Gespräche auf dem Roten Sofa

Das ist der Tnaller

Mein Haus, mein Auto, mein Bausparvertrag – typische Themen bei Klassentreffen. Doch André Herrmann hat darauf gar keine Lust. In seinem Roman „Klassenkampf“ schildert er das jährliche Spektakel und stellt fest, dass nicht alles Gold ist, was glänzt.
André Herrmann
André Herrmann zu Gast auf dem Roten Sofa

Und was machst du jetzt so? – Der Klassiker beim Klassentreffen. Doch dabei geht es den ehemaligen Klassenkameraden nicht um simplen Smalltalk, sondern hier wird ein Kampf ausgetragen. Es ist ein einziges Kräftemessen: Wer verdient mehr Geld, hat den attraktivsten Partner und die schlausten Kinder. Doch nicht jeder erklimmt sofort die Karriereleiter, zeugt nebenbei noch den Nachwuchs und baut ein Reihenhaus. So mancher geht einen anderen Weg, hat andere Ziele und Vorstellungen vom Leben. Doch das ist schwer nachvollziehbar für die einstigen Schulkameraden. André Herrmann erzählt mit viel Wortwitz in seinem Debütroman „Klassenkampf“ wie es sich anfühlt, jedes Jahr zum Klassentreffen zu gehen ohne diverse Statussymbole vorzeigen zu können. Und dabei ins Grübeln zu kommen, ob der eigene Weg, der normalerweise mit voller Zufriedenheit gelebt wird, zu hinterfragen. Doch ist das Leben, was die anderen führen, denn wirklich so viel besser? 

The same procedure as every year

André fährt jedes Jahr zur Weihnachtszeit in seine Heimat Dessau, um die Familie zu besuchen. Zur selben Zeit finder auch das jährliche Jahrgangstreffen in seiner alten Schule statt – zu dem er sich geschworen hatte, niemals hinzugehen. Doch es kommt eh immer alles anders und dann ist da ja auch noch Maik. Maik sorgt dafür, dass André gegen seinen Willen trotzdem in der alten Turnhalle landet und ehemalige Klassenclowns, Streber und Banknachbarn trifft. 

So vergehen die Jahre, Melissa kann so ziemlich jedes Jahr ein neues Kind vorweisen, der Erfolg seiner Bundeswehrkarriere ist Jörn am steigenden Alkoholkonsum abzulesen und auch Maik, den André zwar kaum kennt, aber trotzdem einen seiner wenigen Schulfreunde nennt, verändert sich im Laufe der Zeit. 

Und was heißt das auf deutsch?

André Herrmann ist Poetry Slammer und trägt seine Texte normalerweise auf Bühnen vor. Sehr anschaulich erzählt er da, wie Maik und Co. in Sachsen-Anhalt ihren Dialekt pflegen. Auch im Roman spricht Maik jeden liebevoll mit „Aldr" an und erzählt von seinen „Tnallern". Leser, die André Herrmann nicht von seinen Liveauftritten kennen und vielleicht auch noch aus Baden-Württemberg oder dem Saarland kommen, brauchen wahrscheinlich sehr viel Vorstellungskraft, um den Humor zu verstehen und das Buch zu mögen. Doch auch für dieses Problem gibt es eine Lösung: Den Roman gibt es auch als Hörbuch, höchstpersönlich von André Herrmann eingesprochen und zur Buchmesse sogar als USB-Stick in Tnallerform.

Klassenkampf
 
André Herrmann auf dem Roten Sofa im Gespräch mit Moderatorin Constanze Müller.
 
 

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André Herrmann kommt aus Dessau in Sachsen-Anhalt und lebt seit 2007 in Leipzig. Dort hat er Politikwissenschaften an der Uni Leipzig studiert. Seit 2007 tritt er als Poetry Slammer auf und wurde 2011 sowie 2013 Sachsenmeister im Poetry Slam. André gewann zusammen mit Julius Fischer als Team Totale Zerstörung 2011 und 2012 die Deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam. Er ist Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz, der Berliner Lesebühne Fuchs & Söhne und Teil der Organisationsteams des monatlichen Poetry Slams in der Distillery. Laut Top-Blog-Ranking ist sein Blog eines der erfolgreichsten Personal- und Kultur-Blogs Leipzigs. Im April 2012 kreierte er den Begriff Hypezig. Einige seiner Texte wurden in diversen Anthologien oder Magazinen veröffentlicht. Außerdem schreibt André eine wöchentliche Kolumne für das Leipzig-Portal weltnest.de. Des Weiteren ist er Autor für die Sendung Comedy mit Karsten im MDR. Am 9. März 2015 erschien nun sein Debütroman „Klassenkampf".