Themensendung: Unsichtbar

Denn sie wissen, was du tust

Google, Facebook und Technologien wie das „Internet der Dinge“ vereinfachen unseren Alltag. Wir bezahlen diese Dienste mit unseren Daten. Ist es überhaupt noch möglich, gewisse Aspekte unseres Lebens unsichtbar zu lassen?
PC
Leipzig als Online-Metropole Mitteldeutschlands?

Daten sind ein lukratives Geschäft. Das zeigt nicht zuletzt das Beispiel Facebook. Das soziale Netzwerk ist, genau wie der Suchmaschinenmarktführer Google, ein Datensammler: Was haben die Nutzer angeklickt? Von welchen Orten haben sie sich eingeloggt? Wen kennen sie? Was haben sie mit ihren Freunden geteilt? Welche Seiten steuern sie an? Auf Grundlage dieser Daten schalten Facebook und Google ihren Nutzern personalisierte Werbung. Ein Milliardengeschäft.

Google hat allein im Jahr 2013 über Werbung mehr als 50 Milliarden US-Dollar eingenommen. Das sind neunzig Prozent des Gesamtumsatzes. Auch Facebook finanziert sich fast ausschließlich über Werbeeinnahmen, im ersten Quartal 2015 hat personalisierte Werbung dem sozialen Netzwerk 3,3 Milliarden US-Dollar in die Kassen gespült.

Im Fall Facebook ist der Handel von Informationen bereits eine Ebene weiter. Da geht es um den Handel mit persönlichen Informationen.

Marco Maas, Open Data City

Datenhändler profitieren von dem Umstand, dass die Menschheit eine zunehmende Anzahl von Programmen und Geräten einsetzt, die Daten erzeugen: Ein Phänomen, das heute unter dem Schlagwort „Big Data“ zusammengefasst wird. Die heimliche Datenproduktion beschränkt sich nicht mehr nur auf Rechner und Smartphones, sondern umfasst bereits Innovationen wie das „Internet der Dinge“ (siehe Infobox). Gleichzeitig gibt es immer raffiniertere Methoden, diese Datenmengen zu bestimmten Zwecken auszuwerten.

Interessant sind diese Daten nicht nur für Unternehmen. Staaten beginnen, mit Hilfe von speziellen Programmen Wetter- und Polizeidaten so auszuwerten, dass sie mit hohen Wahrscheinlichkeiten voraussagen können, wo wann eine Straftat begangen werden könnte – früher nur Stoff für Science Fiction.

Was zunächst wie ein Gewinn für die öffentliche Sicherheit klingt, kann aber auch schnell ein Problem für die Privatsphäre werden: Wenn die Polizei, wie in den USA, damit beginnt, für die „Verbrechensbekämpfung im Voraus“ soziale Netzwerke auszuleuchten. Da sehen Datenschützer schwarz. Der Datenschutzbeauftragte des Freistaates Sachsen, Andreas Schurig, fasst zusammen:

Diese Konfrontation zwischen dem Anspruch des Einzelnen auf sein Selbstbestimmungsrecht und den Interessen der Gesellschaft, Daten zu verarbeiten, der wird gerade bei Big Data besonders deutlich.

Andreas Schurig, Datenschutzbeauftragter des Freistaates Sachsen

Neben Staat und Wirtschaft finden sich auch Journalisten in den wachsenden Datenmengen wieder. Sie nehmen in den aktuellen Entwicklungen um Big Data eine entscheidende Rolle ein, meint Datenjournalist Marco Maas von der Hamburger Agentur Open Data City.

Gerade heute ist es so, dass an immer mehr Stellen datenbasierte Entscheidungen gefällt werden. Und als Journalist ist es meine Pflicht, auch auf dieser Ebene mitreden zu können. […] Ich kann die bisherigen journalistischen Mittel erweitern. Ein Beispiel: Bisher war es so, dass ich als Journalist berichtete: ‚Das ist Oma Kasupke. Oma Kasupke hat das Problem, dass sie über Schlaglöcher stolpert, wenn sie über die Straße geht.‘ Heute kann der Datenjournalist Daten über alle Schlaglöcher in einer Stadt sammeln und auf dieser Grundlage Druck auf die Verwaltung ausüben.

Marco Maas, Open Data City

Derzeit debattiert das EU-Parlament über eine Datenschutz-Grundverordnung für die Mitglieder der Europäischen Union. Darin geht es auch um verbindliche Spielregeln für Big Data. Hinter den Kulissen kämpfen Industrievertreter und Datenschützer darum, was mit unseren Daten geschieht.

Auf der Lobbyseite geht man von ungefähr 25.000 Vollzeit-Lobbyisten aus. Mit Zugang zum Parlament und zu den Abgeordneten. Was in Brüssel definitiv fehlt, ist sprichwörtlich die Stimme des Kleinen Mannes, also: Was will der Bürger mit Big Data? Und die sind derzeit massiv unterrepräsentiert.

Marco Maas, Open Data City

Das Ungleichgewicht hat Folgen: War in früheren Entwürfen der Verordnung noch zu lesen, dass Daten nur dann gesammelt werden dürfen, wenn ein konkreter Zweck dafür angegeben wird, ist diese Zweckbindung mittlerweile vom Tisch. Das hieße auch: Daten, die ursprünglich für ganz andere Zwecke erhoben worden sind, können weiterverwendet werden -  sachfremd und ohne Einwilligung der Betroffenen.

Ein Beitrag von Lucas Kreling über Big Data und Datenhandel
 

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Lucas Kreling
11.06.2015 - 13:44

Beim „Internet der Dinge“ geht es im Wesentlichen darum, Alltagsgegenstände, Geräte oder Maschinen in einer internet-ähnlichen Struktur miteinander zu vernetzen. Sensoren und Chips sollen dabei helfen, die Geräte „intelligent“ zu machen, „mitzudenken“: Von tragbaren Herzmonitoren, die im Notfall Hilfe rufen bis hin zu Ampeln, die sich nach dem Verkehrsfluss richten, und Waschmaschinen und Trocknern, die über WLAN bedient werden können.