Frisch Gepresst: Mura Masa

Der Jugend gehört die Zukunft

Mit seinem zweiten Studioalbum „R.Y.C.“ liefert Jungproduzent Mura Masa gleich zu Beginn des neuen Jahrzehnts ein Werk ab, das im Bereich Popmusik wegweisend sein könnte.
Mura Masa, R.Y.C.
Mura Masa

Um die Musik von Mura Masa zu verstehen, sollte man seine Herkunft kennen. Geboren wurde der heute 23-Jährige unter dem bürgerlichen Namen Alex Crossan auf der Kanalinsel Guernsey (britische Kronbesitzung jedoch kein Teil des Vereinigten Königreichs). Dort fing er bereits in jungen Jahren an, in verschiedenen Punk und Metal-Bands zu spielen, bis er schließlich elektronische Musik für sich entdeckte und begann, alleine Musik zu produzieren. Nachdem er für sein Studium auf das britische Festland gezogen war, spielte er seine Musik bald live bei ausverkauften Club-Shows und sorgte so für einiges an Aufmerksamkeit. So konnte er schon für sein selbstbetiteltes erstes Studioalbum 2017 ein Staraufgebot an hochkarätigen Feature-Gästen wie Charly XCX, Damon Albarn und A$AP Rocky gewinnen, wobei mit letzterem auch die Hitsingle „Love$ick“ entstand. Trotz tanzbarer Beats und fetter elektronischer Klänge, behielt das Album ein starkes Gefühl von Intimität, aus dem man Crossans Inseljugend noch heraushören konnte. Auf seinem neuen Album „R.Y.C.“ kommt diese persönliche Verbindung sogar noch mehr zum Vorschein.

Der Sound der Jugend

„R.Y.C.“ steht für Raw Youth Collage. „Jugend“ ist gewissermaßen das Leitthema des Albums, sowohl im Klang als auch in den Texten. Im Song „No Hope Genration“ tritt Mura Masa sogar selbst ans Mikrofon und singt mit verzerrter Stimme über das Gefühl von Hoffnungs- und Hilfslosigkeit einer jungen Generation zwischen Aufbruchsstimmung und Zukunftsangst. Der Beat dazu ist treibend wie bei einem Rocksong und sorgt gemeinsam mit der eingängigen Melodie für ein erstes Highlight.

Noch jugendlicher klingt „I Don’t Think I Can Do This Again“ mit Gastsängerin Clairo. Der Track beginnt zunächst wie ein Stück vom letzten Album der 21-jährigen „Bedroom-Pop“-Künstlerin, mit zarten Gitarren und ihrem sanften, emotionalen Gesang. Im Refrain holt Mura Masa die Sängerin dann jedoch mit einem plötzlichen Drop auf den Dancefloor, was einen unwiderstehlichen Kontrast zu der verzweifelten Titelzeile abgibt.

Spätestens hier fällt auf: Mit dem neuen Album hat Mura Masa die Genres gewechselt. War der Vorgänger „Mura Masa“ noch klar ein elektronisches Dance-Album mit Einflüssen aus Tropical House und Hiphop, ist „R.Y.C.“ ein Pop-Album mit starken Rockeinflüssen, bei dem elektronische Beats und elektrische Gitarren Hand in Hand gehen. Selbst „Deal With It“ mit dem britischen Rapper Slowthai klingt mit rauen Bass eher nach Postpunk oder Garage als nach Hiphop. Der wilde Stilmix und die gekonnt ausbalancierte Mischung aus Liveinstrumentierung und Computerklängen machen jedoch den Reiz der Platte aus. An den elektronischen Sound des Vorgängers knüpft dagegen der Track „Live Like We’re Dancing“ mit Georgia an, der mit seiner Mischung aus House und Disco an die frühen Daft Punk erinnert.

Fazit:

Mura Masa ist viel mehr als nur ein Soundtüftler oder Erfüllungsgehilfe für Feature-Gäste. Mit „R.Y.C.“ liefert er sein bisher persönlichstes Album ab und fängt das Gefühl der Jugend mit all ihren Widersprüchen ein. Die Gaststimmen verleihen dem Album dazu zahlreiche emotionale Höhepunkte. Zudem findet Mura Masa mit seiner Mischung aus gitarrenlastiger Live-Instrumentierung und elektronischer Beats eine ganz eigene Balance, die für die Popmusik zukunftsweisend sein könnte.

 

 

 

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Mura Masa: R.Y.C.

Tracklist:

1. Raw Youth Collage

2. No Hope Generation

3. I Don't Think I Can Do This Again (+ Clairo)

4. A Meeting At An Oak Tree (+ Ned Green)

5. Deal Wiv It (+ Slowthai)

6. Vicarious Living Anthem

7. In My Mind

8. Today (+ Tirzah)

9. Live Like We're Dancing (+ Georgia)

10. Teenage Headache Dreams (+ Ellie Rowsell)

11. Nocturne For Strings And A Conversation

Erscheinungsdatum: 17.01.2020
Universal Music