GameCheck "Yakuza Remastered Collection"

Der Familien- und Yakuzaguide: Das Spiel

Die Yakuza-Spiele haben ihren ganz eigenen Charme. Die Serie steckt voller japanischer Kultur, Klischees und Männern, die sich dramatisch die Kleider vom Leibe reißen… ahem, natürlich um ihre Tattoos zu zeigen.
Yakuza
Wahre Überzeugung zeigt nur, wer sich vor jedem Kampf entblößt. Zumindest laut der Yakuza-Reihe.

Erst letztes Jahr kam mit Yakuza Kiwami 2 das Remake des zweiten Teils der Serie raus. Jetzt finden mit der Yakuza Remastered Collection nacheinander auch Yakuza 3, 4 und 5 in HD ihren Weg auf die PS4.

Curry kochen will gelernt sein

yakuza 3

In Yakuza 3 hat Serienprotagonist Kazuma Kiryu sich (mal wieder) vom Yakuzaleben zur Ruhe gesetzt. Statt grauem Anzug und Schuhen mit Schlangenmuster trägt er jetzt Hawaiihemden und leitet ein Waisenhaus in Okinawa. Doch wie das so ist als ehemaliger Yakuzaboss, kann die Idylle nicht lange anhalten. Daigo Dojima, Kiryus Nachfolger als Vorsitzender des Tojo Klans, wurde angeschossen und schwer verletzt. Der Täter ist allem Anschein nach Kiryus toter Ziehvater.

Doch bevor die Action richtig losgehen kann, springt das Spiel erstmal zwei Jahre in die Vergangenheit, nämlich zum Ende von Yakuza 2. Kiryu sieht sich hier ganz anderen Problemen gegenüber. Er muss nicht nur lernen, Curry zu kochen, um einen Haufen hungriger Kindermäuler zu stopfen, zu allem Überfluss will ihm die lokale Yakuzafamilie auch noch sein Land wegnehmen.

Warum will eigentlich jeder Kiryu verprügeln?

Statt wie in den Vorgängerteilen das imaginäre Rotlichtviertel Kamurocho unsicher zu machen, gilt es jetzt zuerst die Straßen von Okinawa zu erkunden. Hier kann Kiryu nicht nur in Restaurants essen gehen und in verschiedenen Lokalitäten diverse Minigames wie Mahjong, Baseball oder Bowling spielen – er wird auch ziemlich oft in Straßenkämpfe verwickelt. Irgendetwas an Kiryus Gesicht scheint Leute einfach dazu zu bringen, ihm ins Gesicht schlagen zu wollen.

Yakuaz 3

Das stört Kiryu aber herzlich wenig, denn er hat sich seinen Spitznamen als Drache von Dojima nicht umsonst verdient. Mit einer Kombination aus Schlägen, Tritten und dem ein oder anderen herumstehenden Fahrrad als improvisierter Waffe prügelt sich Kiryu durch. Zusätzlich hat er eine sogenannte Heat-Leiste, die sich füllt, wenn er Treffer austeilt und sinkt, wenn er einstecken muss. Ist diese Leiste voll, kann Kiryu starke Spezialattacken nutzen. Die meisten Kämpfe sind dabei einfach und recht schnell vorbei. Ein bisschen kniffliger wird es nur bei den Bossgegnern, die er im Verlauf der Story trifft.

Du bist dazu geboren, einen Samurai zu spielen!

Neben den Kämpfen gibt es auch eine Menge Nebenquests in Okinawa (und später im Spiel auch Kamurocho) zu erledigen. Anders als die oft ernste Hauptstory lockern diese kleinen Geschichten das Spiel um einiges auf und beinhalten einige der besten Momente der Reihe. Ob Kiryu nun einen jahrenalten Mord aufklären muss, einer Betrügermasche auf den Leim geht oder auf der Straße spontan als Hauptdarsteller eines B-Movies gecastet wird.

Zusätzlich dazu gibt es auch noch eine Quest für jedes der Waisenkinder. Diese fühlen sich zwar eher wie Nebenquests an, die Story kann aber nicht voran schreiten, bis Kiryu sie erledigt hat. So muss er einem Kind helfen, das in der Schule gemobbt wird oder herausfinden welches Kind einem anderen das Taschengeld geklaut hat.

Das ist anfangs noch ganz niedlich, sorgt aber auch dafür, dass der Beginn des Spiels nur sehr langsam in Fahrt kommt.

