25 Jahre Wiedervereinigung

"Die Entwicklungen sind etwas langsamer"

25 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung gibt es immer noch Unterschiede zwischen Ost und West - und zwar nicht nur auf der finanziellen Ebene sondern auch auf der zwischenmenschlichen.
Hochwasser
Im Ernstfall müssen Bürger ran. Die Millionen-Investitionen sollen das künftig verhindern.

Die kürzlich erschienene Studie der Bertelsmann-Stiftung "Radar: Gesellschaftlicher Zusammenhalt" zeigt, dass die Deutschen zwar insgesamt besser zusammenhalten, die Unterschiede zwischen den Neuen und den Alten Bundesländern sich hingegen sogar vergrößert haben.

Kann man Freundschaft messen?

Die Studie basiert auf verschiedenen Umfrageergebnissen und statistischen Erhebungen. Der gesellschaftliche Zusammenhalt wird im Wesentlichen an drei Faktoren festgemacht, erklärt Kai Unziger von der Bertelsmann-Stiftung.

Das sind zum einen die sozialen Netzwerke, in die die Menschen eingebunden sind, also Freunde, die ihnen helfen und sie unterstützen, wenn sie mal Sorgen haben. Das hat auch etwas damit zu tun, wie sehr sie anderen Menschen vertrauen. Das Zweite ist die Verbundenheit mit der Gemeinschaft, also wie sehr fühlen sie sich eigentlich zugehörig zu der Gesellschaft in der sie leben. Und die dritte Frage ist: Wie sehr sind sie auch bereit, Verantwortung zu übernehmen, für andere, für das Gemeinwohl – also engagieren sie sich? Spenden sie? Bringen sie sich politisch ein?

In den letzten Jahren wurden diese Daten bundesweit erfasst und ausgewertet. Das Ergebnis ist die jetzt vorliegende Studie, die zeigt, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt zwischen den Deutschen besser geworden ist.

Ost und West – immer noch nicht eins

Allerdings besteht nach wie vor ein Unterschied zwischen Ost und West – dieser hat sich sogar verschlechtert. Im Osten ist der Zusammenhalt wesentlich geringer als im Westen: In Hamburg haben 82 Prozent der Menschen das Gefühl, Freunde zu haben, die ihnen helfen würden. In Sachsen-Anhalt sind es dagegen nur 68 Prozent. Laut Unziger liegt das vor allem an den strukturellen Unterschieden, die auch durch die deutsche Wiedervereinigung entstanden sind. In Ostdeutschland gäbe es noch immer weniger Arbeitsplätze und weniger Lohn sowie eine niedrigere Urbanität – das heißt, es leben mehr Menschen auf dem Land als in der Stadt. Außerdem bringen sich weniger junge Menschen gesellschaftlich ein, da sie hauptsächlich mit ihren eigenen Problemen wie hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben.

Sachsen ist vorne dabei unter den Ostdeutschen

Sachsen steht noch vor Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern auf der Liste. Nur in Brandenburg ist die Situation besser. Kai Unziger erklärt, dass das vor allem an der guten Infrastruktur in Sachsen liegt: Mit Dresden und Leipzig gäbe es zwei große und wichtige Metropolen, die das Bundesland attraktiv machen.

 

Kai Unziger von der Bertelsmann-Stiftung im Interview mit Moderatorin Susi Kraft.
Bertelsmann TI
 

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