CD der Woche - Beck "Morning Phase"

Der Slacker is Beck

Anders als man zu Beginn seiner Karriere hätte annehmen können, ist Beck alles andere als ein Loser, baby! Beck ist ein Singer und ein Songwriter, ein Slacker, wie er im Buche steht – kurz: Beck ist ein musikalisches Mastermind. Beweis gefällig?
Beck mit Hut

Wenn man von Beck spricht, denkt man schnell an seine Hits. Mitte der Neunziger ging jeder, der was auf sich hielt, ab zu „Novacane“, „Devils Haircut“ und nicht zuletzt „Loser“. Wer sich weniger der Musik und mehr dem Gossip zugeneigt fühlt, der hat vielleicht mitbekommen, dass Beck Hansen sich 2005 öffentlich und offensiv zu Scientology bekannte. Was die nach Neuigkeiten ächzenden Gossip Heads und die Hit-süchtigen Party People dabei aus dem Blick verlieren - Beck ist vor allem eins: ein Album-Künstler. 6 Jahre nach der letzten Platte ist er nun mit „Morning Phase“ zurück.

Zurück zum Folk

Nur wenige seiner Zeitgenossen haben es hinbekommen eine solche Dichte an (ge-)wichtigen Werken in die Welt zu setzen. Seit „Odelay“ 1996 die Musikwelt in helle Aufregung versetzte und die Kritikerherzen im Sturm einnahm, hat der Kalifornier einen Run. Im Grunde hielt der bis zu seinem letzten Album „Modern Guilt“ (2008) ohne Unterbrechung an. Conaisseure rund um den Globus bescheinigten ihm stets (mehr oder minder) geniale Platten. Ein Album was dabei herausstach war „Sea Change“ von 2002 - Nicht was die Bewertung angeht, aber was die Stilistik betrifft. Entgegen seiner sonst angestammten Prog-Rock-Linie, überraschte er darauf mit melancholischen Folk-Songs. Den Faden, den er vor elf Jahren anfing zu spinnen, greift er nun mit Morning Phase wieder auf. Er lud sich sogar die meisten seiner damaligen Studiomusiker wieder ein.

Track by Track

Die Crew ist ja keine Band im eigentlichen Sinne, weshalb sie sich auch nicht darauf beschränkte eine Platte quasi in der Tradition von „Sea Change“ (wenn man das so sagen kann) aufzunehmen. Vielmehr besinnen sie sich auf einzelne Stränge/Elemente des ersten Experiments und denken diese weiter. Sie schaufelten dem Pathos größere Freiräume („Waking Light“), verschafften der Melancholie an gezielteren Stellen mehr Platz, um sie andernorts wiederum ein wenig einzudämmen („Blue Moon“).

Der zweite Folk-Versuch wirkt dieses Mal dezidierter. Wenn Becks Alben Bücher wären, wäre „Sea Change“ ein stimmig erzählter Roman, „Morning Phase“ hingegen ein gut recherchiert und zusammengesetzter Almanach. In so einem Nachschlagewerk würde unter dem Stichwort Country-Popsong der Song „Country Down“ erwähnt werden. Viel klassischer kann man so etwas nicht interpretieren. Angefangen bei der Mundharmonika, über die Gitarre bis hin zu den wehleidigen Lyrics, erfüllt dieser Song alle Wünsche, die man eine Ode an die Ödnis haben kann.

Trotz seiner Zusammensetzung erleidet das Album keinen Mangel an dramaturgischen Elementen. Dem Pathos wird passenderweise in Intro und Outro gefrönt. Wohlweislich mittig platziert ist der Song „Unforgiven“, der es versteht, zwischen erster und zweiter Hälfte des Albums zu überbrücken. In den Zwischenspielen wird munter den Melodien der Melancholie Aufmerksamkeit gewidmet. Ein kleiner Kritikpunkt dabei könnte sein, dass sich das Arrangement der Tracks hier und da ein wenig zu sehr ähnelt. Aber vielleicht wurde auf diese Art und Weise versucht, die Stringenz des Albums zu stärken.

„Morning Phase“ ist Becks nächster Streich in seinem Run hervorragender Alben. Das Verlangen nach einer weiteren folkig-melancholischen Platte war verbreitet wie unrealistisch. Nun hat er es doch getan. Und dass dabei kein Abklatsch von „Sea Change“ entstanden ist, ist eine Qualität, die nur wenige besitzen. Beck Hansen hat sie!

 

Beck - Blue Moon HD (from Morning Phase)
 

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André Beyer
26.02.2014 - 20:44
  Kultur

Beck: Morning Phase

Tracklist:

1.  "Cycle"   
2.  "Morning" *
3.  "Heart Is a Drum"   
4.  "Say Goodbye"
5.  "Blue Moon"   
6.  "Unforgiven" * 
7.  "Wave" *
8.  "Don't Let It Go"      
9.  "Blackbird Chain"       
10. "Phase"   
11. "Turn Away" *
12. "Country Down" *  
13. "Waking Light" *

Erscheinungsdatum: 28.02.2014
Capitol