Leipzig liest 2016

"Der Held meiner Autobiografie"

Für sein Leben hat sich Benjamin von Stuckrad-Barre eine der größten Berg- und Talbahnen ausgesucht. Nachzulesen ist seine Vita vom großen Erfolg über seine Alkohol- und Kokainsucht bis hin zum drogenfreien Leben in seiner Autobiografie "Panikherz".
Klaas Helfer-Umlauf und Benjamin von Stuckrad-Barre
Klaas Heufer-Umlauf unterstütze Benjamin von Stuckrad-Barre bei seiner Lesung in der Schaubühne Lindenfels

Kurz zusammenfassen ließe sich das Leben von Benjamin von Stuckrad-Barre am besten mit einer Achterbahnfahrt inklusive Looping. Wer es aber lieber lang und ausführlich mag: der Autor hat seine Autobiografie veröffentlicht. „Panikherz“ heißt das neue Buch, dass er im Rahmen von Leipzig liest in der vollen Schaubühne Lindenfels vorgestellt hat.

Berg- und Talbahn

Stuckrad-Barre begann sein Karriere Mitte der Neunziger als Journalist bei der Musikzeitschrift Rolling Stone und als Autor der Harald Schmidt Show. So war er ganz schnell drin im Medienrummel. Außerdem schrieb er für diverse Magazine sowie Zeitungen und auch als Moderator bei MTV war er tätig.

1998 erschien sein Debütroman „Soloalbum“. Der Bestseller, der 2003 mit Matthias Schweighöfer und Nora Tschirner in den Hauptrollen verfilmt wurde, traf den Nerv der Zeit. Der große Erfolg brachte aber auch Höhenflüge für Stuckrad-Barre mit sich – und bald darauf eine Drogenkarriere, die es in sich hatte. So dauerte es nicht lang, dass der Autor neben einigen weiteren Büchern eher durch Skandale auf sich aufmerksam machte. Irgendwann hatte die Sucht ihn soweit im Griff, dass er alles verloren hatte: Erfolg, Geld, Freunde. Das hieß bei Null anfangen – und das hat sich anscheinend gelohnt. Heute behauptet er stolz, schon seit vielen Jahren clean zu sein.

Retter mit Hut

Um den ganzen Abend lang nicht Alleinunterhalter spielen zu müssen, hat sich Stuckrad-Barre Verstärkung mitgebracht. Klaas Heufer-Umlauf – eher bekannt als der eine von Joko & Klaas – unterstützt ihn auf der Bühne. Die beiden harmonieren gut, ohne Absprache unterhalten sie das Publikum und liefern im Schlagabtausch einen Witz nach dem anderen.

Abgesprochen wirkt dagegen das Hauptanliegen dieses Abends. Abwechselnd lesen sie aus „Panikherz“ einige Geschichten von heute, aber auch aus der Zeit, in der Stuckrad-Barre koksabhängig und völlig pleite war. Die Rettung war seine Familie – und Udo Lindenberg. Der Sänger, zu dem Stuckrad-Barre ein enges Verhältnis pflegt, taucht in den gelesenen Anekdoten, die durchschimmern lassen, wie sehr er zu dem Mann mit Hut aufsieht, immer wieder auf. Geholfen hat ihm das scheinbar. Nach Entziehungskur und vielen Jahren der Abstinenz lag die Gelegenheit in Form von Koks an einem Tag in Las Vegas in bester Gesellschaft wieder vor ihm, Stuckrad-Barre aber lehnte ab und beendet den illustren Abend an dieser Stelle für sich in weiser Voraussicht und aus Selbstschutz.  

Fast geschafft

Am Ende gerät die Lesung plötzlich doch ins Stocken, kurz geraten die beiden aus dem Konzept und sind unsicher, wie es nun weitergehen sollte. Und so kommt schließlich noch ans Licht, dass die Absprache doch etwas sporadischer ausgefallen ist. Heufer-Umlauf räumt ein, dass der Abend kurz vor Beginn innerhalb von 15 Minuten geplant wurde.

 

 

 

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Benjamin von Stuckrad-Barre, geboren 1975 in Brinkum, arbeitet neben seinen Tätigkeiten als Journalist und Moderator auch als Autor. Bekanntheit erreichte er vor allem mit seinem Debütroman "Soloalbum", der 1998 erschien und 2003 verfilmt wurde. Sein neustes Buch "Panikherz" ist eine Autobiografie, von seiner steilen Karriere über den Absturz in seine Alkohol- und Drogensucht bis hinzu zu seinem heutigen Leben – clean und trocken. Das Buch ist im März 2016 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen, hat 576 Seiten und kostet 22,99 Euro.