Moscheebau in Gohlis

"Das gibt einem zu denken"

In der vergangenen Woche haben Unbekannte fünf Schweineköpfe auf dem Gelände der geplanten Moschee in Gohlis aufgespießt. Nun hat sich auch die betroffene Ahmadiyya-Gemeinde Deutschland dazu geäußert.
Auf diesem Gelände soll die neue Moschee entstehen.

"Das ist teilweise schockierend, aber teilweise auch vorauszusehen", sagt Mohammad Dawood Majoka, Pressesprecher der Ahmadiyya-Gemeinde Deutschland. Die aufgespießten Schweineköpfe auf dem Leipziger Moscheegelände seien nicht die erste Anfeindung gewesen. Deutschlandweit habe die Gemeinde etwa 40 Moscheen errichtet – dabei habe es auch in Städten wie zum Beispiel Berlin Proteste gegeben. Die Probleme hätten sich aber überall weitestgehend geklärt. Deshalb habe die Gemeinde nicht vor, die neue Moschee in einem anderen Stadtteil oder gar in einer anderen Stadt zu bauen.

Anteilnahme und Mitgefühl

Majoka vermutet, dass es sich auch in Leipzig nur um eine Randgruppe handelt, die "zivilrechtliche Verhaltensnormen überschreitet". Viele Menschen hätten anteilnehmende Nachrichten an die Gemeinde geschrieben. Auch die Politik habe sich klar gegen die aufgespießten Schweineköpfe positioniert. Oberbürgermeister Burkhard Jung hatte vergangene Woche von einer feigen Tat gesprochen. Majoka hält Leipzig auch weiterhin für eine faire Stadt, in der ehrlich interessierte Menschen miteinander diskutieren und auch berechtigte kritische Nachfragen stellen.

Zwei mögliche Hintergründe

Warum kam es trotzdem zu der Tat? Mohammad Dawood Majoka sieht zwei mögliche Gründe. Zum einen gebe es eine gewisse Fremdenfeindlichkeit in den Köpfen einiger Menschen, weil sie nie etwas mit anderen Kulturen, Religionen und anders denkenden Menschen zu tun gehabt hätten. Auf der anderen Seite sei es generell so, dass viele Menschen die Ahmadiyya-Gemeinde nicht kennen würden – und bei Menschen, die man nicht kenne, sei man ja grundsätzlich vorsichtig. "Insbesondere wenn man in den Medien immer wieder hört, dass Muslime dieses und jenes Schlechte getan haben, hat man auch eine latente Angst. Das muss man auch akzeptieren, weil es leider so ist, dass viele Ereignisse, die zurzeit negativ auffallen und in den Medien vorkommen mit Muslimen zu tun haben", so Majoka.

Gegen Gewalt und Extremismus

Die Ahmadiyya-Gemeinde will in der weiteren Diskusion um die Moschee ruhig und besonnen bleiben und gemeinsam mit den Leipziger Bürgern gegen Gewalt und Extremismus eintreten. Deutschlandweit organisiere sie Informationsstände über den Islam und Treffen mit Mitgliedern jüdischer, katholischer, evangelischer und anderer Gemeinden. Es gebe keine Schublade für alle Muslime, sondern ein breites Spektrum an verschiedenen Strömungen. Viele davon seien sehr friedlich.

Die Ahmadiyya-Gemeinde

Die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde wurde 1889 in Indien gegründet. Es handelt sich hierbei um eine Reformgemeinde. Trotz ihrer friedlichen Interpretation des Islams werden ihre Anhänger in vielen muslimischen Ländern verfolgt. Mittlerweile hat sich die Gemeinde auf der ganzen Welt verteilt. Nach eigenen Angaben leben 30.000 Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde in Deutschland, rund 70 von ihnen in Leipzig.

 

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