Umweltpolitik in Leipzig

Dicke Luft in Leipzig?

Leipzig ist eine von zwei Städten mit der höchsten Feinstaubbelastung in Deutschland. Dieses Jahr wurde schon 45 Mal der Feinstaub-Tagesmittelwert an einer Messstation im Westen der Stadt überschritten. Warum gerade Leipzig und wie geht man damit um?
Lärm und Abgase stören den Alltag der Anwohner

In Leipzig gibt es drei Messstationen für Luftschadstoffe. Sie befinden sich in Leipzig-Mitte, Leipzig-West und in der Lützner Straße im Westen der Stadt. Besonders an letzterer Messstation sind die Feinstaub-Werte dramatisch hoch. So wurde dort der PM10-Tagesmittelwert von 50 µg/m³ im Jahr 2013 bereits 41 Mal überschritten. In diesem Jahr wurden an der gleichen Messstation schon 45 Überschreitungen des Werts festgestellt – ein neuer Negativrekord. Und selbst diese Zahl ist nur ein vorläufiger Wert.

Ursachen wie in jeder anderen Stadt auch?

Laut einer Analyse der Stadt von 2009 ergeben sich 30 Prozent der Feinstaubbelastung aus dem Verkehr. Demnach stellt dieser die größte Belastung für die Luft der Stadt dar. Die gefährlichen Schwebstoffe entstehen hier sowohl durch die Motorleistung als auch durch den Reifenabrieb, der beim Fahren entsteht. Auch ist der Schadstoffausstoß auf Baustellen oft enorm. Einige Baustellenfahrzeuge und Baumaschinen erfüllen nicht die Norm und stoßen mehr Schadstoffe aus, als gesetzlich erlaubt ist. Zu den Ursachen zählen auch Hausbrand, Industriebrand und Industrieausstöße. Doch all dies tritt in allen Großstädten auf.

In Leipzig kommen einige andere Belastungen erschwerend dazu. Durch die Lage im Zentrum einer Tieflandsbucht treten Inversionswetterlagen auf. Dabei legt sich eine warme Luftschicht als eine Art „Kuppel“ über die Stadt und verhindert das Entweichen der Schadstoffe, die sich in der Stadt in einer kälteren Luftschicht bilden. Und auch die Hintergrundbelastung Leipzigs muss zu den Ursachen hinzugezählt werden. Die Chemieindustriewerke in Leuna, der aktive Braunkohletagebau in Profen und sogar der grenzüberschreitende Luftschadstoff-Transport aus Polen und Tschechien haben einen negativen Einfluss auf die Schadstoffwerte in der Luft der Stadt.

Verbesserung durch Luftreinhalteplan?

Der Luftreinhalteplan der Stadt vom Dezember 2009 soll zu einer Verbesserung der Situation beitragen. Der 48 Punkte umfassende Plan soll viele verschiedene Ursachen der Feinstaub-Belastung eindämmen. Die wohl größte Veränderung, die er mit sich bringt, ist die Umweltzone, in welcher nur noch Fahrzeuge mit einer grünen Plakette fahren dürfen. Außerdem beinhaltet der Plan zahlreiche Maßnahmen, die sich auf den Verkehr beziehen.

Eine wesentliche Maßnahme des Plans ist die Einführung der Umweltzone. Darüber hinaus gibt es eine ganze Menge an Maßnahmen, die sich vor allem mit dem Verkehr auseinandersetzen, sei es eine verbesserte Ampelschaltung, sei es ein entsprechendes Sanierungsprogramm für den Straßenkörper, sei es natürlich dann auch darüber hinaus Aussagen zum Hausbrand, zur Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte, zu Baustellenkontrollen, zu entsprechenden Auflagen wie staubintensive Baustellen bewerkstelligt werden können, bis hin zu der Frage welche Linienbusse wir uns in Leipzig leisten wollen einschließlich Reisebusse.

Heiko Rosenthal, Bürgermeister für Umwelt in Leipzig
Die Umsetzung des Plans wird jedoch kontrovers diskutiert. So kritisierte Jürgen Kasek, Vorstandssprecher der Grünen in Leipzig, dass der Plan nur unzureichend umgesetzt worden sei und auch Petter Hettlich, BUND- Regionalvorstand im Arbeitsbereich Stadtentwicklung ist von dem Plan nicht überzeugt.

Fakt ist, dass die gemessenen Werte für sich sprechen und die Stadt Leipzig dringend mehr unternehmen muss, damit sich die Schadstoffwerte in der Luft der Stadt bessern.

  

 

Dicke Luft in Leipzig - Ein Beitrag von Clara Höllerl
 

 

 

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