Gespräche auf dem Roten Sofa

Der Hype kennt kein Rezept

E-Books, Self-Publishing, Büchersterben – wie passt das zusammen? Was passiert mit dem Markt der Bücher, der den Leser mit Material überflutet, unüberschaubar ist und immer weiter wächst?
Unsere Gäste Bianka Reinhardt und Armin Gmeiner diskutieren mit Thilo Körting über die Zukunft des Buchmarktes.

Random House, Diogenes, Penguin, Suhrkamp – große Verlage, deren Namen bei jedem Assoziationen wecken. Der Großteil des Buchmarktes aber besteht aus kleinen Verlagen. "Sie sichern die Vielfalt unserer Branche", sagt Armin Gmeiner vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Gute Bücher machen heiße, den Leser und den Markt zu verstehen, so Gmeiner. Besonders als kleiner Verlag sei es wichtig, sich auf eine Sparte zu spezialisieren und sich dort zu etablieren. 

Self-Publishing – die Alternative zum traditionellen Verlag

Doch gerade die inhaltliche Kompetenz der Verlage sieht Bianca Reihnardt von Books on Demand bedroht: "Verlage sind heutzutage keine Marke". Gerade aus diesem Grund hält sie das Self-Publishing für eine Alternative für Autoren sowie für Leser. Beim Self-Publishing reicht der Autor sein Manuskript bei einem Self-Publishing-Verlag online ein und gibt sein Buch damit automatisch für den Druck frei. Korrektur gelesen haben muss der Autor bzw. ein Lektor, denn der Verlag an sich übernimmt nur die administrative Bearbeitung des Manuskripts. Ein Veto legt der Verlag nur bei Manuskripten ein, die einen gewaltverherrlichenden oder nationalsozialistischen Inhalt haben. Wie schon zuvor beim Aufkommen der E-Books gilt der amerikanische Markt auch beim Self-Publishing als Vorreiter der Branche. 

Eine echte Bedrohung?

Eine Bedrohung für "echte" Verlage sieht Armin Gmeiner jedoch nicht. Books on Demand und andere Self-Publisher seien eher eine Ergänzung der Verlagslandschaft. Wer denkt, selbst verlegen tut nur, wer keinen Verlag gefunden hat und dessen Buch auch eine deutlich geringere Qualität aufweist, scheint daneben zu liegen. Längst tauchen auch auf den Bestsellerlisten immer wieder Autoren auf, die ihr Buch selbst vermarkten. 

Der Hype kennt kein Rezept

In einem Punkt sind sich Gmeiner und Reinhardt einig: Für den nächsten Hype gibt es kein Rezept. Ob ein Buch gut ankommt, entscheidet nicht die Größe oder Art des Verlages, sondern der Leser selbst. 

Nachdem Amazon vor zwei Tagen bekannt gegeben hat, auch als Verlag tätig zu werden, kann der Rest der Buchbranche nur abwarten, was als Nächstes passiert. "Auch Amazon muss erst Strukturen entwickeln", so Gmeiner. Nicht überrascht zeigt sich auch Bianka Reinhardt: "Das war eine Frage der Zeit".

Wer das gedruckte Buch schon aufgegeben hat wird enttäuscht sein, glaubt Reinhardt. Zwar werde die Digitalisierung zunehmen – schon jetzt werden 20 Prozent aller Bücher nur digital verlegt – "aber das gedruckte Buch wird es immer geben". Auch Armin Gmeiner wagt einen positiven Blick in die Zukunft: "Die Vielfalt der Buchbranche wird sich erweitern, muss aber auch strukturierbar bleiben".

 

Diskussion zur Zukunft des Buchmarktes mit Armin Gmeiner vom Gmeiner Verlag und Börsenverein des Deutschen Buchhandels und Bianka Reinhardt von Books on Demand. Die Diskussion moderierte Thilo Körting
Diskussion Buchmarkt
 

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