Leipzigs

"Kolonnadenviertel“ nennen Leipziger den Teil des Zentrum-West zwischen Martin-Luther-Ring, Friedrich-Ebert- und Käthe-Kollwitz-Straße. Die Kolonnadenstraße gehört zu den spannendsten Straßen der Stadt. Zeit für einen Besuch.
Dorotheenplatz mit Blick auf die Kolonnadenstraße.

Eng, fast dörflich stehen die Häuser in der Kolonnadenstraße nebeneinander. Neben Plattenbauten. Neben einem Laden für russische Feinkost findet sich das Café Tunichtgut. Hinter dem Tresen steht Joyce. 

Hier kommen nur Stammgäste her. Vor allem aus den umliegenden Galerien. Man kennt sich halt. Es ist fast so eine eigene kleine Welt hier.

Joyce, Mitarbeiterin im Café Tunichtgut

Der besondere Charme dieser eigenen kleinen Welt stammt aus dem Sanierungskonzept der DDR. Das Viertel wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Erst Anfang der 80er Jahre wurde es dann großflächig saniert. So entstand die besondere Mischung aus Platte und Altbauten. Damals prägten edle Feinkostläden das Bild. Nach der Wende leerten sich die Läden auf der Kolonnadenstraße. Der Fahrradladen "Sattelfest“ ist seit über zehn Jahren in der Straße. Inhaber René Winkler war einer der ersten Mieter in der Straße.

Ich bin durch Zufall auf die Straße aufmerksam geworden, weil eine Freundin hier HGB-Partys gemacht hat. Als ich gesucht hab, 2003 waren noch sieben andere Läden frei. Da war hier nicht viel los. Jetzt ist alles lebendiger geworden. Aber trotzdem ein ganz eigener Kiez. Obwohl man von hier den Uniriesen sehen kann.

René Winkler, Inhaber Sattelfest

Ganz zentral und trotzdem für sich – vielleicht ist das das Geheimnis der Kolonnadenstraße. Die meisten Wohnungen und Läden werden durch die Städtische Wohnungsgesellschaft vermietet. Auch der Kunstverein Leipzig hat hier seinen Sitz. Der Verein stellt in den Räumen zeitgenössische Kunst aus. Ein Vorteil, dass die Hochschule für Grafik und Buchkunst gleich um die Ecke ist. Neben einem Büro für Grafikdesign nutzen Künstler die Flächen als Ateliers. Ein Umfeld, in dem sich auch Philipp Neumann wohlfühlt. Der Designer betreibt mit seiner Partnerin Karen Laube mzin - ein Laden für Zeitschriften besonders aus dem Kunst- und Designbereich.

Ich hätte nie gedacht, dass das Soziale so wichtig für mich ist. Die Leute vom Kunstverein, die Architekten oder die Schauspielerin von gegenüber, dass sind alles Freunde. Einige kannten wir schon früher. Andere haben wir hier kennengelernt. Ich finde es schön, dass man mit Leuten solche Projekte noch ohne ökonomischen Antrieb in Zentrumsnähe machen kann. 

Philipp Neumann, Grafikdesigner, Inhaber mzin

Philipp Neumann im Kunst- und Designmagazinladen "mzin".
Philipp Neumann im Kunst- und Designmagazinladen "mzin".

Am Ende sind es also gute nachbarschaftliche Verhältnisse, die die Kolonnadenstraße besonders machen. Das finden nicht nur Künstler und Designer. Die nördlichste Punkrockkneipe der Stadt, das Stoned gehört ebenso dazu wie ein Asia-Imbiss mit Spätshop. Ein Bürgerverein kümmert sich um das soziale Miteinander im Viertel. So bleibt nur zu hoffen, dass die Kolonnadenstraße ihre Eigenständigkeit bewahrt. Denn für den Hype ist sie eigentlich viel zu gemütlich.

Die hippste Platte Leipzigs - ein Beitrag von Simon Köppl
Kolonnadenstraße

 

 

Kommentieren

Am 2. Mai 2015 findet ein Kolonnadenstraßen-Fest statt. Dann haben alle Läden und Ateliers für Besucher geöffnet. Ein genaueres Programm wird noch bekannt gegeben.