Dan Mangan im Interview

Der nette Typ von nebenan

Dan Mangan sang einst über liebesbedürftige Roboter. Heute ist seine Musik komplexer und nachdenklicher geworden. Der Musiker hinterfragt die politischen Zustände in seinem Heimatland Kanada – und das spiegelt sich auch in seinen Songs wieder.
Dan Mangan im Interview mit Musikredakteurin Peggy Strauchmann
Dan Mangan im Interview mit Musikredakteurin Peggy Strauchmann

Dan Mangan wirkt schon auf den ersten Blick sympathisch: Sweatjacke, wuschlige Haare, Lachfältchen zeichnen sich an seinen Augen ab – der typische nette Kerl von nebenan. Doch wenn er den Mund aufmacht, füllt seine kräftige und zugleich sanftmütige Stimme den ganzen Saal. Und selbst wenn dieser voll ist, ist es für ihn kein Problem, einige seiner Songs ohne jegliche Verstärkung zu performen und dabei eine einzigartige Atmosphäre zu schaffen. 

Ein musikalischer Reifeprozess

Angefangen hat der Musiker als Singer/Songwritern – nur von seiner Gitarre begleitet. Mittlerweile hat er sich eine feste Band zur Unterstützung geholt, die zwar schon einige Jahre mit ihm auf der Bühne steht, doch zum ersten Mal auf dem aktuellen Album "Club Meds" im Bandnamen auftaucht. Da heißt es nun Dan Mangan + Blacksmith, was auch damit zu tun hat, dass die Band diesmal am Schaffensprozess der Platte beteiligt war. Und das hört man auch. Die Songs sind komplexer, vielschichtiger und experimenteller im Vergleich zum Vorgängeralbum "Oh Fortune", welches sich aber auch schon deutlich von Mangans ersten Werken abhebt. So ist eine Entwicklung zu erkennen, die einem Reifeprozess ähnelt. 

"Questions are really important in life"

Auch die Texte haben sich verändert, mittlerweile behandeln die Songs politische Themen und hinterfragen die derzeitigen Umstände. Dan Mangan beschäftigt die politische Situation seines Heimatlandes Kanada sehr. Er will – ohne Anspruch darauf, der richtigen Meinung zu sein – die Menschen zum Nachdenken und Fragenstellen bewegen.

Doch auch die Rolle des Vaters und Ehemanns spiegelt sich in seiner Musik wieder. Den Song "Jude" hat der Musiker seinem gleichnamigen Sohn gewidmet. Darin beschreibt Mangan das Gefühl, in diesem riesigen Universum, in dem so viel von Zufällen abhängt, etwas derart Einzigartiges geschaffen zu haben.  

 

 

Die Sache mit der Müdigkeit

Das Leben als Künstler und das Familienleben unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer einfach. Auf die richtige Balance kommt es an, meint Mangan. Andere Kulturen sowie Menschen kennenlernen und 6:45 Uhr mit dem zweijährigen Sohn aufstehen, ergeben die Mischung, die Dan Mangan zu einem bodenständigen Musiker machen, der die wichtigen Dinge im Leben zu schätzen weiß, auch wenn das heißt, ständig müde zu sein.

Dan Mangan im Interview mit Musikredakteurin Peggy Strauchmann
 
 

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Peggy Strauchmann
26.09.2015 - 09:58
  Kultur

Dan Mangan wurde 1983 geboren und kommt aus Vancouver in Kanada. 2003 hat er als Musiker begonnen. Seit dem hat er vier Alben und drei EP's rausgebracht. Seine Musik ist eine Mischung aus Folk und Indie-Rock und hat mittlerweile Einflüsse von experimentellem Rock.

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