Kinderarbeit

Der Raub der Kindheit

Am 12. Juni war der internationale Tag gegen Kinderarbeit. Es ist höchste Zeit auf die Arbeitsbedingungen zu reagieren, unter denen Kinder weltweit leiden müssen. Zumal auch wir zu den ausbeuterischen Umständen beitragen.
Kinderarbeit
Weltweit werden rund 170 Millionen Kinder durch Arbeit ausgebeutet.

Was bedeutet Kinderarbeit heute?

Laut dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF leiden rund 170 Million Kinder weltweit unter den Folgen von Kinderarbeit. Die Dunkelziffer unentdeckter Fälle wird hierbei um ein Vielfaches höher geschätzt. Der 12.06. wurde deshalb 2002 von der internationalen Arbeitsorganisation zum Welttag gegen Kinderarbeit erklärt. An diesem Datum soll deshalb an alle Kinder erinnert werden, die weltweit ihrer Kindheit für Arbeit beraubt werden. Diese Kinder erhalten weder ausreichend Schulbildung, noch Geld, um ihre Familien mit ihrer Arbeit angemessen zu unterstützen. Sie leiden zudem nicht nur unter physischen, sondern auch unter psychischen Belastungen.

Welche arbeiten müssen Kinder verrichten?

Die Arbeitsfeldern, in denen Kinder weltweit arbeiten müssen sind unterschiedlich. Viele Kinder arbeiten in der Landwirtschaft oder im Bergbau zur Rohstoffgewinnung. In diesen Arbeitsfeldern gibt es zumeist nur geringe Schutzvorkehrungen. Durch fehlende Schutzkleidung atmen die Kinder demnach zum Beispiel Pestizide ein oder arbeiten in Fabriken, in denen gesundheitsgefährdende Chemikalien eingesetzt werden wie N-Hexan. N-Hexan wird unter Anderem zur Herstellung von Kunststoffen und Druckfarben angewendet. Kommt die Chemikalie in Kontakt mit der Haut oder den Atemwegen, muss schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Das wird aber in den meisten Produktionsstätten nicht gewährleistet. Krebserkrankungen und spätere Arbeitsunfähigkeit können die Folge sein.

Eine andere Form der erwerbstätigen Kinderarbeit ist die Prostitution. Weltweit werden circa 4 Millionen Mädchen und Jungen als Prostituierte missbraucht. Das Kinderhilfwerk UNICEF geht  davon aus, dass auf jeden öffentlichen Fall, circa 25 Fälle unentdeckt bleiben.

Das Kinderhilfswerk terre des homme geht außerdem davon aus, dass in den von Krisenkonflikten geschüttelten Kontinenten Afrika und Asien rund 250.000 Jungen und Mädchen als Kindersoldaten ausgenutzt werden. Der Sonderbeauftragte der UN, Olara Ottuno, geht davon aus, dass seit 1990 circa zwei Millionen Kinder durch kämpferische Auseinandersetzungen gestorben sind. Außerdem seien sechs Millionen zu Invaliden geworden und zehn Millionen Kinder hätten mit schweren psychischen Belastungen wie Depressionen zu kämpfen.

Wie ist die Situation in Deutschland?

In Deutschland hat man kaum mit Kinderarbeit zu kämpfen. Zwar arbeiten auch hier viele Kinder und Jugendliche nebenbei als Babysitter, Nachhilfelehrer oder bei öffentlichen Vereinen. Diese Arbeiten gelten jedoch nicht als ausbeuterisch und die Kinder und Jugendlichen können außerdem der Schulbildung weiterhin nachgehen. In Folge der Flüchtlingskrise gibt es zwar auch in Deutschland einen Anstieg der ausbeuterischen Kinderarbeit, jedoch treten diese Fälle nur selten und sehr vereinzelt auf.

Wer ist Schuld an Kinderarbeit?

Eine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Es spielen hier viele Faktoren zueinander. Es gibt jedoch zwei Hauptgründe, die bedeutenden Einfluss auf die Situation haben: Das ist zum einen, das Elternarmut und Kinderarbeit eng miteinander zusammenhängen. Es muss also eine Situation geschaffen werden, in der Eltern nicht mehr auf die Arbeit und den Lohn ihrer Kinder angewiesen sind. Ein weiterer Faktor ist Bildung. Je höher der Bildungsabschluss, desto höher sind die späteren beruflichen Perspektiven und somit die eigene finanzielle Perspektivbildung. Das ist nicht nur in Deutschland der Fall, sondern auch weltweit.

Wie kann man Kinderarbeit einschränken?

Besonders in bereits industrialisierten Gesellschaften muss das Bewusstsein für die Problematik der Kinderarbeit wachsen. Wenn die Bereitschaft dafür wächst, für Produkte mehr Geld auszugeben, die durch faire Arbeitsbedingungen geschaffen wurden, ist das schon ein möglicher Schritt. Man kann aber auch Kinderhilforganisationen wie die "terre des homme" oder die UNICEF finanziell unterstützen. Diese Organisationen helfen in den betroffenen Regionen für den Aufbau von Schulen und finanzieren die Lehrerausbildung. Außerdem unterstützen sie Familien finanziell, damit sie nicht mehr auf die Arbeit ihrer Kinder angewiesen sind. Langfristig sind das Lösungsmöglichkeiten, um Kinderarbeit in der Zukunft zu verhindern.

Markus Mertens über die Problematik der Kinderarbeit:

Ein Studiogespräch mit Redakteur Markus Mertens über Kinderarbeit
1206 Kinderarbeit

 

 

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Markus Mertens
15.06.2017 - 10:36