Die Kolumne

Die Eigene Blase

Die Kolumne. Immer Freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Til Schäbitz über, naja, lassen wir uns mal überraschen.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören:

Die eigenen Blase - Die Kolumne von Til Schäbitz

Ich halte Maeckes für einen der zitierbarsten Menschen unserer Zeit. Kaum jemand anders haut so viele Sätze raus, die es wert wären auf ein T-Shirt gedruckt zu werden. Und vermutlich gibt es sogar niemand anderen, der trotz seiner Flut an intelligenten Sätzen so selten auf ein T-Shirt gedruckt wird. Maeckes-Fans tragen nämlich keine bedruckten T-Shirts. Aber ich schweife ab. Neben einigen anderen Sachen sagte Maeckes mal:

„Wir leben von Liebe, Luft und miesen Feedbacks.“ (Maeckes - Hotelzimmerromantik)

Gutes Zitat eigentlich.

Und deswegen gibt’s heute: Til Schäbitz über Liebe, Luft und miese Feedbacks.

Hm, naja. Liebe und Luft wird vielleicht ein bisschen sehr cheesy. Aber Feedbacks sind gut.

Also: Til Schäbitz über Feedbacks?

Ja, das ist zumindest ein Anfang. Und auch ein ganz guter Aufhänger, um mal über ein paar senderinterne Dinge zu sprechen. Wir haben hier bei uns nämlich eine wirklich hohe Feedbackkultur. Bei der Stehkonferenz zum Beispiel. Das ist eine Art Redaktionskonferenz, bei der sich täglich alle Leute aus dem Sender treffen. Und da es nicht genug Stühle gibt, müssen sie eben stehen. Bei dieser Konferenz werden die aktuellen Themen vorgestellt und irgendwie kann jeder seine Meinung dazugeben.

Dabei ist mir aufgefallen, dass wir wirklich ziemlich oft über Dinge aus dem Zoo berichten. Da ich persönlich den Zoo wirklich unglaublich uninteressant finde, frage ich gelegentlich nach warum er schon wieder Thema ist. Und dabei ist die Antwort immer ein:

„Ja, klar, ist nicht so spannend. Aber das interessiert halt die Hörer.“

Unser Kolumnist Til Schäbitz.
Unser Kolumnist Til Schäbitz.

Das interessiert halt die Hörer? N‘ Scheiß, woher will man das wissen? Man kann als Radiosender nicht messen, bei welchem Thema die meisten Leute hinhören, man kann es nur mutmaßen. Trotzdem ist es im Journalismus zum allgemeinen Trend geworden, die Hörer lieber zu unter- als zu überschätzen.

Aber warum sollten sie sich eher für Robbenbabys als für das neue Polizeigesetz interessieren? Man tut es als Journalist ja schließlich auch nicht. Wieso hat man dann die Arroganz anzunehmen, dass einen selbst andere Sachen interessieren als die Hörer? Dass man selbst mehr versteht als die Hörer?

Klar muss man als Journalist einen gewissen Service-Aspekt erfüllen. Aber dieser Service sollte darin liegen, schwierige Themen möglichst verständlich zu erklären. Der momentane Trend geht jedoch dahin, schwierige Themen einfach wegzulassen und nur noch seichte Kost zu liefern.

Ich habe keine Ahnung ob das der Arroganz oder doch eher der Faulheit einiger Journalisten geschuldet ist. Aber das ist eigentlich auch egal. Problematisch ist, dass mehr und mehr Rezipienten von den wichtigen Informationen abgeschnitten werden. Und wenn sich diese Entwicklung nicht ändert, kommen irgendwann wirklich nur noch die seichten Themen beim Hörer an.

Äh, Til, tatsächlich hat unsere Grafik zum Zoopark schon jetzt mehr als doppelt so viele Reaktionen wie die zur Asylpolitik.

Ok, krass. Und tatsächlich hat Mark Forster schon jetzt mehr Gold und Platin-Platten als Maeckes je haben wird. Daran kann ich recht wenig ändern. Aber ich kann meinen Hörern etwas zutrauen. Ich kann sie „Rezipienten“ nennen und sie verstehen es. Von wegen das sei kein Radiowort. Ich kann etwas fragmentarisch oder unreflektiert finden, Sätze sagen, die mehr als sieben Worte lang sind und mich nicht mit dem gesunkenen Anspruch abfinden.

Und wer mir dann mieses Feedback gibt, der sollte vielleicht besser von Liebe und Luft leben.

 

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Til Schäbitz
18.05.2018 - 11:23