Schachzentrum im Clara-Zetkin-Park

Das Spiel der Könige

Schach gehört zu den ältesten Spielen der Welt. Entstanden ist es wahrscheinlich im 3. Jahrhundert nach Christus. Im Mittelalter gehörte es zu den Tugenden eines Ritters das Schachspiel zu beherrschen. Auch heute ist es noch populär.
Schachzentrum im Clara-Zetkin-Park
Das Schachzentrum im Clara-Zetkin-Park

Von innen hat das Haus des Schachzentrums etwas von einer Gartenlaube. Überall stehen Tische und Stühle, die später nach draußen gestellt werden können. Ein paar dieser Tische stehen schon draußen - da wird schon die eine oder andere Partie ausgetragen. Das Zentrum liegt ein klein wenig abseits der Anton-Bruckner-Allee, direkt an einer großen Wiese. So ein bisschen ab vom Schuss herrscht auch eine eher ruhige Atmosphäre: Ideale Bedingungen für das Spiel der Könige.

Ruhige Umgebung

Auch ich nehme jetzt an einem der Tische Platz und baue meine Figuren auf. Mir gegenüber sitzen Wolfgang Franke und Bert Riedel. Ich bin allerdings nicht so vermessen, es mit zwei Gegnern gleichzeitig aufzunehmen; ich werde nur gegen Bert Riedel spielen. Und das allein ist, wie ich später feststellen werde, Herausforderung genug. Während mein Gegner und ich unsere ersten Züge machen und sich die Situation auf dem Schachbrett langsam entwickelt, erzählt mir Wolfgang Franke Näheres zum Schachzentrum.

Das Schachzentrum - damals und heute

Entstanden ist es 1956 und diente als Zentrum des Schachsports in Leipzig. Zur Schacholympiade 1960 wurden auf dem Vorplatz mehr als 60 Tische aufgebaut, an denen einige damalige Schachgroßmeister simultan gegen mehrere Gegner gleichzeitig antraten. Einige der älteren Herren, die heute noch im Schachzentrum spielen, erzählen aus dieser Zeit mit einem begeisterten Glanz in den Augen.

Da waren solche guten Leute wie Pietsch und der Dresdner Uhlman. Da hats Simultanspiele gegeben gegen 60 Spieler. Schachspieler am Schachzentrum

Nach dem Fall der Mauer fiel jedoch die finanzielle Unterstützung der Stadt weg und das Zentrum geriet in finanzielle Schieflage. Deswegen nahm sich der Musikverein des Schachzentrums an und sicherte damit den finanziellen Fortbestand. 2010 übernahmen dann Wolfgang Franke und Bert Riedel, beide Mitglieder des Musikvereins, die Organisation des Schachzentrums. Für die beiden ist es wichtig, allen Schachbegeisterten einen Ort zu geben, an dem sie spielen können. Dabei ist das keine elitäre Gruppe: Jeder ist hier willkommen. Und genau diese Mischung ist auch vorhanden - denn hier sind nicht nur Rentner oder ältere Menschen, sondern auch immer mehr Schüler und Studenten entdecken das Angebot des Schachzentrums. Für Wolfgang Franke ist Schach mehr als ein Spiel.

Als erstes ist es ein Ausgleichssport für manchen alltäglichen Stress. Zweitens schult es das Strategieverständnis. Und drittens ist es eine angenehmen Freizeitunterhaltung.
Wolfgang Franke

Spielen in herzlicher Atmosphäre

Während der Spiele herrscht hier höchste Konzentration - ansonsten gehen die Spieler sehr herzlich miteinander um. Aber nach dem Spiel wird die Partie oft noch einmal analysiert und man hilft sich gegenseitig das eigene Spiel zu verbessern. Auf die richtige Etikette wird aber trotzdem wert gelegt: Vor dem Spiel geben sich die Kontrahenten die Hand, genauso wie danach. Beschimpfen und lautes Diskutieren wird nicht geduldet und sofort unterbunden.

Und ich? - Schachmatt

Mein Spiel gegen Bert Riedel war eher ein Desaster. Auch wenn er mir während des Spiels mehrfach erlaubte, meine Züge nocheinmal zurückzunehmen - meine Chancen waren eher gering. Auch das zweite Spiel ist nicht besser. Aber Bert Riedel vertröstet mich und verspricht, sich bei meinem nächsten Besuch Zeit zu nehmen und mir ein paar Taktiken beizubringen.

mephisto 97.6 - Reporter Michael Buchweitz war im Clara-Zetkin-Park zum Schachspielen.
Schachzentrum
 

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Michael Buchweitz
07.08.2014 - 12:20
  Kultur