Netzwelt

"Datenschutz ist wie Atomkraft"

Als Student verklagte er erst Facebook, dann verhinderte der Österreicher Max Schrems mit einer Sammelklage schließlich das Save-Harbor-Abkommen der EU und den USA. Ans Ausruhen denkt der Datenschutzaktivist nicht.
Max Schrems in einem Café.
Max Schrems verhinderte mit seinen Klagen das Safe-Harbor-Abkommen.

Maximilian Schrems sieht müde aus. Den ganzen Tag lang ist er schon auf den Beinen, gibt Interviews und hält Vorträge. "Können wir uns duzen?", fragt er matt. Von Personenkult hält Schrems nichts, trotzdem ist er nicht nur in der Netzwelt eine Berühmtheit. Mit seinen Klagen gegen Facebook schaffte es der 29-jährige Jurist und Datenschutzaktivist weltweit in die Schlagzeilen. Sein größter Erfolg ist die Sammelklage vor dem Europäischen Gerichtshof, bei der die Praxis von Facebook, persönliche Daten von europäischen Nutzern in den USA zu speichern, in der Kritik stand. Dem stimmte das europäische Gericht im vergangenen Herbst zu. Die Begründung: Eine Datenübertragung in die USA sei unzulässig, denn auf den Servern seien die Daten nicht vor den amerikanischen Geheimdiensten geschützt. Damit erklärte der EuGH das Safe-Harbor-Abkommen der EU und den USA für ungültig - mit weitreichenden Folgen für rund 4 400 Unternehmen, darunter Internet-Riesen wie Facebook, Google und Co. Ein erster Erfolg für Schrems: Die USA galten erstmals auch offiziell nicht mehr als "sicherer Hafen" für die Datenaufbewahrung. Auf seinem Erfolg ausruhen will sich der Jurist aber nicht.

Datenschutz ist wie Ja oder Nein zu Atomkraft zu sagen. Es ist einfach viel komplexer.

Max Schrems, Datenschutzaktivist

Ein Facebook-Leben auf 1200 Seiten

Angefangen hatte alles 2011 mit einem Auskunftsanspruch, den Max Schrems gegenüber Facebook geltend machen wollte. Er erhielt eine PDF-Datei mit 1200 Seiten, auf denen das Unternehmen auch bereits gelöschte Daten Schrems auflistete. Der damalige Student verklagte Facebook, weil er seine Daten nicht ausreichend geschützt sah und sieht. Später gründete der gebürtige Salzburger den Verein "Europe-versus-Facebook" und fand schon bald zahlreiche Unterstützer. Doch auch wenn er mit seiner Klage Erfolg hatte, die EU möchte ab 2018 den Datenaustausch mit den USA wieder aufnehmen. Das geplante Abkommen, das sogenannte "Privacy Shield", sieht der Datenschutzaktivist Max Schrems kritisch.

Da sind einfach ein paar Blümchen drumherum gemalt worden und dann hieß es, das sei was ganz Neues.

Max Schrems

Für seinen Einsatz für "Transparenz, Datenschutz und Privatsphäre" wurde Schrems mit der Theodor-Heuss-Medaille geehrt. Aktuell sitzt der Jurist an seiner Doktorarbeit. Es geht um Datenschutz.

Was für ihn Privatsphäre im Netz bedeutet und warum Nutzer so wenig von Facebook verlangen können, erzählt Max Schrems im Interview mit mephisto 97.6-Redakteurin Birgit Raddatz:

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Im Gespräch mit mephisto 97.6-Redakteurin Birgit Raddatz hat Max Schrems verraten, was er von Datenabkommen hält.
mephisto 97.6-Redakteurin Birgit Raddatz im Gespräch mit Max Schrems.
 

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Birgit Raddatz
31.05.2016 - 17:58