Jahresrückblick 2019: Musik

Die 20 besten Alben 2019

Alle Jahre wieder: Die mephisto 97.6-Musikredaktion kürt die 20 besten Alben 2019.
Top 20
Wir stellen vor: Unsere Top-Alben des Jahres.

20. Foals - Everything Not Saved Will Be Lost Pt. 1+2

Gleich zwei Alben haben Foals Anfang dieses Jahres angekündigt. „Everything Not Saved Will Be Lost Pt. 1“ erschien im März und legte mit epischem Alternative-Rock und schneidenden Vocals vor. Im Herbst bewies dann „Pt. 2“, dass Foals sogar noch härter und weiter können. Zwei bombastische Alben mit insgesamt 20 Songs, die zeigen, dass es sich lohnt musikalische Risiken einzugehen.

Marie Jainta

19. Billie Eilish - WHEN WE ALL FALL ASLEEP, WHERE DO WE GO?

Düstere Melancholie zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album. Das kriegt man nicht nur in ihren Musikvideos mit. Billie singt gerne und oft über Themen, die auch aus einem Krimi stammen könnten. Doch beim Hören ihrer sanften und einfühlenden Stimme könnte man schnell vergessen, worum es eigentlich wirklich geht. Die Sängerin möchte anecken, bloß nicht gewöhnlich sein. Das ist ihr gelungen.

Celine Schmock

18. dandelion hands – bleak weak 2: it's my party and i'll die if i want to

Seit 2011 macht der US-amerikanische Musiker Nick Heck unter dem Namen ‚dandelion hands‘ Musik. Zwischen Melancholie und Elektronik bewegen sich Songs des 2019 erschienenen „bleak week 2: it‘s My party and i‘ll die if i want to“. Mal gesungen und mal gesprochen erzählen die Lyrics von psychischen Störungen (wie dem Erleben von Panik Attacken im Club) und romantischen Gefühlen. Das Album trieft vor musikalischem Zeitgeist gepaart mit klassischen lyrischen Emo-Elementen.

Gesa Koy

17. Catfish and the Bottlemen - The Balance

Mit „The Balance“ knüpfen Catfish and The Bottlemen nahtlos an das Vorgängeralbum an. Das Soundbild der Platte überrascht zwar nicht sonderlich, denn die Band macht eigentlich immer noch genau das, was sie schon immer gemacht hat. Aber - es funktioniert immer noch. Catfish and the Bottlemen liefern mitreißende Indie-Rock Hymnen, während Sänger Van McCann mit seiner charakteristischen Stimme durch ein Album voller Liebe und Selbstzweifel führt.

Lina Kordes

16. OG Keemo - Geist

OG Keemo sorgt mit seinem Album „Geist“ für einen kleinen Meilenstein im Deutschrap. Dank großartiger Beats von Funkvater Frank und seiner gewohnt bassigen Stimme sorgt der Rapper für ein fantastisches Soundbild. Inhaltlich thematisiert „Geist“ alles vom klassischem Gangsterrap bis hin zu Problemen wie Rassismus, Polizeigewalt und der eigenen Identität.

Simon Fink

15. The National - I Am Easy To Find

The National stehen für große Hymnen über oft schwer greifbare oder recht alltägliche Emotionen. Auf ihrem achten Studioalbum „I Am Easy to Find“ geben die fünf US-Amerikaner solchen Gefühlen ein weiteres Mal ordentlich Spielraum. Außerdem verfeinern sie ihren geschätzten Trademark-Sound erneut um feine Details: die orchestralen Kompositionen der Dessner-Zwillinge werden zum ersten Mal ganzheitlich Teil der Platte. Außerdem wird Matt Berningers brummender Bariton erstmalig durch zahlreiche hochkarätige Gastsängerinnen unterstützt.

Ariane Seidl

14. Kate Tempest - Book Of Traps And Lessons

Mit "The Book of Traps and Lessons" meldet sich die britische Spoken-Word-Königin Kate Tempest drei Jahre nach dem gefeierten  "Let them Eat Chaos" zurück. Mit Hilfe von Star-Produzent Rick Rubin entfernt sie noch einen Schritt weiter Weg von ihren Hiphop-Wurzeln und schafft ein Album, das über weite Strecken ohne Beats auskommt. Gerade dadurch treten jedoch Tempests große Stärken in den Vordergrund: Ihre Poesie, ihr Storytelling und ihre Menschlichkeit sind Grundlage eines Albums, das unter die Haut geht.

