Das lange Interview mit Steffen Kache

"Die Distillery ist nicht austauschbar."

Seit 1992 feiern Freunde elektronischer Musik in der Distillery. Doch die Zukunft von Ostdeutschlands ältestem Techno-Club ist ungewiss. In M19 sprechen wir mit Steffen Kache, dem Betreiber der Tille, über den aktuellen Stand und Anfänge des Clubs.
Moderatorin Constanze Müller mit Steffen Kache von der Distillery.

"Da gab's keinen Mietvertrag, da gab's gar nix."

Eigentlich wollte Steffen Kache Physik studieren. Und wer weiß, vielleicht hätte er einen ähnlichen Weg eingeschlagen wie Angela Merkel. Doch dann kam die Musik. Inspiriert durch die Berliner Techno-Szene war er mit ein paar Freunden Anfang der Neunziger auch in Leipzig auf der Suche nach guten Clubs. Doch die bestehenden Clubs und Discos bedienten ihren Musikgeschmack einfach nicht. Deshalb entschlossen sie sich, einfach selbst etwas aufzuziehen. In einer alten Brauerei fanden Sie 1992 auch geeignete Räume. Die Distillery war geboren.

"Die Distille wird schon nicht baden gehen."

Zwei Jahre hielten Sie ohne Genehmigung am ersten Standort durch, bis die Stadt Leipzig die Brauerei zumauerte. Einen neuen Standort fanden die Betreiber damals in der Kurt-Eisner-Straße in der Südvorstadt. Doch die Problematik eines Umzugs könnte der "Tille" erneut bevorstehen. Das Gelände auf dem der Club steht, gehört seit letztem Jahr der Stadtbau AG. Weil diese dort Wohnungen plant, befindet sich Steffen Kache derzeit in Verhandlungen über einen Verbleib am Standort. Unterstützt wird er dabei von allen Fraktionen des Stadtrates, außer der FDP.

"Global denken, lokal handeln"

Steffen Kache ist allerdings auch abseits der Distillery politisch aktiv. Seit seinem Zivildienst beim Verein Ökolowe setzt er sich vor allem für die Umwelt ein. In Sachen "Tille" steht zum Beispiel die Idee eines Null-Energie-Clubs im Raum. Dabei soll der Club die Energie die er verbraucht auch selbst erzeugen. Diese Pläne liegen, wegen der ungewissen Zukunft des Standortes, allerdings auf Eis. Im Mai wird Steffen Kache dann sogar für die Grünen bei der Leipziger Stadtratswahl antreten. Nicht unwahrscheinlich, dass er sich auch für seinen Club einsetzen wird.

Moderatorin Constanze Müller im Gespräch mit Steffen Kache von der Distillery
M19 mit Steffen Kache von der Distillery
 

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Andreas Funke
04.03.2014 - 12:58
  Kultur