Stolz und Vorurteile

Der erste Eindruck zählt

Bereits seit über 200 Jahren werden Vorurteile in Frage gestellt. Wie zum Beispiel von Autorin Jane Austen in ihrem Roman „Stolz und Vorurteil“. Auch heute noch befasst sich die Psychologie wissenschaftlich mit dem Thema.
Jane Austen
Jane Austen - Autorin von Stolz und Vorurteil

Jane Austens Meisterwerk

Vorurteile begegnen uns auf verschiedensten Wegen. Im Alltag aber auch in der Weltliteratur. Jane Austens Buch „Stolz und Vorurteil“ ist ein Paradebeispiel dafür. Das Buch wurde im Jahr 1813 veröffentlicht und zeigt seinen Lesern, wie Vorurteile zwischenmenschlichen Beziehungen im Weg stehen können. Im Mittelpunkt des Romans stehen die beiden sich liebenden Hauptfiguren Elizabeth Bennet und Mr. Darcy. Aufgrund eines Wirrwarrs aus Vorurteilen und Missverständnissen gelingt es ihnen lange nicht zueinander zu finden. Wo genau die Vorurteile im Roman zu finden sind, erklärt Frau Dr. Maria Fleischhack. Sie forscht zu englischer Literatur am Institut für Anglistik an der Universität Leipzig.

Der erste Eindruck ist das, was den beiden für lange Zeit im Weg steht. Und das gepaart mit der sozialen Struktur in der die High Society vorgibt, wie man sich zu verhalten hat und beide brechen eigentlich damit.

Dr. Maria Fleischhack

Im 19. Jahrhundert wurde von Frauen vor allem eines erwartet: so schnell wie möglich eine gute Partie zu ergattern. Genau dies sieht Mrs Bennett, Elizabeth Bennetts Mutter, als ihre Hauptaufgabe an – ihre fünf Töchter so schnell es geht unter die Haube bringen. Wenn mindestens eine von ihnen einen wohlhabenden Mann heiratet, ist der Rest der Familie versorgt. Liebe und eigene Zukunftsvorstellungen sind nebensächlich. Doch Elizabeth Bennet bricht mit diesem Frauenbild und den Erwartungen an sie. Sie wagt es eigenständig zu denken und sogar zu Kritik zu äußern. Für Elizabeth ist eine Heirat ohne Liebe und Zuneigung undenkbar. Damit verärgert sie nicht nur ihre Mutter, sondern auch potentielle Bräutigame. Auch Mr. Darcy verhält sich nicht so wie es von einem Mann seines Standes in der damaligen Zeit erwartet wurde. Statt sich in die Gesellschaft einzubringen, gibt er sich kühl, wortkarg und distanziert. Dies lässt ihn für viele Zeitgenossen unsympathisch erscheinen. Überraschenderweise behauptet Mr. Darcy am Anfang des Romanes, er fände Elizabeth Bennet nicht wirklich attraktiv. Auch sie ist schockiert über Mr. Darcy’s mangelnde Teilnahme am sozialen Vergnügen und der gängigen Etikette. Doch die Vorurteile sind nicht das einzige, was den beiden im Wege steht. Ebenso ihr Stolz erschwert den Umgang miteinander. Nachdem Elizabeth überzeugt ist, dass Mr. Darcy wenig von ihr hält, verzichtet sie auf soziale Etikette. Sie gibt sich keine Mühe ihm zu gefallen. All das macht es schwer zu glauben, dass aus den beiden am Ende doch ein Liebespaar wird. Allerdings steckt hinter Mr. Darcy´s trockener Art ein gutherziger Mann. Vor allem seine Schüchternheit macht es ihm schwer seine wahren Gefühle zu zeigen. So ist er eigentlich von Elizabeth seit ihrer ersten Begegnung fasziniert. Er traut sich nicht diese Begeisterung im Gespräch mit seinem besten Freund zuzugeben und behauptet das Gegenteil. Letztendlich überwindet er aber seinen Stolz, um Elizabeth für sich zu gewinnen. Der erste Eindruck hat dem Liebespaar das Happy End erschwert. Das gibt es so aber nicht nur im Buch, sondern auch in der Realität.

Vorurteile aus psychologischer Sicht

Philipp Johner ist langjähriger Coach und Psychologe und ist demnach Experte in Bezug auf die Analyse zwischenmenschlicher Beziehungen. Laut Johner ist der erste Eindruck immer richtig, wenn derjenige der den Eindruck hat, in einem entspannten Zustand ist. Das heißt, man hat keine Angst, fühlt sich nicht bedroht und will niemandem gefallen. Klar ist, dass aus dem ersten Eindruck Vorurteile entstehen können. Vorurteile helfen uns eine Vorstellung von der Welt zu bekommen, die wir auf uns wirken lassen. Mit ihnen verarbeiten wir diese und bleiben lebensfähig. Bereits ab unserer Geburt werden sie uns anerzogen. Mit den Jahren entwickeln sich gesellschaftliche und individuelle Vorurteile. Sie entstehen aus unseren Erfahrungen heraus und beeinflussen den Menschen stark und permanent. Mit Beurteilungen können Eindrücke verarbeitet werden. Die entstandenen Vorurteile müssen nicht immer nur schlecht sein. Positive Vorurteile sind zum Beispiel: „Das Leben ist schön“ oder „Menschen sind gut“, so Johner.

Vorurteile entstehen durch nicht zu Ende enttraumatisierte Erfahrungen des Einzelnen oder auch stammesgeschichtlich genetisch, durch die Erfahrungen, die über Hunderte von Generationen weitergegeben wurden.

Philipp Johner

Negative wie auch positive Vorurteile lassen sich nicht immer vermeiden, da Beurteilungen unterbewusst ablaufen. Sie sind aber auch für die Weiterentwicklung des Menschen notwendig. Denn wie schon in „Stolz und Vorurteil“ beschrieben, haben Vorurteile einen großen Einfluss auf Zwischenmenschliche Beziehungen. Philipp Johner gibt Tipps, wie man am besten damit umgeht.

Sich seiner Vorurteile immer bewusst zu sein, sie also weder zu verteufeln, noch in Stein gemeißelt zu erklären, sondern wirklich neugierig zu sein und an ihnen zu arbeiten, wo es bedarf, ist der Weg zur Persönlichkeitsreifung und guten Zwischenmenschlichen Beziehungen.

Philipp Johner 

Einen Beitrag zum Thema „Stolz und Vorurteil(e)“ können Sie hier nachhören:

Ein Beitrag von mephisto97.6 zum Thema „Stolz und Vorurteil“
 
 

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