Frisch Gepresst: Rico Nasty

Das Nasty Album

Rico Nasty präsentiert mit ihrem Debüt-Album so etwas Ähnliches wie Hyper-Punk-Trap. Dabei zeigt sie viel Selbstbewusstsein - und ihren absolut eigenen Sound.
Rico Nasty
Rico Nasty

Sie ist laut, sie ist auf-die-Fresse und sie ist von sich überzeugt – aber vor allem ist sie Rico Nasty. Am vergangenen Freitag erschien das lang erwartete erste Album der US-amerikanischen Rapperin. „Nightmare Vacation“ heißt es und führt uns durch die zahlreichen Facetten ihrer Musik. Mit ihrem Debüt hat sich die 23-jährige ordentlich Zeit gelassen. Sie hat bereits sieben Mixtapes rausgebracht, das erste davon noch in der Highschool. Einige Tapes releaste sie als ihre Aliasse Tacobella und Traplavine. Besonders letztere deutet den musikalischen Mix an, den sie mit ihrer Musik anbietet. Frühe Einflüsse ihrer Musik gehen von Avril Lavigne über Nirvana zu Paramore und wiederum von Yung Lean bis Wiz Khalifa. Eine hebt sie immer wieder als großen persönlichen Einfluss heraus: Joan Jett. Dass Rico lange dachte, Joan sei wegen ihrer rauen Stimme ein Mann, brachte sie später dazu selbst mit ihrer Stimme zu experimentieren. Heute findet sie großen Gefallen daran, mit Genderstereotypen zu brechen. 

Selfmade Reich und lässige Features  

Aber was bringt sie uns mit diesem Album? Die Antwort muss wohl lauten: die komplette Palette Rico Nasty. Sie nimmt uns mit auf eine Reise durch die emotionalen Stadien, die ihre Musik widerspiegelt. Der erste Track „Candy“ leitet in die Attitüde des Albums ein. Ein dröhnender trappiger Beat und eine selbstbewusste Haltung, mit Aussagen, die wissen lassen, dass sie erfolgreich ist. So sehr, dass jetzt alle ein bisschen von ihr abhaben möchten – oder Rico nachahmen.  

They treat my style like a family-size meal,
they just sit around and bite I used to live with the roaches,
now my neighbors either dumb rich or damn white

Rico Nasty - "Candy" 

Nightmare Vacation enthält auch einige Features, sowie einen Remix von „Smack a Bitch” mit ppcocaine, Rubi Rose und Sukihana bereit. Auf dem als Single veröffentlichten Track „Don't like me“ mit Don Oliver und Gucci Mane kommt ihre Tacobella-Seite zum Vorschein. Die Stimmung ist lässig, ohne dabei eine zu euphorisch zu werden und gespickt mit humorvollen Lines.

Let's go, I got bitches on me like Petco
[. . .]
I be pullin' strings, they Geppetto

Rico Nasty - Don't like me
 

Aminé ist für ein weiteres Feature dabei. „Back & Forth“ klingt nicht wie ein klassischer Rico Nasty Song, aber genau das zu bewirken, sei eine große Stärke von Aminé.  

It’s different because I feel like Aminé always makes the artists that he gets on a song with get out of the box a little bit.

Rico Nasty in XXL

 

100% Nasty Sound

Das was nicht „klassisch Rico Nasty“ ist, bringt uns zu den Tracks, die genau das sind. Laut, in-die-Fresse und definitiv Moshpit-tauglich. Wenn man „STFU“ und „Let it out“ hört, kann man – so unwirklich wie es momentan erscheinen mag – den Moshpitstrudel vor sich erahnen. Man sieht vor dem inneren Auge die Halle voller Menschen die mit Rico im Chor „SHUT THE FUCK UP“ und „LET IT OUT“ schreien. Die beiden Tracks triefen vor Selbstbewusstsein, das die Hörenden tanken können.

Weitere Songs auf dem Album, die so nur Rico Nasty bringen kann sind „OHFR?“,„Own it“ und „IPHONE“. „OHFR?“ lässt die Hörenden durch seinen aggressiven Sound einfach ausrasten. “Own it” verbindet einen lässigen Flow mit einem wummernden, experimentellen Beat. „IPHONE“ dagegen bringt einen anderen Vibe. Mit einem verspielten und gleichwohl düsteren Sound hält der Track in der Hand von Producer Dylan Brady die Balance zwischen Rap und Hyperpop. Der Song zeigt uns die gestörte Beziehung, die wir mit unseren Handys führen. In diesem Track schafft Rico Nasty es, die Toxizität dieses Miteinanders zu zeigen, indem sie das Handy im Text wie einen einnehmenden Partner wirken lässt.  

But I love it when you hold me
Love me like I was your only, only
I think I need my space

Rico Nasty - IPHONE

Dieses Album gibt Kraft und Selbstvertrauen und ist deshalb genau das was wir in diesem Jahr noch gebraucht haben. Es war angekündigt als Ricos persönlichstes Projekt bisher. Wenn man sich die Texte ansieht, möchte man sich vielleicht fragen, inwiefern das der Fall ist. Sie gibt nur wenige Informationen über sich Preis, außer dass sie jetzt reich ist und sich kaufen kann was sie möchte. Doch das Gesamtbild, dass das Album in seiner Stimmung transportiert, gibt uns einen Einblick in alle Facetten Rico Nastys Gefühlslage – von „I'm awesome“, über „I'm horny“ bis „I'm angry“ und alles was dazwischen liegt.

 

 

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Rico Nasty: Nightmare Vacation

Tracklist:

01. Candy
02. Don´t Like Me (feat. Gucci Mane & Don Toliver)
03. Check Me Out
04. IPHONE
05. STFU
06. Back & Forth (feat. Aminé)
07. Girl Scouts
08. Let It Out
09. Loser (feat. Trippie Redd)
10. No Debate
11. Pussy Poppin
12. OHFR?
13. Ten Four
14. Own It
15. Smack A Bitch Remix (feat. ppcocaine, Sukihana & Rubi Rose)

Erscheinungsdatum: 04.12.2020
Sugar Trap / Atlantic Records / Warner Media Germany