Rotes Sofa: Edward Lee

Der Meister des Extremen

Seine Bücher sind berühmt-berüchtigt und absolut nichts für schwache Nerven. Edward Lee gilt als der Meister des Extrem Horrors. Bei der Leipziger Buchmesse 2018 hat er auf unserem roten Sofa Platz genommen.
Redakteur Janick Nolting im Gespräch mit Edward Lee
Redakteur Janick Nolting im Gespräch mit Autor Edward Lee

Was er in seinen Romanen niederschreibt, wagen andere nicht einmal zu denken. Oftmals kann man sich die abgründigen Einfälle auch kaum selbst vorstellen, bis sie der amerikanische Autor Edward Lee in eine seiner Geschichten einbaut. Horror-Kollege Richard Laymon bezeichnete ihn sogar als "literarische Körperverletzung". Sein erster Roman Totenlust (im Original Ghouls) von 1988 ist dabei eigentlich noch verhältnismäßig harmlos und massentauglich, war jedoch ein wichtiger Grundstein für Lees Karriere. In dem Mysterythriller geht es um eine Kleinstadt, die von unheimlichen Ereignissen heimgesucht wird. Mädchen verschwinden spurlos, Gräber werden geöffnet und die Leichen entwendet. Der Streifenpolizist Kurt Morris soll den Fall klären Die ganz großen Ausschweifungen findet man hier aber noch nicht. Über 15 Jahre lang arbeitete Lee als Nachtwächter in einer Sicherheitsfirma, um sich als Schriftsteller etablieren zu können. Erst ab Mitte der 90er Jahre konnte Lee allmählich von seinen Büchern leben.

Was ist ein Header?

Im Jahr 1995 erschien mit Header jene berühmt berüchtigte Novelle, die mittlerweile Kultstatus genießt. In dieser kurzen Erzählung finden sich mit extremer Gewalt, Hinterwäldlern und korrupten Cops schon einige der wichtigsten Zutaten von Lees Werken. Header erhielt bisher zwei Fortsetzungen und wurde 2009 als bisher einziges seiner Werke verfilmt. Die Novelle handelt von einer Fehde in den Wäldern Virginias, die von den dort lebenden Hillbillies mit einer verstörenden sexuellen Praxis, dem Header, ausgetragen wird. Was genau das ist, soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden, aber sie begründete Lees Ruf als Meister des Extreme Horrors. Lees Horrorromane sind meistens relativ kurz, schnell und schnörkellos. Zarte Gemüter werden bei ihm an ihre Grenzen stoßen, denn seine perversen Ideen kennen keine Grenzen.

Auf den Spuren von Lovecraft

Fast 50 Romane und zahlreiche Kurzgeschichten hat Edward Lee bis heute verfasst. Sein wohl berühmtester Roman ist Bighead, der gerne als das "verstörendste Buch aller Zeiten" bezeichnet wird. Eine Geschichte rund um ein missgebildetes Wesen mit einem riesigen Kopf, das nach dem Tod des Großvaters aus den Wäldern in die Zivilisation kommt und dort jede Menge Leichen hinterlässt. Dass es bei Lee nicht immer nur um sexuelle Gewalt und Körperflüssigkeiten gehen muss, beweist er allerdings auch in Werken wie Incubus, in denen er zugunsten einer spannenden Geschichte jegliche Effekthascherei auch mal zurückschraubt. Darüber hinaus hat Lee mehrfach dem Horror-Großmeister H.P. Lovecraft seinen Tribut gezollt. Mit Werken wie Innswich Horror oder Der Besudler auf der Schwelle erzählt er Lovecrafts kosmischen Grusel auf seine ganz eigene Art und Weise, Sex mit Außerirdischen inklusive.

Was Lee neben all dem Schockfaktor auszeichnet, sind seine schrecklich-liebenswerten Charaktere. Seine Psychopathen sind oftmals so überzeichnet, dass man nicht anders kann als zu lachen. Genau dieser pechschwarze Humor und Lees Talent, immer wieder auf überraschende Art und Weise über die Stränge zu schlagen, sind wohl die Hauptgründe für seine enorme Fangemeinde.

Auf dem roten Sofa erzählte uns Edward Lee, dass er nicht über reale Fälle schreiben würde. Er schreibe lieber fiktives, das dann nah an die Realität herankommt. Lee findet, dass fiktive Geschichten mehr als nur unterhalten sollten. Sie sollten nämlich auch zum Nachdenken anregen, welcher Kern hinter der Fiktion liegt. Worüber Edward Lee noch sprach, das können hier nachhören:

Redakteur Janick Nolting im Gespräch mit Extrem-Horror-Autor Edward Lee
1803 Interview Edward Lee
 

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Edward Lee wurde 1957 in Washington D.C. geboren und wuchs in einer Kleinstadt in Maryland auf. In den 70er Jahren diente er in der First Armored Devision der U.S. Army in West-Deutschland. Sein späteres Englisch-Studium brach er vor dem Abschluss ab, um sich dem Schreiben zu widmen. 

Bisher sind unter anderem auf Deutsch im Festa Verlag erschienen:

"Bighead"

"Creekers"

"Flesh Gothic"

"Dahmer ist nicht tot"

"Totenlust"

"Incubus"

"Der Höllenbote"

in der Reihe Festa-Extrem (Verkauf ab 18 und nur über die Verlags-Seite, ohne ISBN):

"Das Schwein", "Muschelknacker" (zusammen mit John Pelan), "Der Teratologe" (zusammen mit Wrath James White), "Monstersperma", "Mister Torso" (Kurzgeschichtensammlung) und weitere