Selfpublishing

Die Demokratisierung des Büchermarkts

Immer mehr Autoren finden Gefallen am Selfpublishing. Sich selbst zu verlegen, das heißt, alles rund um das eigene Buch selbst bestimmen zu können. Zwei erfolgreiche Selbstverleger berichten von ihrem Erfolgsgeheimnis und geben Marketingtipps.
Meet & Greet mit Marah Woolf am Stand der Lieblingsautoren
Meet & Greet mit Marah Woolf am Stand der Lieblingsautoren

Auch in diesem Jahr präsentierten sich wieder 24 erfolgreiche Selfpublisher am Stand der Lieblingsautoren in Halle 5. Der große Andrang beim Meet & Greet mit den Autoren beweist, dass es auch Selbstverleger schaffen können. Marah Woolf kommt aus Magdeburg und kann von mittlerweile 800 000 verkauften Büchern hauptberuflich leben. 2011 wurde sie durch die Trilogie der MondLichtSaga bekannt. In diesem Jarh erscheint der vierte Band der Reihe - wieder als E-Book, Taschenbuch und Hörbuch.

Hauptberuflich tätig sind laut der aktuellen Studie von BooksOnDemand aber nur 12 Prozent aller Selbstverleger. Die Selfpublishing-Plattform hat dazu 5500 Autoren aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Dänemark, Schweden und Finnland befragt. Davon nahmen rund 3900 Autoren aus dem deutschsprachigen Raum teil. Für 46 Prozent der Autoren ist das Schreiben eher eine Freizeitbeschäftigung. Wer hauptberuflich davon leben will, muss viel dafür tun.

Marah Woolf verriet mephisto97.6-Redakteurin Nicole Frank ihr Erfolgsgeheimnis:

mephisto97.6 Reporterin Nicole Frank über Self-Publishing
2403 selfpublishing

Zu den Lieblingsautoren gehört auch Michael Meisheit. Er ist seit 1997 als Drehbuchautor für die Fernsehserie "Lindenstraße" tätig und hat 2012 das Selfpublishing für sich entdeckt. Unabhängig und selbständig die eigenen Werke veröffentlichen zu können, sehe er als ein einzigartiges Geschenk für jeden Kreativen. In dieser Branche kann er sich nicht nur als Michael Meisheit ausleben, sondern auch unter dem Pseudonym Vanessa Mansini Geschichten aus der Sicht einer Frau erzählen.  „Bei Liebesromanen erwarten die Leserinnen, es sind meist Leserinnen, erst einmal eine Autorin. Und sie erwarten einen wohl klingenden Frauennamen. “ Meisheits Pseudonym Mansini ist eine Abwandlung seines Nachnamens und klinge eher italienisch, meint er. Mehr als die Hälfte seiner Kolleginnen veröffentlichen aber unter einem englischen Pseudonym. Da die Handlungen oft in den USA spielen und der Name zur Geschichte passen sollte. Natürlich sei es auch die Flucht aus der Realität, erklärt Meisheit.

Die eigene Vermarktung gut durchdenken

Eine ganz wichtige Sache beim ersten Buch ist, nicht einfach das Buch veröffentlichen und dann anfangen, sich darüber Gedanken zu machen, wie man es verkauft.

Michael Meisheit

Denn der Zeitpunkt der Veröffentlichung sei extrem wichtig. Als Selfpublisher verdiene man das Meiste über E-Books, und am meisten immer noch über Amazon, erklärt Meisheit. Man habe nur dann eine große Anzahl von Verkäufen, wenn man dort auch sichtbar wird. Und das könne man nur schaffen,  indem man in den ersten Tagen, in denen das Buch veröffentlicht wird, relativ viele Verkäufe erzielt und so in den Ranking-Listen von Amazon Kindle erscheint. Die Werbetrommel muss also schon lange vorher gerührt werden.  Das gelinge hauptsächlich über Lesergruppen und die eigene Seite bei Facebook und bei LovelyBooks, wo sich unabhängige Autoren anmelden und sich rezensieren lassen können, erklärt Meisheit. Neben seinem Blog verwaltet er auch noch eine eigene Mailing-Liste, mit der er seine Follower regelmäßig mit Neuigkeiten versorgt. Man dürfe sich auch nicht zu sehr auf ein Buch konzentrieren.

Eigentlich ist die beste Werbung für ein Buch, ein neues zu schreiben. Das zweite Buch  macht also automatisch Werbung für das erste. Und man ist als Autor auch automatisch vertrauenswürdiger, wenn man regelmäßig was schreibt. Von daher sollte man auch nicht enttäuscht sein, wenn das erste Buch nicht gleich so gut läuft.

Michael Meisheit

Die Kosten

Neben den Einnahmen sind auch die Investitionskosten zu beachten. Seine Kollegin Marah Woolf investiert mitunter einen vierstelligen Betrag pro Buch für das Lektorat, das Korrektorat und das Coverdesign. Darunter fallen auch Marketingaktionen wie Leseproben und Leserunden. Dies wäre aber auch günstiger möglich, indem sich Autoren zum Beispiel in Autorencommunities gegenseitig unterstützen. Mindestens 1000 Euro sollte ein Autor laut der Autorin dafür ausgeben.

Die Autoren, die gut laufende Bücher haben, verdienen sehr gut damit. Und die haben es dann auch leichter, wenn sie einmal oben waren, wieder dahin zu kommen. Es ist nicht unmöglich, es ist sicher noch einfacher als über einen Verlag. Aber es ist nicht leicht. Dass man dann so viel verdient, dass man davon lebt, das sind in Deutschland vielleicht 100 bis 200 Leute. Also da darf man sich keine Illusionen machen.

Michael Meisheit

 

 

 

 

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Wer sich über den Veröffentlichungs-und Vermarktungsprozess rund um das Selfpublishing informieren möchte, wird auf der Website von Matthias Matting umfangreich fündig. Er hat schon über 50 Bücher selbst verlegt und nennt sich selbst die Self-Publisher-Bibel. Neuen Autoren möchte er damit eine Anleitung geben, eigene Werke möglichst rentabel auf den Markt zu bringen.

Die BooksOnDemand-Studie zum Selfpublishing finden Sie hier: