Kommentar: Fankultur

Definierte Markenidentität mit Risiken

Am Freitag gab es am Hauptbahnhof einen Angriff auf Fans des Fußballvereins RB Leipzig. Es handelte sich bei den Tätern laut Polizei um Anhänger des 1. FC Lok Leipzig. Ein Anlass, um wieder einmal über Vereinsbilder zu sprechen.
RB Leipzig Fans beim Auswärtsspiel
RB Leipzig Fans beim Auswärtsspiel

Seit 2014 gibt es bei Lok Leipzig ein Marketing-Kompetenzteam. Knapp zwei Jahre wurde an einer Marketing-Strategie gearbeitet:

Innerhalb unseres Teams bestand irgendwann [...] absoluter Konsens darüber, dass wir beim 1. FC Lok Leipzig reinen unverfälschten Fußball ohne davon ablenkendes Blendwerk bieten und uns in unserem Wirken auch vorwiegend darauf konzentrieren wollen. Als ich daraufhin „Fußball pur“ aussprach, war dies einer der ganz seltenen quasi „magischen“ Momente, in denen sich alle einig sind: Ja genau das ist es. Wir benötigen keinen Kompromiss. So etwas erlebt man nicht oft.

Prof. Dr. Sören Bär Leiter des Marketing Kompetenz-Teams

Ein Leitbild für einen Verein mit Ambitionen, der bald wieder viertklassig spielen könnte. Eine guter Ansatz für die Entwicklung des Leipziger Fußballs, allerdings setzen die Verantwortlichen die falschen Anreize.

Das Leitbild von Lok Leipzig - Ein Kommentar von Florian Eib
 

„Fußball pur“ soll das neue Leitbild sein

Der 1. FC Lok Leipzig versteht sich als „unverwechselbarer Leipziger Fußballclub mit Tradition, Leidenschaft und Charisma“, heißt es in einem Schreiben an die Presse. Abgesehen davon, dass der Charisma-Begriff eher floskelhaft daherkommt, kann ich dem zustimmen, ahne aber bereits, dass hier schon die ersten Ressentiments gegen den anderen großen Leipziger Club bedient werden, wo Tradition faktisch keine Rolle spielt.

Beim Weiterlesen treffen meine Augen auf Schlagworte wie Nachwuchsarbeit mit Anspruch und Niveau, Identifikation, Leidenschaft und Pflege von Tradition, Mythos und Kult … Dass man mit dieser Rhetorik auch politisch punkten kann, ist wohl schwer von der Hand zu weisen.

Irgendwo stand da auch was von authentisch - Zitat: „Fußball in einem authentischen Umfeld“. Hier möchte man sich noch deutlicher Zitat „im positiven Sinne von RB Leipzig abheben und abgrenzen. Also Erstens gibt es Fußballiebhaber, die seit Jahren nicht mehr das Probstheidaer Bruno-Plache-Stadion betreten haben, eben weil dort der Betonboden bröckelt und das Gras auf den Tribünen wächst. Wenn man möchte, kann man aber gerne auf das Authentische stolz sein. Zweitens aber ist eine so offene Abgrenzung von RB Leipzig längst nicht mehr nötig und fast übertrieben. Das Bild der beiden Vereine könnte unterschiedlicher kaum sein und wer heute Fußballfan in Leipzig ist, der sympathisiert eher mit dem einen oder dem anderen Verein und wird sich nicht durch ein neues Leitbild überzeugen lassen.

Ein weiterer Kernpunkt des neuen Lok-Leitbilds: FANOKRATIE – heißt es da in Großbuchstaben, zu einem neuen Leitbild gehört eben auch ein neues Wortbild. Sinngemäß: Hier darf jeder mitbestimmen. Jeder, der sich für den Club einbringen will, ist willkommen. Ich fühle mich angesprochen, für Transparenz bin ich sowieso und wer sich ein bisschen mit Fußball in Leipzig auskennt, der weiß, dass das implizit speziell gegen ein ganz anderes Modell im Leipziger Fußball schießt.

Erneute Abgrenzung zum Lokalrivalen, durch die Blumen und an sich auch keine schlechte Idee, wenn da nicht das Problem mit den Fans wäre. Ich möchte jedenfalls nicht mit Gewaltbereiten an einem Tisch sitzen und dass einige Lok-Fans gewaltbereit sind, dafür ist der Vorfall am Freitagabend das beste Beispiel.

Dass Anhänger von RB Leipzig zu Opfern wurden, ist nicht zuletzt auch Verdienst einer verfehlten Kommunikation des Vereins Lok Leipzig, der sich auch im aktuellen Leitbild offensichtlich gegen den Lokalrivalen stellt. Ich bin sicher, keiner der Entscheidungsträger bei Lok möchte propagieren, man solle doch bitte auf RB Fans losgehen, allerdings fehlt hier von Vereinsseite der verantwortungsbewusste Umgang mit dem Hintergrund einiger Fans.

Der neue Leitspruch des Vereins „Fußball pur.“ wird übrigens durch weitere Claims ergänzt. Da heißt es Nachwuchsarbeit pur. Leidenschaft pur. Tradition pur. Ehrenamt pur. Breitensport pur. Wie wäre es denn mit einer Initiative „Fanarbeit pur.“

 

Kommentare

Sehr guter Kommentar zum Sachverhalt, man muss sicht mögen, kann sich aber trotzdem mit Anstand und Respekt begegnen. Oder man kann weiter ein Feindbild schaffen (damals Chemie heute RB und Chemie) das man dann hassen kann. Traurig LOK, jeden Spieltag der selbe Mist mit Euch am Bahnhof.

Man könnte ja auch voneinander profitieren, aber leider reicht bei einigen LOK Fanatikern das Gedankengut dafür nicht. Forza RBL

Was mich vor allem extrem wundert, dass man bei LOK jetzt ein auf Tradition macht, bisher waren das ja nur die Fans, auf der Website steht ja selbst gegründet 2004. Aber naja, wenn mans lang genug schreit wirds schon irgendwann stimmen. Dann bitte aber auch die DDR Vergangenheit nicht vergessen...dort wurde der Verein extrem von Außen(SED Regime) gepusht und Mitsprache gabs auch keine...eigentlich just genau das, was man bei RB anprangert. Wenn dann sollte man sich mal entscheiden: Tradition oder von RB abgrenzen, beides passt nicht zusammen.

@Mike
Profit will nur Herr Mate...... ,
das Blech der Dosen ist teurer als der Inhalt.
Mitbestimmen können die Dosen nicht.

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