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Der Gartenzwerg sorgt für gutes Gelingen

Deutschlands einziges Kleingärtnermuseum liegt etwas im Verborgenen. Für Kleingartenliebhaber ist es jedoch einen Besuch wert: Hier wird die deutsche und internationale Schrebergartengeschichte aus über 150 Jahren zur Schau gestellt.
Der klassische Kleingarten war ursprünglich nur für den Obst- und Gemüse
Der klassische Kleingarten auf der Anlage "Dr. Schreber" im Zentrum-West.

Unkraut jäten, Rasen schneiden, Blumen pflanzen – wer all das als lästige Angelegenheiten empfindet, der ist wohl mit einem Kleingarten schlecht beraten. Für die 160 Parzellen-Pächter der Kleingartenanlage "Dr. Schreber" in der Aachener Straße, Zentrum-West, ist die Tätigkeit im Grünen allerdings keine Last. 

Der Gartenzwerg sorgt für gutes Gelingen - Ein Beitrag von Birgit Raddatz
 

Die Anlage kann mittlerweile auf eine 150-jährige Geschichte zurückblicken und ist damit die älteste in Deutschland. Mitten auf dem Gelände steht das Deutsche Kleingärtnermuseum. Hier wird die Tradition der Klein- und Schrebergärten ausgestellt, gut erhaltene Originaldateien machten die Dokumentation erst möglich.

Die Geschichte deutscher Kleingärten in 150 Jahren

Zunächst unterhielten vor allem Kirchen und Betriebe die Anlagen als Erholungsstätten für ihre Mitarbeiter und Menschen aus ärmeren Verhältnissen. Später gründeten sich aus den lockeren Verbindungen eingetragene Vereine und Verbände. Die Weimarer Republik stellte die Blütezeit der Kleingärten dar. In dieser Zeit waren die Pächter der Parzellen vor allem abhängig von den Großgrundbesitzern. Und auch in der Zeit der beiden Weltkriege im frühen 20. Jahrhundert übernahmen die Kleingärten eine wichtige Funktion, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums, Alexandra Uhlisch. "Nach dem ersten Weltkrieg dienten die Kleingärten vor allem der Nahrungsversorgung, im zweiten Weltkrieg gewährten sie politisch und rassisch verfolgten Unterschlupf."

Die deutsche Teilung schlug auch die deutsche Kleingärtenlandschaft in zwei Hälften. Während im Westen immer mehr Eigenheime entstanden, trieb es die DDR-Bürger aufgrund der beengten Wohnsituation in die Kleingärten. Dort trafen sich dann Universitätsprofessoren und Konsum-Mitarbeiter gleichermaßen. "Die soziale Durchmischung war viel größer in den ostdeutschen Schrebergärten", sagt Uhlisch.

Beim Rundgang über die Anlage fällt auf, dass besonders einer einen besonderen Platz im Schrebergarten erhält: der obligatorische Gartenzwerg. Er ist nicht nur in der Märchenwelt eine ambivalente Figur. "Wenn er schlecht behandelt wird, dann kann der Zwerg alles zum Scheitern bringen", erklärt Alexandra Uhlisch. Und ein Scheitern bei der Gemüse- und Obsternte wünscht sich natürlich kein Kleingärtner.

 

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Deutsches Kleingärtnermuseum 

Öffnungszeiten: Di-Do 10-16 Uhr, von Juni bis August auch am Wochenende geöffnet