Johann Neblig

13. The Düsseldorf Düsterboys - Nenn mich Musik

Wie ein Glas Rotwein schmeckt und wie sich eine lang ersehnte Zigarette anfühlt - so hört sich das Album der Düsseldorf Düsterboys an. Die beiden Frontmänner Pedro Goncalves Crescenti und Peter Rubel haben mit “Nenn Mich Musik” ein stimmungsvolles Debüt erschaffen. Die Texte zeugen von einem banalen Tiefsinn, der perfekt von Gitarre, Klavier, Orgel, Klarinette und Schlagzeug begleitet wird.

Die wohl durchdachte Instrumentierung wird durch die Kassettenrekorder-Akustik der Platte abgerundet, softer Sound und halliger Gesang bilden eine unaufdringliche Einheit. So entsteht ein entschleunigtes Album, das die Zeit still stehen, in manchen Momenten sogar rückwärts laufen lässt.

Theresa Graf

12. Jungstötter - Love Is

Nachdem sich 2018 die deutsche Indie-Rock-Band Sizarr nach langer Auszeit auflöste, widmeten sich die Bandmitglieder fortan Soloprojekten – so auch Sänger Fabian Altstötter. Das Debütalbum „Love Is“ seines Projekts Jungstötter nimmt eine ganz andere Richtung als Sizarr-Alben, ist aber genauso großartig: Scott-Walkereske Gesangspassagen treffen hier auf eingängige Klaviermelodien. Zehn Songs über die Liebe machen „Love Is“ zu einem der gefühlvollsten Alben des Jahres.

Scott Heinrichs

11. Aldous Harding - Designer

Mit „Designer“ ist Aldous Harding ein fantastisches Folk-Album gelungen, gleichermaßen reduziert wie intensiv. Die Instrumentierung ist minimalistisch, wirkt aber nie eintönig und bietet Hardings kraftvollem Gesang ein abwechslungsreiches Bett, auf dem sich die Neuseeländerin räkeln kann. Wurde auf ihren Vorgängeralben ihr düsterer Stil noch als „Gothic-Folk“ bezeichnet, gibt sich Aldous Harding auf „Designer“ fröhlicher. Die Melodien klingen an der Oberfläche sonnig und optimistisch, vermitteln aber trotzdem Schmerz und Sehnsucht. Ein intensives Hörerlebnis, das Kraft aus seinen Widersprüchen zieht.

Martin Pfingstl

10. King Gizzard & The Lizard Wizard - Fishing For Fishies

„Fishing For Fishies“ ist ein leichtfüßiger und natürlich klingender Trip von friedlichen Bluegrass-Country-Vibes über ekstatischen Bluesrock hin zu den Sphären experimenteller elektronischer Musik. Sound- und Songwritingelemente aus einer anderen Zeit liefern die klangliche Basis für die großen Themen der Generation Internet: Umweltverschmutzung, Vegetarismus, das Milennialsein und die zunehmende Technisierung der Gesellschaft. Trotz vieler musikalischer und inhaltlicher Haken, die das Album schlägt, klingt es wie aus einem Guss. Für Psychedelic-Fans definitiv das Leckerli des Jahres!

 Lucas Schwarz

 

 

"King Gizzard & The Lizard Wizard - Fishing For Fishies" - Ein Beitrag von Lucas Schwarz
King Gizzard & The Lizard Wizard

 9. James Blake - Assume Form

Totgesagte leben länger! Bei vielen Kritikern war James Blake als typischer „Sad Boy“ schon tief in der Schublade verschwunden. Nach drei recht ähnlichen Alben zeigt „Assume Form“ nun die gewünschte Weiterentwicklung. Zu den melancholischen Klavierballaden gesellen sich einige Hip-Hop-Einflüsse. Dadurch bekommt die altbekannte Schwermütigkeit eine überraschend lässige Beinote. Die Blakesche Soundästhetik ist gewappnet für eine neue Dekade.

Til Schäbitz

 

 

 

"James Blake - Assume Form" - Ein Beitrag von Til Schäbitz
James Blake

 8. Trudy and the Romance - Sandman

Noch kann man Trudy and The Romance Debütalbum 'Sandman' mit Recht als Geheimtipp bezeichnen. Dass es sich bei dem Album um Trudys Erstlingswerk handelt, würde man beim Hören jedoch gar nicht vermuten. 'Sandman' klingt nach einer Band, die mit der Mischung aus 50er Doo-Wop und zeitgenössischem Indie ihren Stil bereurs gefunden hat.

Piet Lange

 

 

 

"Trudy and the Romance - Sandman" - Ein Beitrag von Piet Lange
Trudy and the Romance

 7. Max Herre - ATHEN

Das neue Album von Max Herre „Athen“ ist sowohl inhaltlich als auch musikalisch sehr abwechslungsreich. Von Liebessongs bis politischen Tracks ist alles dabei. Obwohl der 46-Jährige auf der Platte mit Autotune experimentiert, ist Max Herre trotzdem seinen musikalischen Wurzeln treu geblieben.

