Heidelberger Druckmaschinen AG

"Das Land soll uns unterstützen"

Die Heidelberger Druckmaschinen AG plant die Schließung des Standorts Leipzig – 200 Mitarbeiter sollen entlassen werden. Die IG Metall will rechtliche Wege gehen, um diese Schließung zu verhindern und untersucht alternative Konzepte zur Erhaltung.
Der DGB arbeitet an einem Alternativkonzept für die Heidelberger Druckmaschinen AG.

Das Leipziger Werk "Heidelberger Druck" soll geschlossen werden. Das ist seit ein paar Wochen bekannt. Die Angestellten des Werks wollen das aber nicht einfach so hinnehmen und Unterstützung bekommen sie dabei von der IG Metall. Der aktuelle Plan, um sich gegen die Schließung zu wehren, lautet Klagen – und zwar gegen die Betriebsleitung. So soll die geplante Schließung doch noch verhindert werden. mephisto 97.6-Moderatorin Lily Meyer hat vor der Sendung mit Hein Volkmer von der IG Metall gesprochen. 

mephisto 97.6: Welche Voraussetzungen sind bisher erfüllt?

Hein Volkmer: Der Betriebsrat muss von Anfang an einbezogen werden. So steht es im Gesetz: Schon wenn die Unternehmensleitung eine Betriebsänderung plant, ob das nun Teilentlassungen sind, Teil- oder Gesamtschließungen – der Betriebsrat muss in diese ganze Planung einbezogen werden. Und das ist zum Beispiel in keiner Weise passiert. Der Betriebsrat ist bis jetzt nur über die Medien informiert worden. Im Laufe des Jahres wurde beim Wirtschaftsausschuss immer so lapidar gesagt: Nagut, es gibt eine Veränderung – eine Umstrukturierung. Aber der Betriebsrat hier in Leipzig wurde eigentlich am 6. August darüber informiert und das auch in Form einer Betriebsversammlung. Und das entspricht nicht den gesetzlichen Regularien.

mephisto 97.6: Wie groß, denken Sie, ist denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Betrieb deshalb nicht geschlossen wird?

Hein Volkmer: Wir werden auf alle Fälle den Prozess jetzt erstmal stoppen und dann gilt es, die ganzen Dinge zu erfüllen: die Informationspflicht, die das Unternehmen hat; die zeitliche Planung, wie sich das Unternehmen die Abwicklung vorstellt. Und dann muss man sicherlich sehen. Parallel dazu haben wir ja noch eine Unternehmensberatung, die ein Konzept erarbeitet, wo es ganz konkret um eine alternative Fortführung des Standortes geht - das muss ja nicht nur die Heidelberg Druckmaschinen AG machen. Aber wir wollen schlicht und einfach Zeit gewinnen, dass wir mit diesem Konzept dann auch ganz explizit an Kunden oder Interessenten herantreten können. Und dieses Signal erwarten wir einfach auch vom Konzern: dass wir diese Zeit bekommen, unser Konzept dann auch entsprechend zu verwirklichen.

mephisto 97.6: Wie sieht denn das alternative Konzept aus?

Hein Volkmer: Das alternative Konzept sieht so aus, das haben wir mit der Belegschaft auch so kommuniziert, dass sicherlich auch ein Teil der Belegschaft unter diesem Konzept keine Arbeit mehr haben wird. Aber wir gehen von einer guten Hälfte aus, die bleiben kann. Bei einer Umsatzerwartung von 25 Millionen und mit dem Maschinen-Portfolio, was bisher produziert wurde, ist das so durchgerechnet, dass, trotz der schlechten Marktsituation hier am Standort kostendeckend produziert werden kann.

mephisto 97.6: Haben Sie denn schon eine Reaktion vom Heidelberger Druck auf das Vorhaben bekommen?

Hein Volkmer: Nein, die Klage ist ja noch nicht offiziell anhängig. Die wird heute eingereicht und dann gehe ich mal davon aus, dass sich die Heidelberger Druckmaschinen AG Anfang nächster Woche damit befassen.

mephisto 97.6: Heute ist ja Ministerpräsident Tillich zu Gast in Leipzig. Welche Forderungen haben Sie denn an ihn?

Hein Volkmer: Die Forderungen an Herrn Tillich sind die, dass alle Möglichkeiten, die das Land hat, wenn es zu einer Investorenlösung kommt, dass alle möglichen Förderinstrumentarien ausgeschöpft werden, sprich, dass der Freistaat uns auch unterstützt bei der Investorensuche.

Sobald die Klage beim Arbeitsgericht Leipzig eingereicht ist, soll es auch die nächsten Gespräche zwischen dem Werk und dem Arbeitgeber geben. Mehr als 200 Mitarbeiter wären von der Schließung des Heidelberger Druckwerks betroffen.

mephisto 97.6 - Moderatorin Lily Meyer im Gespräch mit Hein Volkmer vom DGB.
DGB TI
 

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Maximilian Rose
29.08.2014 - 16:57