Was leistet der Auwald für Leipzig?

Der Auwald spielt erstklassig

Besinnlicher Rückzugsort und unverzichtbar für Stadtklima und Hochwasserschutz. Doch der Leipziger Auwald leistet für Mensch und Natur noch viel mehr.
Artenvielfalt im Auwald
Die hohe Artenvielfalt im Leipziger Auwald schützt das Klima.

Wenn wir vom Auwald sprechen, geht es nicht um das Auenland aus Herr der Ringe, sondern um ein bedeutendes Ökosystem in Leipzig. Der Auwald erstreckt sich über das gesamte Stadtgebiet. Der Clara-Zetkin- und der Johanna-Park verbinden seinen nördlichen Teil bei Gohlis mit dem südlichen Ausläufer nahe Connewitz. Auwälder sind Feuchtbiotope, die sich durch eine hohe Artenvielfalt auszeichnen. In der Albertina fand am Montag ein weiteres der Leipziger Auengespräche statt, bei dem zwei Experten die Bedeutung des Waldes für die Stadt erklärten.

Leipzig spielt in der Bundesliga der Auwälder

Prof. Christian Wirth, Biodiversitätsforscher an der Universität Leipzig

Gemessen an Größe und Qualitätszustand belegt Leipzig bundesweit den sechsten Platz unter den Auwäldern. Grund dafür ist die günstige geographische Lage, die zahlreiche Arten anlockt. "In Leipzig trifft sich die Welt", beschreibt es Prof. Christian Wirth, Direktor des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung. So kommen in Leipzig aus dem Elbe/Saale-Gebiet seltene Stromtalpflanzen mit montanen Arten aus Harz und Erzgebirge zusammen. Insgesamt zählt der Auwald 240 Tier- und Pflanzenarten.

Biodiversität schützt das Klima

Die hohe Artenvielfalt sichert die Qualität des Waldes: Je artenreicher ein Ökosystem ist, desto mehr Kohlenstoff kann der Boden aufnehmen, der dann nicht mehr in der Atmosphäre als Treibhausgas landet. Außerdem können mehr Bäume wachsen, sodass auch der Holzertrag für den Menschen steigt. Im Sommer kühlt der Wald zudem die Temperatur der Stadt, indem das Wasser in den Blättern der Bäume verdunstet.

Garant für Hochwasserschutz

Hinzu kommt die Bedeutung des Auwaldes bei Überschwemmungen: Als im Sommer 2013 tagelange Regenfälle zu Hochwasser in vielen Teilen Mitteldeutschlands führten, konnte der Leipziger Auwald mit dazu beitragen, noch höhere Pegelstände zu verhindern. "Diese Wälder sind daran angepasst, bei Überflutungen zu überleben. Die Aufnahme von Hochwässern kann den Überflutungsdruck auf andere besiedelte Gebiete stark verringern", erklärt Prof. Wirth.

Förster fürchtet menschlichen Einfluss

Doch nicht jedem Druck kann der Wald standhalten: Der Leipziger Stadtförster Andreas Sickert geht davon aus, dass der Auwald keinen weiteren menschlichen Einfluss verträgt. Ihn plagen illegale Techno-Partys, Trampelpfade und Mountainbiker, die dem Wald zusetzen. Außerdem berichtet Sickert von freilaufenden Hunden und Mitbürgern, die ihren Müll verbotenerweise im Wald abladen und dann später bei seiner Behörde anrufen, dem Amt für Stadtgrün und Gewässer, um die illegale Entsorgung zu melden.

Damit Leipzig weiterhin in der Bundesliga der Auwälder mitspielen kann, wünschen sich Sickert und seine Mitstreiter ein höheres ökologisches Bewusstsein in der Leipziger Bevölkerung.

Redakteur Manuel Mehlhorn war beim Vortrag in der Albertina dabei und sprach mit den Auwald-Experten. Den ganzen Beitrag gibt es hier zum Nachhören:

mephisto 97.6-Redakteur Manuel Mehlhorn über die Bedeutung des Leipziger Auwalds
Auwald

 

 

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