Ein bisschen alt, ein bisschen neu

Yakuza 3

Yakuza 3 ist an einigen Stellen schon etwas veraltet, besonders im direkten Vergleich mit der Neuauflage des Vorgängerteils, Yakuza Kiwami 2. Das Kampfystem ist nicht immer ganz präzise (besonders wenn man versucht, einen bestimmten Gegner anzugreifen, statt wild auf alle Gegner Schläge zu verteilen) und die Audiountermalung entspricht nicht mehr ganz den heutigen Hörgewohnheiten. Besonders bei Schritten und Schlaggeräuschen fällt das auf. Dafür sieht das Spiel in neuer HD Grafik mit 1080p und 60fps wirklich gut aus. Und auch die englischen Untertitel wurden überarbeitet, während es das Spiel aber wie gewohnt nur mit japanischer Sprachausgabe gibt.

Neben den quality-of-life Verbesserungen wurden auch das Kabarett-Minispiel und mehrere Nebenquests, die in der ursprünglichen westlichen Veröffentlichung gestrichen wurden, wieder in das Spiel integriert. Ganz ungeschnitten ist es aber nicht – so wurde eine Nebenquest komplett entfernt, die einen crossdressing Charakter auf homophobe Weise dargestellt hat.

Fazit

Yakuza 3 legt einen vergleichsweise langsamen Start hin. Sobald die Story aber einmal ins Rollen gekommen ist, können Spieler eine rasante Reise mit einem verstrickten Plot und einigen Wendungen erwarten. Yakuza 3 ist trotz aufgehübschter Grafik zwar schon in die Jahre gekommen und eignet sich besonders durch die vielen wiederkehrenden Charaktere nicht unbedingt als Einstiegspunkt für die Serie (was die Neuauflagen der ersten beiden Teile Yakuza Kiwami 1 und 2 sehr viel besser schaffen) – aber zumindest in der Sammlung eines jeden Yakuza-Fans sollte es nicht fehlen.

[Ergänzung] Yakuza 4

Yakuza 4

Yakuza 4 sieht erstmal sehr wie Yakuza 3 aus. Kein Wunder, denn das Spiel erschien bei seiner Erstveröffentlichung nur knapp 1 Jahr nach Yakuza 3. Dafür kommt es mit ein paar Änderungen daher – nämlich neuen Hauptcharakteren. Neben Kazuma Kiryu gibt es jetzt drei andere Charaktere zu spielen: den Geldverleiher Akiyama, den verurteilten Yakuza-Attentäter Saejima, den Polizisten Tanimura und natürlich nicht zuletzt wieder Kiryu selbst. Während sich die Charaktere recht ähnlich spielen, haben alle ihre eigenen Kampfstile (etwa die schnellen Tritte Akiyamas oder die langsamen aber kraftvollen Tackles von Saejima), Nebenquests und Minigames. Neben dem bekannten Hostess-Spiel gibt es jetzt also auch Neue wie den Fighter-Maker, in dem Saejima einen jungen Kampfsportler trainieren muss, um Wettkämpfe zu gewinnen.

Während das Spiel anfangs noch die Stories der einzelnen Protagonisten durchgeht, öffnet sich die Charakterwahl im Laufe des Spiels und lässt den Spieler aussuchen, mit welchem Charakter er sich am liebsten durch das vertraute Kamurocho bewegen möchte.

Ander als sein Vorgänger bietet Yakuza 4 kein neues Areal von der Größe Okinawas zum Erkunden (welches aus diesem Teil komplett gestrichen wurde), hat dafür aber die Fortbewegungsmöglichkeiten in Kamurocho erweitert. So können sich die Charaktere entweder über das verzweigte Dachsystem oder durch die Kanalisation Kamurochos bewegen, um nicht von der Polizei entdeckt oder in Straßenschlägereien verwickelt zu werden.

Wer Yakuza 3 mochte, wird auch am vierten Teil seine Freude haben. Er bietet mehr von dem, was Yakuza 3 gut macht und noch dazu einige neue Features. Eine wirkliche Überholung der altbewährten Formel ollte man hier aber nicht erwarten.

 

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Eleen Reinke
22.11.2019 - 15:29
  Games

Yakuza 4 erscheint am 29.10.2019 und Yakuza 5 am 11.02.2020 als Teil der Yakuza Remastered Collection.