Asylbewerber und Rückkehrer

Die freiwillige Rückkehr ins Fluchtland?

Freiwillig in seine Heimat zurückkehren, aus der man vorher erst geflohen ist? Das haben 2017 im Vergleich zum Vorjahr bisher weniger Menschen getan. Das Konzept der freiwilligen Rückkehr wird auch immer mehr kritisiert.
Geflüchtete
In ein Land zurückkehren, aus dem man gerade erst geflohen ist?

Rückkehr oder Abschiebung?

Wie das sächsische Innenministerium mitteilte, sind zwischen Januar und Mai 2017 nur knapp 600 Asylbewerber in ihr Heimatland freiwillig zurück gekehrt. Im gleichen Vorjahreszeitraum kehrten noch 927 Menschen freiwillig zurück. Die Ursache für diesen Rückgang ist bisher noch nicht geklärt.

Von einer freiwlligen Rückkehr spricht man, wenn Asylbewerber innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt ihres abgelehnten Bescheids, in ihr Heimatland zurückkehren. Halten die Betroffenen diese Frist nicht ein, werden sie abgeschoben. In die Statistik des Innenministeriums zählen aber nicht die Menschen, die noch vor ihrem finalen Bescheid zurück in ihre Heimat gehen.

In Deutschland bieten die Innenministerien deshalb die "Starthilfe Plus" an. Asylbewerber, die vor ihrem Entscheid wieder in ihr Heimatland zurück kehren, erhalten 1200€ Förderung. Personen, die nach ihrem negativen Bescheid zurück kehren, erhalten 400€.

Alleine die Existenz dieser unterschiedlichen Stufen sehe ich sehr kritisch. Warum sollte jemand der noch im Verfahren ist, mehr Geld kriegen? Rein theoretisch kann er sein Recht auf Asyl verkaufen.

Lena Prodöhl, Caritas Leipzig

Asylantrag: Abgelehnt

Kritik an der freiwillig Rückkehr wird vor allem von Seiten der Hilfsorganisationen laut. mephisto 97.6 Redakteurin Anneke Elsner fasst die Hintergründe und Stimmen zusammen: 

Anneke Elsner über freiwillige Rückreisen von Asylbewerbern
 

Wenn Asylbewerber zum Beispiel aus einem sicher erklärtem Land stammen und deshalb schlechte Bleibeperspektiven haben, werden sie meist schon in den Erstaufnahmeeinrichtungen zur freiwilligen Rückkehr beraten. Caritas und Flüchtlingsorganisationen üben Kritik an diesem Verfahren. Ihrer Meinung nach, schade das der Reintegration in ihrem Heimatland.

Es ist eine sehr intensive Beratung, wenn man Leute dazu bewegen und überreden will, das Land freiwillig zu verlassen. Was aber mit den Menschen in ihrem Heimatland passiert, ist den Meisten hier relativ gleichgültig.

Thomas Hoffmann, Sächsischer Flüchtlingsrat

Flüchtlingsrat und Wohlfahrtsverbände sprechen sich gegen zu frühe Beratungen aus. Solche Gespräche sollten ihrer Meinung nach, erst geführt werden, wenn wirklich alle aufenthaltsrechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft seien. Oftmals wüssten die Geflüchteten zum Beispiel auch nicht, dass sie gegen ihren negativen Bescheid noch juristisch vorgehen könnten.

Die Rückkehrberatung

Rückkehrberatungen gibt es meist in Erstaufnahmeeinrichtungen und Geflüchtetenunterkünften. Auf Landkreisebene übernehmen diese, die unteren Ausländerbehörden und Wohlfahrtsverbände. Aber auch das Deutsche Rote Kreuz berät potentielle Rückkehrer.

Über die Möglichkeiten die Rückkehrern in Deutschland geboten werden, und die Rückkehrerzahlen hat mephisto 97.6 Moderator Lars-Hendrik Setz mit Dr. Patrick Schmitke vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gesprochen:

mephisto 97.6 Moderator Lars-Hendrik Setz im Gespräch mit Dr. Patrick Schmitke
 

Die meisten Rückkehrer aus Sachsen stammten in diesem Jahr aus Albanien (122), Serbien (84) und dem Irak (72). Es wird nicht statistisch erfasst, wer von diesem Rückkehrern die Beratung in Anspruch genommen hat.

 

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Conny Poltersdorf
04.07.2017 - 19:15