Kommunale Integrationspolitik

Die Charta der Vielfalt in Leipzig

Die Stadt Leipzig hat die Charta der Vielfalt unterschrieben, ist aber zurückhaltend bei der Bekanntmachung dieser Neuerung. Was ist diese Charta genau und was tut die Stadt Leipzig für ihre Umsetzung?
Die Globalisierung verbindet Menschen über Kontinente hinweg.

Yannick Stelter berichtet über die Charta der Vielfalt:  

"Charta der Vielfalt" – Ein Beitrag von Yannick Stelter
 

Seit Anfang August 2015 ist die Stadt Leipzig Unterzeichnerin der sogenannten Charta der Vielfalt für Unternehmen. Immerhin muss sie sich als Arbeitgeber und als Verwaltung einer vielfältiger werdenden Stadt mit der Vielfalt beschäftigen.

Angestoßen wurde die Charta 2006 von den Unternehmen Daimler, BP Europa, der Deutschen Bank und der Deutschen Telekom, um die Vielfalt in Unternehmen zu fördern im Hinblick auf Alter, Geschlecht, Nationalität, Religion, Behinderung und sexuelle Orientierung. Konkret ist die Charta etwa eine Seite lang und eine Selbstverpflichtung des Unternehmens, das unterzeichnet, die Vielfalt im Betrieb zu fördern. Da es eine Selbstverpflichtung ist, geht damit keine Kontrolle durch andere Institutionen einher und die Verantwortung für die Umsetzung liegt allein beim Unternehmen.

Explizite Handungsschritte

Die Charta fordert dennoch einige explizite Handlungsschritte von ihren Unterzeichnern. Die Unternehmen sollen bei Prozessen im Personalmanagement prüfen, ob sie der Förderung der Vielfalt dienen, und darüber regelmäßig öffentlich Auskunft geben. Zudem sollen sie Mitarbeiter und Öffentlichkeit über die Unterzeichnung informieren und mit ihnen darüber in Austausch kommen. In dem zweiten Punkt scheint die Stadt Leipzig Verbesserungsbedarf zu haben. Denn die Stadtratsfraktion der Grünen zum Beispiel hat erst über das Internet von der Unterzeichnung erfahren. Die Stadt habe verpasst, die Partei gezielt zu informieren.

Trotz dieser Anfangsschwierigkeiten begrüße die Parteifraktion die Unterzeichnung, sagt Tim Elschner, verwaltungspolitischer Sprecher der Grünen im Stadtrat. Die Fraktion erhoffe sich nun von der Stadt konkrete Pläne zur Erreichung der Chartatiele. Denn auch wenn die Stadt nach Meinung der Grünen schon gute Integrationsarbeit leiste, wolle sie sichern, dass die Unterzeichnung der Charta sichtbare Ergebnisse nach sich zieht und nicht nur eine weitere Urkunde bringt, die "nur Schmuckstück" ist.

Wie geht es weiter?

Bei der nächsten Stadtratssitzung wollen die Grünen diese Frage klären und die Idee einbringen, einen Aktionsplan zur Umsetzung der Ziele zu erstellen. Dieser Aktionsplan könne z.B. auf zwei bis drei Jahre angesetzt und mit einem Prüfbericht abgeschlossen werden. Grundsätzlich wird dieser Vorschlag der Charta schon sehr gerecht – auch wenn es dort heißt, ein Prüfbericht solle sogar jährlich erstellt und veröffentlicht werden. 

 

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Die Charta der Vielfalt im Wortlaut ist zum Nachlesen hier zu finden.

Der Verein Charta der Vielfalt e.V. setzt sich für die Verbreitung der Charta ein. Mehr Infos zum Verein und teilnehmenden Unternehmen etc. auf der Website der Charta