Geschichte

Das Völkerschlachtdenkmal-Kann das weg?

Das Völkerschlachtdenkmal: Wahrzeichen Leipzigs und Tourismusmagnet – aber auch ein Ort mit problematischer Vergangenheit. Eine kurze Diskussion.
Bild des Völkerschlachtdenkmals
Das Völkerschlachtdenkmal

Zwischen dem 16. und 19.10.1813 tobte die Völkerschlacht um Leipzig; es war die zu diesem Zeitpunkt größte Schlacht der Weltgeschichte und das Anfang vom Ende der napoleonischen Besatzung im heutigen Deutschland. Ein wichtiges Ereignis der deutschen Geschichte. Aus diesem Grund ist das größte Denkmal Europas auch im Leipziger Osten gebaut worden und hat sich seitdem zu einem der Tourismusmagneten der Stadt Leipzig entwickelt, allerdings auch nicht ohne Diskussionen. 

Disskusion um das Völkerschlachtdenkmal

Das Völkerschlachtdenkmal ist nämlich erst 100 Jahre später im Jahr 1913 eingeweiht worden. Zu dieser Zeit hat der Nationalismus im damaligen deutschen Kaiserreich seinen Höhepunkt erreicht, also eine Weltsicht, in der die eigene Nation glorfiziert und andere Nationen herabgesetzt werden. Kritiker:innen, wie etwa Juliane Nagel von DIE LINKE, sehen in diesem Denkmal deshalb weniger einen Erinnerungsort, sondern gerade ein Symbol für diese deutschen Allmachtsgedanken. Andere Kritiker:innen gehen deswegen auch schon so weit und werfen die Frage in den Raum, ob das Denkmal aufgrund dieses Hintergrunds nicht einfach weg könne

Der Förderverein des Denkmals sieht diesen Vorwurf dagegen als unbegründet an.

Es drückt natürlich die sogenannten deutschen Tugenden der damaligen Zeit aus, aber ich seh an dem Denkmal nichts Nationalistisches. Vor allen Dingen nichts, was darauf hindeutet, dass es erbaut worden ist, um kriegerisches Gedankengut oder nationalistisches Gedankengut nach Außen zu tragen. Das ist es mit Garantiertheit nicht.

Michael Rohrwacher, Förderverein-Völkerschlachtdenkmal

Gleichwohl räumt er aber auch ein, dass das Denkmal natürlich an eine schlimme Zeit erinnere, wie etwa die Völkerschlacht in Leipzig. Genau deshalb sei es aber auch wichtig, das Denkmal zu erhalten, da man sich so an diese Zeiten erinnern und von ihnen lernen könne. Der Förderverein sieht den Wert des Denkmals dementsprechend auch als Mahnmal für Frieden.

Für Juliane Nagel geht diese Interpretation zu einfach. Sie ist der Meinung, dass das Denkmal nicht einfach umgedeutet werden könne, da es nun mal nicht für den Frieden stehe. Viel mehr erinnere es an eine Zeit nach der deutschen Reichsgründung, in der nationalistisches Gedankengut tief in den Köpfen vieler deutscher Bürger:innen verankert war. 

Erwähnenswert in diesem Kontext ist, dass die Auffassung als Friedensdenkmal nicht die einzige und erste Interpretation des Denkmals ist. Das Völkerschlachtdenkmal ist in seiner Geschichte bereits mit unterschiedlichsten Bedeutungen aufgeladen worden: so war es für die Nazis ein Symbol für deutsche Stärke und in der DDR ein Denkmal für die deutsch-russische Freundschaft. Auch heute gibt es unterschiedliche Deutungsansätze. Während es die einen als Friedensdenkmal sehen, nutzen es andere für fragwürdige Veranstaltungen aus. Vor dem Völkerschlachtdenkmal fanden beispielsweise schon Kundgebungen der NPD, sowie Querdenker Demos statt.

Wissenschaft

Die Geschichtswissenschaft betrachtet die Diskussion rund um das Völkerschlachtdenkmal differenziert. So wird der Vorwurf, das Denkmal habe einen nationalistischen Hintergrund, einerseits durchaus bestätigt. Der frühere Historiker Thomas Nipperdey hat beispielsweise geschrieben: 

Die Größe und Gewalt der Nation soll in der Bauform anschaulich werden. Damit bleibt das Denkmal architektonisch dem Willhelminismus, dem Gestus des Imponierenwollens verhaftet; das Denkmal der deutschen Erhebung ist eben auch ein Denkmal der deutschen Macht.

Thomas Nipperdey, früherer Historiker

Andererseits bezweifelt der Historiker Dr. Andreas Hübner von der Uni Leipzig, ob man deshalb das Denkmal stürzen solle, wie es manche diskutieren. Ein Abreißen des Denkmals birgt nämlich seiner meiner Meinung nach auch die Gefahr, die Vergangenheit zu beschweigen und das wäre insbesondere beim Völkerschlachtdenkmal nicht ganz unproblematisch: 

Weil ja gerade am Völkerschlachtdenkmal eben auch diese Geschichte als Erinnerungsort spannend ist;  wie wurde das Völkerschlachtdenkmal zu verschiedenen Zeiten gelesen und eben auch mit Deutung beschrieben.

Dr. Andreas Hübner, Historiker der Uni Leipzig

Richtiger Umgang

Das Völkerschlachtdenkmal ist also ein durchaus fragwürdiges Werk. Über den geschichtlichen Hintergrund sollte deshalb mehr gesprochen werden. Deshalb sei es nach Hübner auch wichtig das Bauwerk für die Besucher:innen "durchsichtig" zu machen, sodass gewisse geschichtliche Abschnitte des Denkmals nicht in Vergessenheit geraten. Wie genau man diese Aufklärung diesbezüglich umsetzen kann, ist nicht so leicht zu beantworten, Hübner zeigt sich dahingehend aber auch optimistisch und meint, dafür gebe es viele Wege. Informationsverbeitung über das Bauwerk ist der Schlüssel zum Erfolg, denn so kann der geschichtiliche Hintergrund für alle verdeutlicht werden.

Audiodatei mit Carlotta Sohns

Mitschreiber: Tizian Glaser

 

Das Völkerschlachtdenkmal-Kann das weg?

 

 

Kommentieren