Frisch Gepresst: The Weeknd

Das Weeknd-Paradox

Auf seinem neuen Album beweist The Weeknd, dass er zwar immer noch auf Vertrautes zurückgreift, aber trotzdem auch Neues zu bieten hat.
The Weeknd
The Weeknd

Abel Tesfaye, besser bekannt als The Weeknd, hat sich mit finsteren Texten einen Namen gemacht und mit RnB-Beats, die sowohl düster als auch unfassbar ansprechend sind. Diese Kombination beherrscht er aus dem Effeff, spätestens seine Kollaboration mit Daft Punk auf dem 2016er Album „Starboy“ hat das zu genüge bewiesen. Und auch auf seinem neusten Werk „After Hours“ stellt er seine sehr eigene Art des RnB zu Schau. Dabei schafft er es vor allem, musikalisch zu beeindrucken. Textlich allerdings lässt er einiges zu wünschen übrig.

Textlich Problematisch

Um es aus dem Weg zu räumen: The Weeknd hat schon immer kontroverse Texte verfasst. Da reihen sich Machismo, Misogynie, Sadismus, Aggression und Sex an einander und ergeben ein eher toxisches Gesamtbild. Das liegt wahrscheinlich vor allem daran, dass The Weeknd seine Texte häufig unter Einfluss diverser Drogen verfasst, deren Konsum er ebenfalls häufig thematisiert. Und auch auf diesem Album ist das nicht anders. Grund dafür: Er verarbeitet in dem Album seine turbulente Beziehung mit und Trennung von Bella Hadid, nicht umsonst gab der Rolling Stone dem Album den Untertitel „The Ballad of Bella Hadid“. Und so beschäftigen sich von den 14 Songs auf „After Hours“ zwölf mehr oder weniger mit dieser Trennung und den Gefühlen, die er deswegen durchlebt hat.

Diese Gefühle sind nicht immer positiv, was nach einer Trennung nur natürlich ist. Allerdings gibt es auf „After Hours“ sehr viele Momente, die so unverhohlen sexistisch sind, dass man beim Zuhören durchaus mal die Zähne zusammen beißen muss, um nicht völlig in Rage zu verfallen.

She a cold-hearted bitch with no shame
But her throat too fire

The Weeknd - Escape From L.A.

Auch seiner Eifersucht gibt The Weeknd Ausdruck, zum Beispiel im Song „Repeat After Me (Interlude)“:

You don't love him, you don't love him
You don't love him if you're thinking of me

The Weeknd - Repeat After Me (Interlude)

Im Endeffekt ist aber das vorherrschende Gefühl, dass das Album vermittelt, Einsamkeit. Egal, ob The Weeknd über Drogen, Sex, oder eben seine negativen Gefühle gegenüber seiner Ex singt. Am Ende wird sehr offensichtlich, dass er Angst vor dem Alleinsein hat und davor, dass mit diesem Gefühl alle anderen Dinge in seinem Leben ihre Bedeutung verlieren. Gleichzeitig drückt er auch seine Angst davor aus, dass sein Drogenkonsum ihm sein Leben kosten könnte. Tatsächlich endet der letzte Song des Albums in seinen letzten Zeilen mit einem sehr ausdrücklichen Statement:

I keep telling myself I don't need it
I keep telling myself I don't need it anymore
I keep telling myself I don't need it anymore
Need it anymore

The Weeknd - Until I Bleed Out

Musikalisch Gelungen

Wo The Weeknd wirklich besticht, ist in der Musik an sich. „After Hours“ ist eine musikalische Ode an den Synthesizer in seinen verschiedensten Formen. Die ersten beiden Songs des Albums sind klar beeinflusst vom Synthwave-Genre, dann folgt ein Song der stark an Drum'n'Bass erinnert, aber auch starke 90er-Vibes ausstrahlt. Und natürlich finden sich auch mehrere Tracks, die die 80er beschwören. Das tun sie entweder, indem sie so klingen als wären sie tatsächlich in dieser Dekade entstanden, oder indem sie den Retro-Sound erzeugen, der in den letzten Jahren immer populärer geworden ist. Dabei schreckt The Weeknd aber auch nicht vor Kitsch zurück. So finden sich auf „After Hours“ zwei Songs, die wie große Liebesballaden aus den 80ern klingen, in „In Your Eyes“ findet sich sogar ein Saxophon, das dieses Gefühl noch unterstreicht.

Die einzige musikalische Kollaboration des Albums ist der Song „Repeat After Me (Interlude)“, der in Zusammenarbeit mit Kevin Parker entstanden ist. Parker ist auch bekannt als das Hirn hinter dem psychedelischen Musik-Projekt Tame Impala und hat in den letzen Jahren zunehmend als Produzent mit musikalischen Größen wie Lady Gaga und Kanye West zusammengearbeitet. Auf „After Hours“ geht er aber fast schon unter, weil sich der Song nicht groß vom Rest des Albums unterscheidet. Das ist aber eher ein Kompliment für das Produzententeam, als eine Beleidigung für Parker. Denn musikalisch funktioniert „After Hours“ reibungslos und ergibt ein großes Ganzes.

Fazit

„After Hours“ ist in vielerlei Hinsicht ein klassisches The Weeknd Album. Textlich flüchtet er sich in die Themen, die er schon seit Jahren behandelt. Außerdem beweist er wieder sein Händchen für zeitgemäße und zugleich zeitlose Musik. Trotzdem ist die Platte für The Weeknd sehr speziell, denn sein Hang zu Kitsch findet mehr Raum als sonst und textlich zeigt er mehr Unsicherheiten und Ängste. 

 

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Charlotte Peters
24.03.2020 - 10:52
  Kultur

The Weeknd: After Hours

Tracklist:

1. Alone Again

2. Too Late

3. Hardest To Love

4. Scared To Live

5. Snowchild

6. Escape From L.A.

7. Heartless

8. Faith

9. Blinding Lights

10. In Your Eyes

11. Save Your Tears

12. Repeat After Me (Interlude)

13. After Hours

14. Until I Bleed Out

Erscheinungsdatum: 20.03.2020
XO Records/Republic Records