CD der Woche

Das schöne Musikerleben

Acht Jahre haben The Last Shadow Puppest mit dem zweiten Album auf sich warten lassen. Jetzt sind Alex Turner und Miles Kane mit "Everything You've Come To Expect" zurück. Ob sich das Warten gelohnt hat?
Miles Kane und Alex Turner
Sehen inzwischen zwar anders aus, machen aber immer noch gute Musik: The Last Shadow Puppets

Ach, wie schön es doch ist, ein erfolgreicher Musiker zu sein. Zugegeben: nicht viele Menschen kommen in den Genuss eines solch schönen Lebens. Und natürlich gehört zur Musik auch extrem viel harte und unangenehme Arbeit. Wenn man aber wieder so Dinge wie die Entstehungsgeschichte zum Album „Everything You’ve Come To Expect“ der Last Shadow Puppets liest, dann wird man schon ein bisschen neidisch.

Aber erst einmal ganz von vorn: Wir schreiben das Jahr 2008. Der gerade erst erwachsene Alex Turner mit der Ober-Pilzkopf-Frisur hat als Sänger der Arctic Monkeys gerade erst zwei hochgelobte, rotzfreche Indie-Rock-Alben veröffentlicht. Das scheint dem jungen Engländer nicht genug zu sein. Deswegen nimmt er seinen alten Freund Miles Kane – zu der Zeit Frontsänger der etwas weniger bekannten The Rascals – und gründet eine andere Band: The Last Shadow Puppets. Mit dem Arctic Monkeys Produzenten James Ford nehmen sie „The Age Of The Understatement“ auf. Das Debütalbum wird von der Presse für seinen lässigen 60s-Touch und die cineastischen Streicher-Arrangements von Lieblings-Indie-Geiger Owen Pallett gefeiert. Das ist nun schon fast ein ganzes Jahrzehnt her.

Tapetenwechsel

Lange war es still geworden um The Last Shadow Puppets. Alex Turner wurde mit den Arctic Monkeys in den USA bekannt, Miles Kane probierte sich nach dem Aus von The Rascals auf Solopfaden und Owen Pallett schrieb Streicher-Arrangements für Beirut, Arcade Fire und zahlreiche Soundtracks. Den Pilzköpfen von Turner und Kane sind Kurzhaar-Frisuren gewichen und die beiden Engländer sind nach Kalifornien gezogen. Und genau dieser Ort ist nun der Schauplatz für den Nachfolger zu „The Age Of The Understatement“. In einem Haus am Strand von Malibu wurde „Everything You’ve Come To Expect“ produziert. Ein lustiger Titel, denn eigentlich hätte kaum jemand mit einem zweiten Album gerechnet. Noch erstaunlicher ist, dass trotz all der Veränderungen im Leben von Turner und Kane „Everything You’ve Come To Expect“ ähnlich klingt wie das Debütalbum – und trotzdem das entspannte Musikerleben in Kalifornien verkörpert.

Verzaubert

Das Album strahlt von Anfang bis Ende Sonne und ein schönes gelbliches Licht, wie es auf dem Cover zu sehen ist, aus. Dabei sind längst nicht alle Songs Gute-Laune Hymnen. „Bad Habits“, erstes Lebenszeichnen seit fast acht Jahren und erste Singleauskopplung, ist zum Beispiel ein durchaus aufgeregter Song. Sperrig, fahrig und trotzdem harmonisch. Die Stimmen von Kane und Turner rasen über Gitarren und Streicher und singen über Liebe, Rock’n’Roll und Sex. Immer wieder Sex. So oft über dieses Thema gesungen wird, so lasziv singen und klingen The Last Shadow Puppets auch. Songs wie „Miracle Aligner“ und „Dragula Teeth“ sind lässig und laden zum die-Hüfte-schwingen ein. Der Titeltrack ist absurd stoisch und in einem langsamen Tempo gehalten. Dadurch kommt eine mysteriöse Stimmung auf, die so in keinem anderen Song auftaucht und trotzdem zu der verzauberten Strandatmosphäre passt.

Die großen Momente von „Everything You’ve Come To Expect“ bleiben trotzdem jene, an denen Owen Palletts Streicher-Arrangements in den Vordergrund treten. So begleitet das übrigens auch von Pallett für dieses Album dirigierte Orchester zwar alle Songs, verleihen aber vor allem Songs wie „The Dream Synopsis“ eine besondere Stimmung. Der Closer ist ruhig gehalten und kommt von Beginn weg vor allem mit einer Klavierbegleitung aus. Die Streicher sorgen fast schon in James-Bond-Manier für einen harmonischen Abschluss. Ebenso ein Highlight ist der erste Track „Aviation“, der wahrscheinlich am ehesten auch auf dem Debütalbum hätte erscheinen können. Mit verspielten Gitarren und schönen Melodien gelingt Turner und Kane ein sehr guter Start, der die Grundstimmung des Albums gut widergibt. Auch hier würde ohne die Streicher etwas fehlen. Sie wirken wie sanfte Sonnenstrahlen, die den Musikern am Strand ins Gesicht fallen. Definitiv eine Metapher, die man über das ganze Album hinweg spannen kann.

Fazit

„Everything You’ve Come To Expect“ ist ein aufregend unaufgeregtes Album. So hat sich für die beiden Engländer Alex Turner und Miles Kane seit ihrem Debüt sehr viel verändert. Trotzdem knüpft „Everything You’ve Come To Expect“ direkt da an, wo „The Age Of Understatement“ vor fast einem Jahrzehnt aufgehört hat. Der Albumtitel ist in dem Sinne Programm. Dieses Album hätte alles sein können und die Erwartungen von Fans und Kritikern waren sicher vielseitig. Letztendlich ist es aber einfach nur ein Stück guter Musik von Menschen, denen das Musikleben gut zugespielt hat. The Last Shadow Puppets können am Strand einfach nach all den Jahren ein homogenes und trotzdem interessantes zweites Album einspielen, wie als wäre (fast) nichts passiert. Das hatten wahrscheinlich zwar nur die wenigsten erwartet, ist aber bei der Fülle an guten Songwritern (Alex Turner und Miles Kane) und den unfehlbaren Streicher-Arrangements von Owen Pallett auch keine große Überraschung.

 

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The Last Shadow Puppets: Everything You've Come To Expect

Tracklist:

1. Aviation*
2. Miracle Aligner*
3. Dracula Teeth
4. Everything You've Come To Expect
5. The Element Of Surprise
6. Bad Habits*
7. Sweet Dreams, TN
8. Used To Be My Girl
9. She Does The Woods
10. Pattern
11. The Dream Synopsis*

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 01.04.2016
Domino Records