CD der Woche

Der Kaffee ist noch warm

Zwei Jahre sind seit der letzten Veröffentlichung der deutschen Band OK Kid vergangen. Jetzt melden sie sich mit ihrem zweiten Studioalbum zurück. Das trägt den passenden Namen „Zwei“.
Alles auf Zucker: Die drei Jungs von OK Kid

OK Kid sind die drei Jungs aus der „grauen Stadt ohne Meer“- wie sie ihre Heimatstadt Gießen beschreiben. Auch das neue Album sticht durch ihren genreübergreifenden Mix aus Indie-Pop und HipHop aus der deutschen Musikszene heraus. Unverkennbar dazu: Die leicht amelodisch gerappten Parts von Sänger Jonas Schubert. Die Texte drehen sich um das Lebensgefühl der Generation Y – vom Suchen nach dem Mehrwert im Leben, grauen Heimatstädten und Enttäuschungen in der Liebe. Drei Jahre sind mittlerweile seit ihrem gleichnamigen Albumdebut „OK Kid“ vergangen. 2014 folgte die EP „Grundlos“. Danach wurde es etwas ruhiger um die Band.

Ich seh' nur gute Menschen.

Doch dann überraschten die Jungs im Oktober 2015 mit ihrer ersten Singleauskopplung „Gute Menschen“ - einem für die Band ungewohnt politischen Song. Zeilen wie „Ich weiß nicht, was ihr seht / Ich seh nur gute Menschen“ und „Sie sind das Volk, alles nur besorgte Wutbürger / Stammtischmodus: Jetzt wird laut diskutiert“ geben ein klares Statement ab. OK Kid heben ihre Stimme gegen AfD-Wähler, Stammtischparolen und fremdenfeindliche Hetze. Untermalt wird das Ganze nochmal als Sidekick auf dem Albumcover. Der Zeigefinger der abgebildeten Hand ist abgebrochen. Was zurückbleibt, ist der ausgestreckte Mittelfinger.

Alles ist einfach, bist du einfach gestrickt/ Kein Knoten im Kopf, nur ein Faden am Genick.

Nah am Zeitgeist

Auch die zweite veröffentlichte Single bleibt kritisch. „Bombay Calling“ - ein Song, der dem Lieblingsgin der Band gewidmet ist. Während im Hintergrund der Bass dröhnt und sich orientalische Klänge durch den Refrain ziehen, wird hier vor allem Alkoholmissbrauch thematisiert:                            

Er hat keine Sympathie für das echte Leben/Nur ein Spiel, das schon am Anfang damit endet,

sich den Rest zu geben.

Wunderbar selbstironisch kommt dagegen „Ich kann alles“, die dritte Singleauskopplung des Albums, daher. Gitarren, Backgroundstimme und Synthies hallen durch den Song, während Jonas singt: "Schau mich an, ich kann alles / Ich kann nicht viel, nein, alles." Und beleuchtet damit Neuanfänge und leere Versprechen an sich selbst.

Bass- und HipHop-lastiger wird es auf dem Track „5tes Rad am Wagen“, für den sich OK Kid den Rapper Megaloh an ihre Seite geholt haben. Die zweite Kollaboration auf der LP entstand trotz der selbst erklärten Abneigung der Band gegen die Hamburger Schule. Auf dem Track „U-Bahn“ ist Frank Spilker, der Sänger der Band „Die Sterne“ zu hören. Entstanden ist ein durchaus punkiger Song, der mit einer netten Metapher das altbekannte Problem „Kopf gegen Herz“ umschreibt und klanglich frischen Wind in das Album bringt. Die Ode an den schlimmsten Monat des Jahres dagegen kommt mittlerweile zwei Monate zu spät. Aber besser spät als nie. „Es ist wieder Februar“ handelt von der Melancholie am Ende jedes Winters und dem sehnsüchtigen Warten auf die weniger trostlosen Monate. Jonas' weiche Stimme und sanfte Gitarren begleiten durch den Song, während angeführt wird, dass in jedem Februar ja auch ein Neuanfang steckt. Grund genug, den kalten, trostlosen Monat nächstes Jahr mit anderen Augen zu sehen.

Spendest weder Trost, noch Vitamin D /Wollte dich hier nie wieder sehn /(...)/Deine Schönheit

bleibt im Innersten verborgen / Nur was dich überlebt ist von Bedeutung für morgen

Fans der ersten Stunden dürften sich wahrscheinlich am meisten über die Fortsetzung der „Kaffee Warm“-Reihe freuen. Den Songs über eine einseitige Beziehung. Das Problem, das sich durch die Songs zieht, ist, dass sich eine Seite nicht für eine feste Beziehung entscheiden kann, doch die andere metaphorisch „den Kaffee warmhält“ und sich ausgenutzt fühlt. Nach „Kaffee Warm“ und „Kaffee Warm 2“ auf den letzten beiden Veröffentlichungen folgt jetzt „Kaffee Warm 3“.

Fazit

Die Musik von OK Kid bleibt vor allem eines: vielschichtig. Zwar ist das Album etwas poppiger geworden, aber das Fundament aus HipHop gepaart mit elektronischen Elementen steht noch. Auch mit ihrer Kritik an der aktuell teils fremdenfeindlichen Stimmung im Land beweist, dass die Band nah am Zeitgeist steht. Ihren altbekannten Themen bleiben sie jedoch trotzdem treu. Nicht ohne die gewohnte Prise Selbstironie handeln die Songs vom Leben in der Generation Y. Die Stimmung schwebt dabei immer zwischen Euphorie und Melancholie. „Zwei“ ist kein Abklatsch vom Vorgänger „OK Kid“ oder der EP „Grundlos“, schlägt aber musikalisch sowie textlich ähnliche Wege ein, was vor allem Fans freuen dürfte.

 

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Sophie Boche
11.04.2016 - 15:40
  Kultur

OK Kid: Zwei

Tracklist:

1. Blüte dieser Zeit

2. Ich kann alles*

3. Gute Menschen*

4. Es ist wieder Februar

5. Bank

6. 5tes Rad am Wagen

7. Bombay Calling*

8. Wisch & Weg

9. U-Bahnstation 

10. Kaffee warm 3*

11. Euforia

12. Erinnert

 

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 08.04.2016
Four Music

OK Kid spielen am 23. April im Täubchental.