Emma Dressel

"Max Herre - ATHEN" - Ein Beitrag von Emma Dressel
Max Herre

6. Die Orsons - Orsons Island

Die Orsons nehmen die Zuhörer mit „Orsons Island“ auf die Reise zu ihrer Insel. Das Konzeptalbum behandelt Themen wie Liebe zu anderen und sich selbst, Depression und Kommunikation im Zeitalter des Smartphone. Dabei beweisen die Orsons, dass sie als Gruppe funktionieren, weil sie jedem Mitglied Raum zum Glänzen geben. Und sie zeigen, dass sie Meister ihrer Kunst sind.

Charlotte Peters

"Die Orsons - Orsons Island" - Ein Beitrag von Charlotte Peters
Die Orsons

5. Balthazar - Fever

Drei Jahre haben Balthazar ihre Fans warten lassen. Nachdem sie sich in diversen Solo-Projekten austoben konnten, kehren sie jetzt mit „Fever“ zurück.  Darauf finden sich intelligent komponierte Songs, gewohnt melancholische Melodien sowie energetische Disco-Momente. Zusammen mit tiefgehenden Bässen, spielerischen Violinen und dröhnenden Posaunen ist „Fever“ die Art von Album, die niemals aufhört interessant zu sein.

Marie Jainta

"Balthazar - Fever" - Ein Beitrag von Marie Jainta
Balthazar

4. FKA twigs - MAGDALENE

Selten war Schmerz so bittersüß wie auf MAGDALENE. Auf ihrem Album lässt FKA twigs alles raus: Ihre Leiden, ihre Sehnsucht und ihre Wut. MAGDALENE zeigt eine gebrochene Frau, die sich aber nicht aufgegeben hat. Im Gegenteil: Das Album ist ein beeindruckendes Statement dafür, wie man aus den größten Momenten der Verletztlichkeit Stärke und Kraft schöpfen kann. Eine virtuose und (ja, so einfach ist es manchmal) wunderschöne Platte.

Scott Heinrichs

"FKA twigs - MAGDALENE" - Ein Beitrag von Scott Heinrichs
FKA twigs

3. Tyler, The Creator - IGOR

Tyler, The Creator verlangte von seinen Fans vor dem Release seines neuesten Albums nur eines: Keine Erwartungen. IGOR, verkündete der Musiker zuvor, sei vor allem kein Rap-Album – obwohl er bisher vor allem dafür bekannt war. Die Platte überrascht am Ende vor allem durch ihre Nahbarkeit. Tyler kann zusammen mit seiner Kunstfigur Igor Themen wie Liebe und Eifersucht authentisch in 39 Minuten verpacken.

Celine Schmock

"Tyler, The Creator - IGOR" - Ein Beitrag von Celine Schmock

Gesprochen von Sophie Rauch

Tyler, The Creator

2. Vampire Weekend - Father of the Bride

Mit „Father Of The Bride“ behaupten sich Vampire Weekend als die aktuellen Könige des Indierocks. Sechs Jahre nach dem umjubelten „Modern Vampires Of The City“ legen die New Yorker Vorzeigehipster einen Nachfolger vor, der sich vor dem Vorgänger nicht zu verstecken braucht. Auf „Father Of The Bride“ spielt die Gruppe um Frontmann Ezra Koenig mit Versatzstücken aus Country, Electronic Music und der Musik Südamerikas, ohne dabei ihren Wiedererkennungswert aufzugeben. Trotz insgesamt 18 Tracks bleibt das Album abwechslungsreich, auch dank der hervorragenden Gaststimmen, insbesondere Haim-Schwester Danielle. Mit deren Hilfe bringt Songwriter Koenig auch die Hauptthematik des Albums um Liebe, Ehe und Familie in den Vordergrund. Diese verpacken Vampire Weekend in einige der sonnigsten und kurzweiligsten Songs ihrer Karriere. So wird „Father Of The Bride“ zum Sommeralbum des Jahres.

Martin Pfingstl

"Vampire Weekend - Father of the Bride" - Ein Beitrag von Martin Pfingstl

Gesprochen von Lina Kordes

Vampire Weekend

1. Little Simz - GREY Area

Bekannt ist Little Simz in der Rapszene schon fast ein ganzes Jahrzehnt. Doch erst dieses Jahr  katapultiert sie sich mit „GREY AREA“ ins Musikbranchenbewusstsein und auch auf unseren Platz 1 der Top-Alben 2019.

Unglaublich selbstbewusst und lyrisch, sowie musikalisch nuanciert stellt die 25-jährige Londonerin ein Gesamtkunstwerk auf die Beine. Im Hip-Hop-Genre Grime verwurzelt spielt sie mit Jazz, Soul und RnB und verarbeitet dabei den Abschnitt des Lebens der bei vielen eine Grauzone ist – die Zwanziger.

