Loverboys watch out!

Das Fest der gebrochenen Herzen

Hercules & Love Affair bringen nach 3 Jahren ein neues Album heraus. Getauft wurde es „The Feast of the Broken Heart“, was auf den ersten Blick melancholischer klingt, als es ist. Dieses Mal gibt es sogar noch mehr House als sonst auf die Ohren.
Andy Butler in zivil
Andy Butler in zivil

Nein, Hercules & Love Affair liefern mit „The Feast of the Broken Heart“ nicht den Soundtrack für die Dancefloors und Schwulenparties all around the globe ab – soviel sei eingangs geklärt. Denn auch wenn uns auf dem neuen Album hauptsächlich zum Tanzen zwingende House-Beats und eingängige Hooks erwarten, beweist „The Feast of the Broken Heart“ an manchen Stellen über das übliche Maß hinaus Tiefgang - musikalisch und lyrisch. Zuweilen wird Andy Butler sogar politisch („My Offense“).
Aber fangen wir einmal von vorne an. Das Offensichtlichste an der neuen Platte ist nämlich der gestiegene Anteil an House-Elementen und die fast vollkommene Abkehr von bisher durchaus obligatorischen Disco-Anleihen. Das heißt: keine Bläser, keine Strings – dafür mehr Bässe, Synthies und Drumcomputerbeats. Das alles in Kompositionen verpackt kommt dann meistens im Chicago House-Anstrich daher und verhehlt auch gar nicht seine Affinität zu den Clubsounds vergangener Tage. Fast jeder Song auf „The Feast of the Broken Heart“ transpiriert den Schweiß und atmet die stickige Luft der Chicagoer, New Yorker und Berliner Clubs der frühen Neunzigerjahre.  

John Grant tritt das Erbe von Anthony Hegarty an

Deutliche Spuren davon lassen sich auch in „Liberty“, einer von zwei Zusammenarbeiten mit John Grant, ausmachen. Der Songwriter aus Denver reiht sich damit in die Liste der prominent gefeatureten Künstler auf Hercules & Love Affair - Alben ein. Auf dem selbst-betitelten Debütalbum von 2008 hatte noch Anthony Hegarty diesen Posten inne. Auf „Blue Songs“ wurde unter anderem Kele Okereke ins Feld geführt.

Jetzt also der Sänger aus Colorado mit der hünenhaften Erscheinung und der so sanften Stimme. Die eingangs erwähnte Tiefe findet man zum Beispiel in der anderen Kooperation mit Grant „I Try To Talk To You“. Hier mischen sich Eurodance-Piano, Drum-Effekte und die melancholische Stimme Grants' zu einem komplexen Ganzen. In „My Offence“ schlagen Hercules & Love Affair sogar ungewohnte Töne an. Auch Andy Butler selbst meint, dass sich der Song am meisten von seinen bisherigen Kompositionen abhebt – musikalisch und inhaltlich.

Weniger Disco, mehr Tiefgang   

In „The Feast of the Broken Heart“ ist weniger Disco drin, als man von Hercules & Love Affair gewohnt war. Vielleicht waren sie es auch leid, andauernd auf ihren immensen Einfluss auf die Szene angesprochen und somit auch reduziert zu werden. Mit seiner House-Affinität rangiert Andy Butler aber wieder einmal unter den Trendsettern. Gut möglich also, dass er dann in Zukunft für seine House-Vorahnung gelobt wird. Was man auf jeden Fall konstatieren kann ist, dass Hercules & Love Affair trotz Verzicht auf viele melodische Elemente komplexer geworden sind. Butler selbst sagt, „The Feast of the Broken Heart“ sei mehr für die Dancefloors gedacht als seine Vorgänger. Jedoch lassen sich John Grants teilweise melancholischer Gesang und die mitunter deepen Housebeats aber auch im Wohnzimmer hören. Was nicht heißen soll, dass Andy Butler die Puppen nicht tanzen lässt. Er hat lediglich sein Oeuvre um eine Facette bereichert.

 

Kommentieren

Hercules & Love Affair: The Feast of the Broken Heart

Tracklist:

1. Hercules Theme 2014
2. My Offence (feat. Krystle Warren)
3. I Try To Talk To You (feat. John Grant)
4. That's Not Me (ft. Gustaph)
5. Think (feat. Rouge Mary)
6. 5:43 To Freedom (feat. Rouge Mary)
7. The Light (feat. Krystle Warren)
8. Liberty (feat. John Grant)
9. Do You Feel The Same (feat. Gustaph)
10. The Key (feat. Rouge Mary)

Erscheinungsdatum: 23.05.2014
Moshi Moshi