Containern

Der Wettlauf um das Beste aus der Tonne

Containern scheint zum Trendsport unter Studenten zu werden. Auch an der Tonne treffen unterschiedlichste Persönlichkeiten aufeinander und bringen Konfliktpotenzial mit. Eine Art "Ehrenkodex" scheint für Friedlichkeit zu sorgen.
Man sieht obst und Gemüse auf einem Tisch
Ausbeute eines Container-Ausflugs von Salome.

Das „Retten“ von Lebensmitteln aus Containern der großen Supermarktketten ist schon lange kein seltenes Vorkommnis mehr. Die Medien haben schon häufig darüber berichtet und auch auf die Überproduktion und Verschwendung der Lebensmittel aufmerksam gemacht. Wirklich geändert hat sich daran aber bisher nichts: Immer noch werden von Kunden die Regale nach perfekten Bananen und Äpfeln ohne Druckstellen abgesucht, man kann zu jeder Uhrzeit einkaufen gehen und findet sämtliche Lebensmittel in Hülle und Fülle. Doch für diesen Luxus wird auch einiges in Kauf genommen. Nicht mehr so ansehnliche oder optisch beschädigte Produkte werden vorsorglich aus dem Sortiment genommen und in die Container geschmissen. Dass dabei noch allerlei genießbare Sachen im Müll landen, kommt der Container-Community zugute.

Ehrenkodex oder „Wer zuerst kommt, malt zuerst“?

Auf den Geschmack weggeworfener, aber noch essbarer Produkte kommen laut Aussage von Salome, die selbst ihren kompletten Lebensmittelbedarf aus Müllcontainern bezieht, immer mehr Menschen. Ideell gesehen ist das eine super Sache, denn somit wird der übermäßigen Lebensmittelverschwendung ein bisschen entgegengewirkt. Allerdings stellt sich beim „Nicht-Mülltaucher“ die Frage, wie das Containern vor Ort abläuft, wenn etliche Leute an den Inhalt der Tonnen wollen.

Wie es im normalen Supermarktbetrieb unterschiedliche Kunden gibt, so kann man auch hier nicht pauschalisieren. Einige Leute packen im wahrsten Sinne des Wortes die Ellenbogen aus und rempeln sich durch, um als Erster am Container zu sein und sich das Beste mitzunehmen. Jedoch sind die meisten so rücksichtsvoll, dass es durchaus vorkommt, dass sich ganz gesittete Schlangen bilden und jeder wartet, bis der Vordermann fertig ist. Denn meist wird nur das aus dem Müll gefischt, was man auch wirklich selbst verwerten kann. Ein erneutes Wegwerfen in den privaten Hausmüll wäre ja sonst widersinnig. Somit bleibt für jeden etwas übrig.

Was tun gegen Randalierer?

Dennoch tauchen immer wieder Menschen auf, die sich nicht an die ungeschriebenen Containergesetze halten und einige Sachen komplizierter als nötig machen: Vandalismus, Rücksichtslosigkeit und Egoismus sind vorprogrammiert. Solche Vorkommnisse bleiben den Supermärkten natürlich nicht verborgen. Sie ziehen ihre Konsequenzen daraus und sperren die Mülltonnen zum Beispiel hinter Stacheldraht weg. Somit fällt ein Supermarkt mehr für die Mülltaucher weg und der Konkurrenzkampf im Wettlauf um das beste Essen wird verstärkt. Wie sich dieses Konkurrenzverhalten in Zukunft ausprägen wird, hängt also nicht nur von den Menschen selbst, sondern auch vom Verhalten der Supermärkte und der Zugänglichkeit ihrer Container ab.

Containern im großen Stil?

In manchen Städten beziehen sogar einige Organisationen wie Vollküchen oder Studentengemeinden ihre Lebensmittel zum Teil aus den Müllcontainern. Somit können sie das gekochte Menü kostengünstig oder sogar umsonst anbieten. Der Faktor der Illegalität scheint dabei weit in den Hintergrund zu rücken. Denn dabei geht es nicht um Selbstbereicherung, sondern um das Allgemeinwohl und darum gegen Lebensmittelverschwendung.

 

Ein Beitrag von Maria Kolberg zum Containern.
Ein Beitrag von Maria Kolberg zum Containern.

 

 

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