Niedrigere Feinstaubwerte

Dicke Luft in Sachsen?

Leipzig ist sachsenweit Schlusslicht, was die Feinstaubwerte betrifft: Nirgendwo sind die Werte so hoch wie hier, die Gegenmaßnahmen sind zahlreich. Immerhin sind die Werte besser als noch vor 25 Jahren. Warum?
Industrie
Früher waren hauptsächlich Industrieanlagen für den Feinstaub verantwortlich - heute sind es Autos oder Sahara-Sand.

Das sächsische Umweltministerium hat Grund zur Freude: Die Feinstaubwerte haben sich seit der Wende 1989 insgesamt gebessert. Viele Industriebereiche mit hohen Belastungswerten wurden entweder aufgegeben oder generalüberholt. Die in der DDR üblichen Ofenheizungen wurden größtenteils zurückgebaut und durch moderne Zentralheizungen ersetzt. Auch die Tatsache, dass die in der DDR üblichen Zweitaktmotoren durch umweltschonende Kraftfahrzeuge ersetzt worden sind, trägt zur besseren Luftqualität bei. Die aktuellen Daten wurden an 29 Messstationen in ganz Sachsen erhoben.

Bauboom in Leipzig – und die Staubwerte explodieren

Die Leipziger haben allerdings nichts zu lachen: Hier sind die Feinstaubwerte höher als im restlichen Sachsen. Schon in den ersten vier Monaten diesen Jahres wurden die Höchstwerte in der Innenstadt an mehr als 30 Tagen überschritten. Die "dicke Luft" in Leipzig hat verschiedene Ursachen: Zum einen verläuft das Jahr 2014 bisher sehr trocken – Staub aus der Sahara und leichtere Feinstaubpartikel können sich leichter verteilen. Zum anderen findet sich in Leipzig gerade an jeder Ecke eine Baustelle: Wenn zum Beispiel alte Fassaden abgeschlagen oder sandgestrahlt werden, lassen sich die Staubwolken oft nur schlecht beherrschen.

Unterstützung des Landes nicht absehbar

Die hohen Feinstaubwerte Leipzigs sind aber nicht nur schlecht für jeden, der hier lebt. Sie könnten auch am Ende des Jahres gegen die europäischen Luftqualitätsnormen verstoßen. 35 mal im Jahr darf der Grenzwert überschritten werden – gut möglich, dass das schon passiert ist, immerhin gab es bereits im April dreißig Überschreitungen. Umweltminister Frank Kupfer hat heute von allen Städten, die die Feinstaubwerte überschreiten, gefordert, die Maßnahmen aus den Luftreinhalteplänen vollständig einzuhalten. Sie müssten alle verhältnismäßigen Mittel ergreifen, um die gesetzlichen Grenzwerte einzuhalten, so Kupfer.

Für Leipzig ist das jedoch scheinbar leichter gesagt als getan. Bereits im Juni hatte sich die Leipziger Stadtverwaltung  Unterstützung vom Land gewünscht – sowohl finanzieller als auch politischer Art. Angelika von Fritsch vom Amt für Umweltschutz Leipzig forderte damals von der Landesregierung zum einen, Feinstaubgrenzen für Kraftmaschinen einzuführen. Finanzielle Mittel bräuchte die Stadt zum Beispiel, um die Leipziger Busflotten bei der Umstellung auf Hybrid zu unterstützen. Bislang ist das aber noch in weiter Ferne: Das Umweltministerium hat sich noch nicht dazu geäußert.

"Umweltpolitik von gestern"

Volkmar Zschocke von den Grünen kritisiert allerdings, dass die Vergleiche mit 1989 "völliger Unsinn" seien. Man könne das Ende der DDR, also einer untergehenden Industrienation, nicht als Basis für einen Vergleich nehmen. Zum einen müsse der Schwerlastverkehr als Hauptverursacher von Feinstaub verringert werden. Hierfür wünscht sich Zschocke vom Freistaat vor allem mehr finanzielle Fördermittel und fachliche Begleitung. Außerdem würde der Baumschutz vom Land enorm vernachlässigt werden.

