GameCheck: "Gone in November"

In der Gedankenwelt eines Sterbenden

Games müssen nicht immer Spaß machen. Viele kleine Entwickler, die wenig Geld zur Verfügung haben, veröffentlichen sogenannte "Serious Games". Eines davon ist "Gone in November", das die letzten Tage eines depressiven, krebskranken Mannes schildert.
Das Serious Game "Gone in November" behandelt auch das Thema Selbstverletzung.
Das Serious Game "Gone in November" behandelt auch das Thema Selbstverletzung.

Der Untertitel des Serious Games "Gone in November“ – das könnte man übersetzen mit "Im November von uns gegangen" – lässt bereits vermuten, was die Spieler erwartet: "Eine Folge von Erinnerungsfetzen eines sterbenden Mannes." Das Spiel befasst sich mit dem Thema Tod, Depression und Suizid. Für einen Euro kann man es auf der PC-Spieleplattform Steam herunterladen. 

Wie sich das spielt, können Sie hier nachhören: 

mephisto 97.6-GameCheck: In "Gone in November" werden die Themen Tod und Depression behandelt. Funktioniert das?

Die Originalpassagen aus dem Spiel spricht Florian Eib.

 

 

Und hier können Sie die Rezension des Spiels, die sich in die Perspektive des Protagonisten begibt, noch einmal nachlesen: 

Die andere Seite nehme ich kaum wahr

Meine Reise in die Gedankenwelt des sterbenskranken Mannes beginnt scheinbar fröhlich: Ich stehe in einem zweistöckigen Haus mit schickem Wohnzimmer, zwei Schlafzimmern und einem großen Balkon. Im Hintergrund läuft Radiomusik, und das Telefon klingelt. Ich gehe ran, auf dem Bildschirm kann ich aber nur lesen, was ich in dem Gespräch sage – die andere Seite nehme ich gar nicht richtig wahr: 

Hallo? ... Ja, ich bin's. ... Ich weiß. ... Ich denk drüber nach. ... Ja, danke.

Die Ärzte sind Arschlöcher. Sie wollen, dass ich noch mehr Pillen kaufe und so viel Geld aus einem krebskranken Patienten rauspressen, wie möglich. 

Aber die Tabletten auf dem Küchentisch sind die letzten, die ich mir noch leisten kann. Die reichen, um ein paar Tage zu überleben. Der Strom wird mir Ende des Monats abgedreht, und auch der Vermieter dürfte mich bald rausschmeißen. 

Der Protagonist in "Gone in November" scheint zunehmend unter Halluzinationen zu leiden.
 

Der Spieler braucht Fantasie 

Was meine Exfreundin wohl macht? Wir sind im Streit auseinandergegangen. Seitdem lasse ich die Haustür einen Spalt offen. Auf meine Nachrichten hat sie seit 121 Tagen nicht reagiert. Mit langsamen Schritten stapfe ich durch die Wohnung. Ich kann nicht schneller gehen, die Leukämie sorgt bei jeder Bewegung für Schmerzen. 

Die grafische Darstellung ist steril und auf dem Niveau von vor 15 Jahren, auch eine Sprachausgabe gibt es nicht. Trotzdem ist "Gone in November" eindrucksvoll: Der Spieler braucht Fantasie - aber es lohnt, sich auf die künstlerische Umsetzung des Themas Tod und Depression einzulassen. Nachdem ich meine Aufgabenliste abgearbeitet habe, die ich mit einem Knopfdruck aufrufen kann, lege ich mich ins Bett.  

Der Protagonist in "Gone in November" scheint zunehmend unter Halluzinationen zu leiden.
 

Habe ich Halluzinationen? 

Als ich wieder aufwache, hat sich die Wohnung verändert. Plötzlich hängen Hunderte identische Bilder an der Wand, Möbel wurden umgeworfen. Habe ich Halluzinationen? Ich laufe in die Küche und nehme mir das Küchenmesser, das im Tisch feststeckt. Dann breche ich zusammen. 

Jetzt beginnt der Albtraum. Fast alles ist rabenschwarz, aber ich folge einer weißen Linie, manchmal führt sie durch ein Labyrinth. Erinnerungen an frühere Gespräche laufen im Telegrammstil über den Bildschirm. Zum Beispiel, als ich an einer Blutlache vorbeikomme. 

"Wie oft habe ich Dir schon gesagt, dass es eine Scheißidee ist, sich selbst zu verletzen?", hat sie damals gesagt. "Ja, aber es hilft, die Dinge kurz mal zu vergessen", habe ich geantwortet. 

Mein Albtraum endet vor zwei Türen, einer gelben und einer roten. Über der gelben Tür steht "Töte mich", über der roten Tür steht "Weitermachen". Nur kurz zögere ich, und entscheide mich dann, weiterzumachen. 

 

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Tobias Schmutzler
12.10.2016 - 16:18
  Games

Hilfe bei Depression 

Sollten Sie oder ein Angehöriger von einer Depression betroffen sein, dann finden Sie Hilfe auf den Internetseiten der Deutschen Depressionsliga und der Deutschen Depressionshilfe