Trendsport

Der Jugg muss in das Mal

So lautet die Devise beim neuen Trendsport Jugger. Und da kein Trend an Hypezig vorbei geht, wird auch hier gejuggert. Das Team heißt Leipziger Nachtwache und trainiert am Alfred Frank Platz. Wir waren dabei.

Dienstag, 17.30 Uhr am Alfred Frank Platz in Reudnitz. Die Spieler von der Leipziger Nachtwache trainieren Powerpompfen. Dabei fechten sie mit langen Stäben, die wie Wattestäbchen aussehen. Diese „Waffen“ werden Pompfen genannt. Das ist erstmal ein etwas befremdlicher Anblick, aber auch faszinierend. In einer kurzen Pause erklärt Trainingsleiter Arno Hagenunger, was sie da treiben: „Jugger ist eine sehr kunstvolle und witzige Mischung aus Rugby, Fechten und mittelalterlichem Gladiatorenkampf.“ Aber den Ritterspielegedanken möchte er nicht so gerne mit dem Sport assoziiert wissen, weil es bei dem Sport eigentlich nicht um Gewalt, sondern um Taktik gehe.

3, 2, 1 … Jugger!

Es gibt zwei Teams mit jeweils fünf Spielern, von denen drei mit Pompfen ausgestattet sind. Einer schwingt eine Kette mit einer Kugel unten dran und einer ist unbewaffnet. Das ist der Läufer. Er hat die Aufgabe den Ball, beziehungsweise den Jugg, in das Tor zu befördern. Wie beim Football ist das Tor aber eine markierte Zone auf dem Boden, beziehungsweise ein Behälter, der beim Jugger das Mal genannt wird. Das Spiel beginnt mit dem Schlachtruf: 3,2,1 — Jugger! Daraufhin stürzen die Spieler los, die sich vorher in zwei Reihen gegenüber standen und versuchen das gegnerische Team außer Gefecht zu setzen, während sie ihren eigenen Läufer schützen. Dazu schlägt der Spielleiter die Trommel im Takt. Je nach Spielgeschwindigkeit dauert ein Schlag 1,5 bis drei Sekunden. Eine Halbzeit dauert hundert Schläge. Wie lange ein Spiel dauert, hängt davon ab, wie schnell der Läufer den Jugg im Mal versenkt hat.

Zukunftsversion statt Mittelalter-Romantik

Der Sport hat eine ungewöhnliche Geschichte. Im Jahr 1989 erschien der australische Film: Die Jugger – Kampf der Besten. In dem Endzeit-Film geht es um ein sehr brutales Gladiatorenspiel im 23. Jahrhundert. Anfang der 1990er Jahre wurde dieses Spiel erstmals auch in Deutschland nachgespielt – allerdings ohne die gefährlichen Parts und nur mit gepolsterten Waffen. Der Nischensport wächst seit der Jahrtausendwende rasant an. Seit 2003 gibt es eine Jugger-Liga und seit acht Jahren ist der Sport offiziell anerkannt. Arno Hagenunger schätzt, dass es deutschlandweit 200 Teams gibt, von denen hundert aktiv sind und an Turnieren teilnehmen.

Frauen an die Pompfen!

Nachdem die Trainingseinheit Powerpompfen abgeschlossen ist, wird richtig gespielt. Heute natürlich nur die Leipziger Nachtwache Team 1 gegen die Leipziger Nachtwache Team 2. Vorher wurden Mannschaften gewählt, wie im Schulsport. Und wie im Schulsport sind alle Frauen in einer Mannschaft gelandet. Das war aber vielleicht auch nur Taktik, denn jetzt landen sie, verstärkt durch Teamkamerad Moritz, einen Treffer nach dem anderen. Das Geschlecht spielt bei dem Sport keine Rolle. „Es geht ja nicht nur um Kraft und Ausdauer, sondern auch um Geschicklichkeit und Teamgeist“, erklärt Arno Hagenunger. Auch Nicole Schröder und Flora Ihlau finden, dass Jugger auf keinen Fall ein Männersport ist. Flora Ihlau ist schon lange ein großer Fan von dem Sport und war, als sich das Leipziger Team im Oktober 2013 gegründet hat, als eine der Ersten mit dabei.

Eine Reportage über Jugger von Paula Zöhl.
 
 

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Paula Zöhl
08.08.2014 - 18:51
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