CD der Woche

Das Haus Am See

Schon seit Jahrhunderten ist das Meer eine Inspiration für Künstler gewesen. Vielleicht hat Mac DeMarco genau deswegen ein Haus am Wasser gekauft. Dort hat er nun sein Album "Another One" aufgenommen und gibt sich dabei wie immer bodenständig.
Bei Mac DeMarco ist alles beim Alten. Die Latzhose hat er auch für das neuen Album "Another One" nicht abgelget.

Ungekämmtes Haar, verwaschene Latzhose und glühende Zigarette. Seit seinem ersten Album „Rock and Roll Night Club“ aus dem Jahr 2012 hat sich bei Mac DeMarco äußerlich nur wenig verändert. Stattdessen tut der gerade mal 25-Jährige schon seit Jahren ausschließlich das, was ihm am liebsten gefällt: Abhängen, rauchen, Musik machen. Dabei bringt es DeMarco in gerade einmal fünf Jahren Solo-Karriere auf ganze elf Veröffentlichungen. Aus einem Szenetipp wurde in kürzester Zeit ein Künstler für die ganz großen Festivals auf der ganzen Welt. Das Erfolgsrezept bei DeMarcos Musik ist dabei ziemlich simpel. Einfache Melodien im Stile des 90er-Indiepops treffen auf 70er-Jahre Songwriting, in dem es gerne mal kitschig hergeht. Allerdings wirkt DeMarco zu keinem Zeitpunkt wie eine Ikone, die dieser Mischung gerecht werden könnte. Stattdessen gehört er zu der Sorte Musiker, bei der jede noch so junge Indieband denken möchte: „Das könnten wir sein.“

So Leicht Wie Möglich

DeMarco ist bodenständig. Das hört man dem neuen Album an. Zum Beispiel auf Songs wie „Just To Put Me Down“, der lediglich aus einer Akkordfolge und nur leicht variierenden Lyrics besteht. Überhaupt hat sich musikalisch kaum etwas verändert. Die Gitarrenriffs sind noch so plätschernd verzerrt, der Gesang noch so lässig und die Synthesizer noch immer so verdammt retro wie auf dem Vorgänger-Album „Salad Days“. Bloß, dass dieses Mal alles etwas leichter ist als vorher. „Another One“ soll nämlich so leicht sein wie es eben geht, damit so viele wie möglich etwas von diesem Album haben. Schließlich geht es auf allen acht Songs des Albums um ein Thema, das alle betrifft: Liebe. Insbesondere jener Liebe, die nie passiert.

In der Single „The Way You'd Love Her“ erzählt DeMarco davon, wie Liebe in Gedanken sein kann, auch wenn es im wahren Leben niemals soweit komm. Sei das nun, weil der oder die Angebetete nichts davon weiß oder wissen will. Am Ende zählt das Gefühl des Verliebtsein eben mehr als die Realität. Im Titeltrack des Albums ist es jedoch eben diese Vorstellungskraft, die die Liebe in Gefahr bringt.

Feelin' so confused
You dont know what to do
Afraid she might not love you anymore
And though she says she does and hasn't lost your trust
Who could there be knockin at her door
[…] Must be another one she loves

Mac DeMarco - Another One

Mehr Als Spielerei

„I've Been Waiting For Her“ erzählt in coolen Beachpop-Rhytmen vom ewigen Warten auf die Liebe, die alles verändert. Zweieinhalb Minuten später ist dann trotzdem alles beim Alten. Die Geschichten enden bei DeMarco bewusst offen. So bleibt Platz für jeden Hörer, die Songs selbst zu Ende zu erzählen. Was am Ende eines jeden Songs dennoch bleibt, ist ein merkwürdig befriedigender Schmerz. So zeigt Mac DeMarco auf eigentümlich ironische Weise, dass er trotz internationalem Erfolg noch immer genau zu wissen scheint, wie es seinen Hörern gerade geht. Wenn „Another One“ dann nach knapp 24 Minuten vorbei ist und seine volle Wirkung entfaltet hat, bleibt nur noch ein Song, der eigentlich keiner ist. „My House By The Water“ ist der Höhepunkt der DeMarco'schen Bodenständigkeit. Eine einfache Synthesizermelodie erklingt zusammen mit leichtem Plätschern und entfernten Flugzeuggeräuschen. Die hat DeMarco direkt vor seinem Haus am See in der Nähe das JFK-Flughafen aufgenommen. Nach der zweiminütigen Klangcollage und einer kurzen Stille spricht ein hörbar entspannter Mac DeMarco seine Adresse ins Mikrophon und lädt alle Hörer zu sich auf einen Kaffe ein. In einer Zeit, in der viele vor digitaler Ausspähung warnen und jegliches Privatleben zur Floskel verkommen zu scheint, ist „My House By The Water“ mehr als nur Spielerei. Es ist eine Geste des blinden Vertrauens an die eigenen Fans.

„Stop on by, I'll make you a cup of coffee. See ya later“

Mac DeMarco - My House By The Water

Fazit

Auf „Another One“ macht Mac DeMarco alles richtig, in dem er es genau so macht wie bisher. Während andere Künstler zu diesem Zeitpunkt die erste große Neuerfindung herbeibeschwören möchten, beruft er sich auf seine Stärken. Mit ihnen trifft er auf knapp 24 Minuten immer das Ziel. Dass das Album nicht länger ist, ist dennoch leicht zu verzeihen. Schließlich könnte so viel Leichtigkeit schnell langweilig werden. Die Langeweile umschifft DeMarco selbstbewusst und bodenständig. Stattdessen ist „Another One“ genau richtig für einsame Sommermomente, eine Packung Kippen und all jene, die am liebsten von der Liebe träumen.

 

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Lars-Hendrik Setz
09.08.2015 - 17:36
  Kultur

Mac DeMarco: Another One

Tracklist:
  1. The way you'd love her*

  2. Another one*
  3. No other heart
  4. Just to put me down*
  5. A heart like hers
  6. I've been waiting for her*
  7. Without me
  8. My house by the water

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 07.08.2015
Captured Tracks / Cargo

Mac DeMarco im Web 2.0

Während einer Asientour wurde Mac DeMarco und seine Band von einem Kamera-Team begleitet. Das Ergebniss ist eine 30-minütige Dokumentation über die Tour und die Entstehung des Albums "Salad Days". Den Film Mac DeMarco - Pepperoni Playboy gibt es hier.

 

Das Musikmagazin Pitchfork hat Mac DeMarco zu aktuellen Lifestyletrends und immer heißen Themen befragt. Was Mac DeMarco von schwarzem Lippenstift, der App yelp! und Wasabi hält, erzählt er im Video.

 

In einem Interview mit NPR Music erklärt Mac DeMarco sein neues Album "Another One". Und das Song für Song. was hinter der neuen Platte steckt lässt sich hier nachlesen.

 

Mac DeMarco spielt auf dem diesjährigen Reeperbahn Festival vom 23. bis zum 26. September.