"Fallende Tendenz"

Mathias Böttger, Abteilungsleiter für Luft, Lärm und Strahlen am Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, sieht das anders: "Bei den sogenannten klassischen Luftschadstoffen, also Schwefeldioxid, Benzol und Grobstaub, die uns 1989 noch ganz große Sorgen gemacht haben, die haben sich weit unter die geltenden Grenzwerte verbessert, sodass wir dort überhaupt keine Sorgen mehr haben." Zwar sehe er ein, dass noch geringe Probleme bei Feinstaub und Stickstoffdioxiden – insbesondere an verkehrsnahen Stationen – bestehen, ein Problem beim Baumschutz könne er aber nicht bestätigen. In den großen Städten entstünden bereits seit Jahren neue Parks und vor allem in Leipzig seien die Grünflächen schon vorbildlich. 

Moderator Raimund Groß spricht mit Redakteur Magnus Folten über die Luftbelastung in Sachsen.
 
 

Kommentare

Der Staub aus der Sahara und der Baustaub sind wohl nicht die einzige Ursache, warum in Leipzig eine Umweltzone völlig unwirksam ist...

Der Feinstaub aus den umliegenden Tagebauen und Kohle-Kraftwerken wird natürlicherweise keinen Bogen um Leipzig machen. Da zeigt sich Schwarz-Gelb gern zu Gunsten der fossilen Industrie völlig blind.

Es ist nicht alles falsch, was hier geschrieben wurde, aber die Zusammenhänge werden häufig nicht gesehen: Die Umweltzone Leipzigs ist im Sinne der Gesetzgebung, die nur auf die Feinstaubmasse zielt, nicht sehr wirksam, aber der Gesundheitseffekjt durch die deutlich verringerte Rußbelastung ist erheblich, was den Gesetzgeber und deshalb auch den sächsischen Umweltminister bisher nicht interessiert. Der Fernverkehr ist in Leipzig zurückgegangen, was unserer Umwelt sehr zu Gute kommt!
Feinstaub aus den Kaminen der Holzfeuerung wird als Quelle hier völlig vernachlässigt, ist aber laut Umweltbundesamt eine zunehmende Quelle von Feinstaub und hat im Bundesdurchschnitt die direkten Emissionen aus dem Verkehr bereits hinter sich gelassen. Völlig außer Acht gelassen wurden die Importe von Feinstaub aus Ost- und Südosteuropa. Bei winterlichen Hochdruckwetterlagen, die stets trocken sind, wurden auch in ländlichen Lagen Sachsens im Winter 2014 die Grenzwerte öfter überschritten als in den Vorjahren. Ursache dafür sind Ferntransporte.
Die europäische Feinstaubgesetzgebung ist gut gemeint, aber sie gilt in Leipzig, Dresden und Chemnitz genauso wie in Emden, Brest oder Cork, wo marine Luftmassen nur Seesalz liefern, oder aber in Ostrava und Katowice, wo die Quellgebiete für zumindest einige Überschreitungstage in Sachsen liegen.
Tagebaue sind tatsächlich eine Staubquelle, aber keine gesundheitsgefährdende wie Verkehr oder Kleinfeuerungsanlagen. Die sächsischen Kohlekraftwerke gehören zu den modernsten ihrer Art und produzieren kaum Stau, das größere Problem stellen hier wie auch im Verkehr die Stickoxide dar.
Ganz zum Schluss: Ich bin sehr für die Umstrukturierung unserer Energiewirtschaft, aber auch das muss mit Augenmaß geschehen. Der einfachste Weg zur sauberen Umwelt besteht in Energieeinsparungen, aber das kostet ebenfalls alle viel Geld!

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Verena Ritter, Elisa Marie Rinne
22.07.2014 - 13:33