Henriette Seifert

"Little Simz - GREY Area" - Ein Beitrag von Henriette Seifert
Little Simz

 

Die besten Alben des Jahres in einer Playlist

 

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Scott Heinrichs, Lina Kordes
20.12.2019 - 15:52
  Kultur

Fotocredits:

Balthazar - Boby Allin
FKA twigs - Matthew Stone
Little Simz - Wired PR
Die Orsons - Monica Menez
Vampire Weekend - Monika Mogi

Die Toplisten der einzelnen Redakteure:  

      

Ariane Seidl:

1. The National - I Am Easy To Find

2. Angie McMahon - Salt

3. Marika Hackman - Any Human Friend

4. The Japanese House - Good At Falling

5. The Amazons - Future Dust

 

Celine Schmock:

1. Tyler, The Creator - IGOR

2. BROCKHAMPTON - GINGER

3. Foals - Everything Not Saved Will Be Lost Pt. 1+2

4. Jaden - ERYS

5. Little Simz - GREY Area

 

Charlotte Peters:

1. Vampire Weekend - Father of the Bride

2. Die Orsons - Orsons Island

3. King Princess - Cheap Queen

4. The Black Keys - Let's Rock

5. Britanny Howard - Jaime

 

Emma Dressel:

1. Die Orsons - Orsons Island

2. Max Herre - ATHEN

3. Billie Eilish - WHEN WE ALL FALL ASLEEP, WHERE DO WE GO?

4. KUMMER - KIOX

5. RY X - Unfurl

 

Gesa Koy:

1. dandelion hands – bleak weak 2: it's my party and i'll die if i want to

2. Kora Winter - Bitter

3. Immanu El - Structures

4. Counterparts - Nothing Left To Love

5. Frightened Rabbit - Tiny Changes: A Celebration of The Midnight Organ Fight

 

Henriette Seifert:

1. Little Simz - GREY Area

2. Tyler, The Creator - IGOR

3. Balthazar - Fever

4. FKA twigs - MAGDALENE

5. Danny Brown - uknowhatimsayin¿

 

Lina Kordes:

1. Catfish and the Bottlemen - The Balance

2. FKA twigs - MAGDALENE

3. Lana del Rey - Norman Fucking Rockwell!

4. BANKS - III

5. Little Simz - GREY Area

 

Lucas Schwarz:

1. King Gizzard & The Lizard Wizard - Fishing For Fishies

2. Michael Kiwanuka - KIWANUKA

3. Little Simz - GREY Area

4. Trudy and the Romance - Sandman

5. Sharon van Etten - Remind Me Tomorrow

 

Marie Jainta:

1. Vampire Weekend - Father of the Bride

2. Balthazar - Fever

3. Bon Iver - i,i

4. Jade Bird - Jade Bird

5. Foals - Everything Not Saved Will Be Lost Pt. 1+2

 

Martin Pfingstl:

1. Aldous Harding - Designer

2. Vampire Weekend - Father of the Bride

3. Tropical Fuck Storm - Braindrops

4. clipping. - There Existed An Addiction To Blood

5. FKA twigs - MAGDALENE

 

Piet Lange:

1. Trudy and the Romance - Sandman

2. Balthazar - Fever

3. Djo - Twenty Twenty

4. Drugdealer - Raw Honey

5. Bilderbuch - Vernissage My Heart

 

Ramin Büttner:

1. Kate Tempest - The Book Of Traps and Lessons

2. Little Simz - GREY Area

3. Dam-Funk - STFU II

4. Melodiesinfonie - A Journey to You

5. Joe Armon Jones - Turn To Clear View

 

Scott Heinrichs:

1. Jungstötter - Love Is

2. FKA twigs - MAGDALENE

3. JPEGMAFIA - All My Heroes Are Cornballs

4. Tyler, The Creator - IGOR

5. Tua - Tua

 

Simon Fink:

1. OG Keemo - Geist

2. Yassin - Ypsilon

3. Fatoni - Andorra

4. Harry Quintana - Raro

5. KUMMER - KIOX

 

Theresa Graf:

1. The Düsseldorf Düsterboys - Nenn Mich Musik

2. Ilgen-Nur - Power Nap

3. Horse Jumper Of Love - So Divine

4. Pizzagirl - First Timer

5. Fat White Family - Serfs Up

 

Til Schäbitz:

1. James Blake - Assume Form

2. Max Herre - ATHEN

3. The Lumineers - III

4. Tyler, The Creator - IGOR

5. Billie Eilish - WHEN WE ALL FALL ASLEEP, WHERE DO WE GO?