Literatur

Das Internet hat abgeschrieben

In "Vier neue Nachrichten" denkt Joshua Cohen über das Internet nach und über seine eigene Arbeit als Autor - und irgendwie hängt das auch alles zusammen.
Ein Mädchen liest ein Buch
Joshua Cohen - Vier neue Nachrichten

Wenn man Joshua Cohen auf seine Figuren anspricht, fängt er an zu lachen, denn irgendwie sind sie ihm doch alle ähnlich - in den 20ern, weiß, aus New Jersey. Bei der Erzählung "Emission" bleibt er noch sehr im Hintergrund. Er sagt explizit, dass er nicht seine eigene Geschichte erzählen will, auch wenn deutlich wird, dass das tatsächlich Cohen selbst ist, der die Story eröffnet. Wie in allen Geschichten geht es hier um das Internet: sehr konservativ wird die Geschichte von Richard Monomian erzählt, dessen Leben mehr und mehr zusammenbricht, nachdem seine verwerflichen Taten im Netz veröffentlicht werden. Doch was hier schon deutlich wird, ist der grandiose Zugang zur Sprache, den Cohen besitzt. Nicht nur deswegen wird er auch gerne mit Thomas Pynchon verglichen. Doch für Cohen ist dieser Vergleich absurd. Wallace habe die 70er geprägt und er sei jetzt. Aber offensichtlich scheint auch ihn diese Frage zu interessieren, denn seine Antwort kommt klar und schnell. Es ist eine Analyse seiner Werke und der anderer, die ihn als Literaturkenner auszeichnet. Er hat sich über diesen Vergleich Gedanken gemacht: "Ich denke über viele Sachen nach". Jedoch nicht über seine Sprache erweckt seine Prosa beim Lesen den Anschein, als sei jedes Wort gut ausgesucht, so spontan wollen sie ihm gekommen sein. Er sucht nicht nach dem perfekten Wort, sondern schreibt, wie er die Situationen wahrnimmt, als ob er es einem sehr vertrauten Freund erzählen würde.

Viel mehr Gedanken macht sich der jüdische Autor über die Form. Deswegen hat er auch das Internet als sein Thema gewählt. Die Kritik an der einflussreichsten Technologie fällt vergleichsweise marginal aus. Viel wichtiger scheinen ihm die Stilmittel zu sein, wobei sich hier die Kritik des Internets unterschwelliger fortsetzt, denn die Vermischung von Realität und Fiktion wird deutlich. Da wird kopiert und die Wahrheit infrage gestellt. Die Wechsel von Orten werden schnell und unübersichtlich, was den Lesefluss behindern kann. Alles scheint durcheinandergewirbelt, aber genau das spiegelt unsere heutige Zeit wider.

Thilo Körting über den Band "Vier neue Nachrichten" von Joshua Cohen
Cohen Rezi
Thilo Körting im Gespräch mit Joshua Cohen.
Joshua Cohen - Vier neue Nachrichten
 

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Thilo Körting
01.10.2014 - 19:20
  Kultur