Coffee to go

Der kurze Lebensweg eines Bechers

Pro Stunde wandern 320.000 Einwegbecher über Deutschlands Ladentheken. Diese produzieren viel Abfall. Die Grünenfraktion im Leipziger Stadtrat fordert deshalb ein Pfandsystem für Kaffeebecher.
Einwegbecher sind out.
Ein Einwegbecher wird nur 15 Minuten verwendet.

Der Kaffee am Morgen gehört für viele einfach dazu. Praktisch, dass man ihn auch auf dem Weg zur Arbeit beim Bäcker nebenan kaufen kann. In Deutschland werden pro Stunde 320.000 Pappbecher mit Plastikdeckeln über die Ladentheken geschoben. Die Coffee-to-go-Kultur liegt immer noch im Trend. Besonders in großen Städten mit vielen verschiedenen Angeboten sind die tragbaren Wachmacher beliebt. Die Einwegbecher sind aber kaum recycelbar, weil sie mit Kunststoff beschichtet sind. Eine Umweltsünde – findet Anja Werner vom Öko-Löwen in Leipzig:

Wenn man den in die Papiertonne schmeißt, wird der im Endeffekt verbrannt, weil der nicht recycelt werden kann. Auch in der gelben Tonne ist er nicht gut aufgehoben, weil das im Endeffekt nicht auseinandernehmbar ist. Also ist das eine ziemliche Verschwendung.

Mit den Einwegbechern entstehen riesige Mengen Müll. Und der ist schwer zu trennen. Unterwegs landet meist alles im selben Eimer: der Becher und sein Deckel.

15 Minuten Lebenszeit für einen Becher

Etwa zwei Tassen Kaffee trinkt der durchschnittliche Deutsche am Tag. Schätzungen zufolge wird jeder vierte Kaffee außer Haus getrunken. Und nur 15 Minuten braucht man für die schnelle Koffeinzufuhr. Das kann so nicht weitergehen, findet die Grünenfraktion im Leipziger Stadtrat. Die Räte haben einen Antrag gestellt. Danach soll ein Pfandsystem mit Kaffeebechern eingeführt werden, nach dem Vorbildmodell aus Freiburg. Dort hat die Stadt im November Pfandbecher in Cafés eingeführt. Für einen Euro bekommt man einen Becher, den man mehrfach verwenden oder im nächsten teilnehmenden Geschäft abgeben kann. Das Pfandsystem in Leipzig soll ähnlich funktionieren. Es sollen große und kleine Cafés, Bäckereien und weitere Geschäfte teilnehmen.

Ökologische und ökonomische Gründe

Der Stadtrat und Fraktionsvorsitzende der Grünen, Norman Volger, sagt, dass teilweise 90 Prozent des Mülls Einwegbecher sind. Abfall lande auch auf der Straße oder in der Umwelt. Die Stadtreinigung komme kaum hinterher. Für das Pfandsystem sprächen nicht nur ökologische Gründe. Es macht auch aus kommunalpolitischer Sicht Sinn, erklärt Volger. Mit einem Pfandsystem in Leipzig würde der Müll zurückgehen.

Wir dürfen nicht vergessen: die Kosten der Stadtreinigung trägt jeder Bürger in der Stadt.

Norman Volger, Grüne Fraktion Leipzig

Konzentration auf die Innenstadt?

Das Pfandsystem würde sich allerdings nicht für alle rentieren. Denn problematisch ist auch hier der Weg des Bechers. Schließlich kann man den Becher in einem Laden kaufen und im nächsten wieder abgeben. Für kleinere Cafés außerhalb des Zentrums wäre das Pfandsystem also schwierig umzusetzen:

Klar wird das für eine kleine Bäckerei in Mölkau oder in Lindenthal oder in anderen Cafés in den Umlandbereichen nicht sonderlich viel Sinn machen an so einem System mitzumachen, weil die Wege viel zu lang sind. Aber wenn man sich zum Beispiel in der Innenstadt an der Uni einen Becher holt und den am Hauptbahnhof wieder abgibt, ist das schon mal ein guter Anfang.

Norman Volger, Grüne Fraktion Leipzig

Die Konsequenz lautet, dass sich das Pfandsystem wahrscheinlich erst auf die Innenstadt konzentrieren würde. Nach Ansicht der Grünen wäre damit ein erster Schritt getan. Auch Anja Werner vom Öko-Löwen befürwortet die Idee eines Pfandsystems. Es sei die nachhaltigste Lösung, denn ein Mehrwegbecher könne 34 Einwegbecher einsparen. Bis es zur Umsetzung kommt, kann aber noch viel Zeit vergehen. Die Grünen versuchen die Stadt Leipzig von der Idee zu überzeugen. Welcher Träger dann aber für die Umsetzung zuständig ist, das steht noch in den Sternen. Die Stadtverwaltung hatte vorgeschlagen, einen unabhängigen Träger zu finden. Davon ist auch abhängig, wann das Pfandsystem eingeführt wird. Mit etwas Glück und mehr Unterstützung aus dem Stadtrat könnte es noch Ende des Jahres klappen.   

Redakteurin Nadja Bascheck hat einen Kaffeebecher auf seinem kurzen, dramatischen Lebensweg begleitet:

"Der Weg eines Einwegbechers" - ein Beitrag von Nadja Bascheck
1502 Kaffeebecher
 

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Nadja Bascheck
15.02.2017 - 12:24
  Wissen