Stadt teilen: Stötteritz

Die Cheops von Stötteritz

Bei den derzeitig kühlen Temperaturen scheinen die Wintertage gar nicht mehr weit entfernt. In Stötteritz gibt es ein Denkmal, was täglich an die kälteste Zeit überhaupt erinnern soll: die Eiszeit. Aber was hat es mit der Pyramide auf sich?
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Gletschersteinpyramide in Stötteritz
Die Gletschersteinpyramide: Wieso? Weshalb? Warum?

„Es gibt kein Kind in Stötteritz, das hier nicht schon hochgeklettert ist“, sagt Professor Klaus Bente, der sich lange mit dem Denkmal beschäftigt hat. Für die jungen Kletterer sind die gestapelten Steine aber vermutlich mehr ein Spielgerät als ein besonderes Denkmal.

Es erinnert an ein Wunder der Natur: Die verbauten Findlinge sind in der Eiszeit von Skandinavien nach Leipzig gewandert – ein langer Weg für Steine dieser Größe. Das dachte sich der Theologe Caspar René Gregory Anfang des 20. Jahrhunderts auch. Die Schrammen auf manchen Steinen konnten nur damit erklärt werden, dass Gletschereis mitsamt Geröll lange Zeit in Bewegung war. Deswegen würdigte er die neue Theorie der „Inlandvereisung“, indem er die steinernen Beweise aufeinandertürmen ließ. Im Herbst 1903, also zehn Jahre vor der Erbauung des Völkerschlachtdenkmals, war die Pyramide fertig.

Ein Bau im Schutz der „edlen Menschen“

Das Denkmal widmet sich einerseits dem geologischen Phänomen, andererseits auch den „edlen Menschen“, wie die Inschrift der Pyramide zeigt.

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Die Inschrift der Gletschersteinpyramide in Stötteritz

Sicher ist, dass Freimaurer an der Umsetzung beteiligt waren. Es liegt nahe, dass mit den "edlen Mensche", in deren Schutz das Denkmal steht, jene gemeint sind. So war zum Beispiel Ludolf Colditz, Präsident der Leipziger Immobiliengesellschaft und Mitglied einer Freimaurerloge, bei der Entstehung beteiligt. Während beim Entwurf des Völkerschlachtdenkmals eher Freimaurer aus einer national gesinnten Strömung mitarbeiteten, waren es bei der Pyramide kosmopolitisch eingestellte Freimaurer.

Warum aber die Form einer Pyramide? Schaut man sich in Leipzig bewusst um, lassen sich in der ganzen Stadt ägyptische Symbole finden: Am Völkerschlachtdenkmal beispielsweise reitet der Erzengel Michael auf einem Pantherkopf – ein ägyptisches Symbol für die Leidenschaft des Menschen, die gebändigt wird. Ein ganz genauer Hinweis der Initiatoren, warum sie sich für eine Pyramide entschieden, lässt sich bis heute nicht finden. Die gewählte Form überrascht angesichts der altägyptischen Bezüge im Stadtbild jedoch nicht.

Uralte Wanderer

Die Gletschersteinpyramide in Stötteritz unterscheidet sich von anderen Denkmälern – die meisten beziehen sich auf Menschen, Geschehnisse oder Kultur: Statuen tragen Kleider, Geschichte schreibt der Mensch und ein Mahnmal für Krieg wäre ohne ihn nicht nötig. Die Stötteritzer Pyramide hingegen erinnert nicht an Dinge, die von Menschen erschaffen, zerstört oder geprägt wurden. Sie stellt die unvorstellbar alte Natur in den Mittelpunkt, die etliche Epochen überdauert hat.

In der unteren Animation finden sich weitere Infos zur Beschaffenheit, Herkunft und Bedeutung der Gletschersteinpyramide in Stötteritz.

Die Gletschersteinpyramide in Stötteritz
 

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Celia Woitas, Pauline Betche
14.10.2015 - 12:37
  Kultur

  • Baujahr: 1903
  • Ort: Gustav-Schwabe-Platz
  • 700 verarbeitete Findlinge
  • Fläche: 5,40m x 5,40m
  • Höhe: ca. 6,0m
  • Die Geschiebe stammen aus der Region des heutigen Finnland und Schweden
  • ältester Stein: ca. 2 Mrd. Jahre
  • Finaziers: Leipziger Immobiliengesellschaft und die Deutscher Credit-Anstalt