Leipziger Clubs in Zeiten von Corona

Covid-19 und die Clubs

Parties, Konzerte, Raves. In Zeiten von Covid-19 werden WG-Küchen zu Clubs und Konzerthallen. Laptop auf, Stream an. Gib ihm. Oder ihr. Es entsteht eine besondere Solidarität zwischen Clubs und Besucher*innen.
Leipziger Clubs droht eine Pleitewelle wegen Corona

Doch neben der außerordentlichen Solidarität in der Leipziger Clubszene steht die ernsthafte Notlage. Eine Umfrage der LIVEKOMM hat ergeben, dass die Clubbetreibenden in Sachsen mit den erlangten Zuschüssen bis spätestens Mitte Juni 2020 auskommen – eine alarmierende Prognose. Daraufhin haben der Livekommbinat Leipzig e.V., Hand in Hand und das Klubnetz Dresden das „Positionspapier Alarmstufe Rot“ veröffentlicht. Darin warnen sie:

Wenn jetzt nicht gehandelt wird, dann werden wir in Zukunft kaum mehr Orte haben, an denen das Ende des Ausnahmezustands gefeiert werden kann. Bitte helfen Sie uns und tragen Sie dazu bei, dass die sächsische Clubkultur dieser Pandemie nicht zum Opfer fällt!

Positionspapier

Der Livekommbinat Leipzig e.V. tritt in diesen Zeiten deutlich in den Vordergrund. Ihr Ziel: Sie wollen die drohende Pleitewelle und damit verbundene Clubschließungen verhindern. Dafür machen sie sich stark, sind laut und wollen noch lauter werden. Die Arbeit des Vereins beschreibt die Vorstandsvorsitzende Kordula Kunert als Lobbyarbeit für die Clubszene. Zu einer der „coolsten Aktionen ever“, wie sie es in unserem Interview beschreibt, gehört das Soliticket. Dabei handelt es sich um ein Spendenticket, mit dem Clubliebhaber*innen alle beteiligten Clubs in dieser Notlage finanziell unterstützen können. Gleichzeitig ist es die Eintrittskarte für eine große Party nach Corona. Mit dieser Aktion sind bereits 111.000€ zusammengekommen. (Das Ticket kann man übrigens immer noch kaufen)

 

Auch das Kulturamt Leipzig nimmt die Notlage für die Kultur- und Clubszene in Leipzig ernst. Die Stadt sei auf die finanzielle Unterstützung von Land und Bund angewiesen, um die Existenzen der Clubs sichern zu können. Und trotz der existenzbedrohenden Lage wirft Frau Brodhun den Blick auch auf etwas Positives und Zukunftsweisendes.

Was ich sehr begeisternd finde ist, wie lebendig unsere Kulturszene ist. Ich erlebe einen großen Ideenreichtum und eine Kraft, mit der man jetzt versucht diese Pandemie zu bewältigen. Ich habe wenig Jammern gehört und viel anpacken.

Brodhun, Kulturamt Leipzig

Ein gutes Beispiel für den kreativen Umgang mit der aktuellen Situation ist das Balance Club/ Culture Festival. Das Festival versteht sich selbst als Ort der gemeinsamen Reflexion und Ekstase. In diesem Jahr wurde daraus kurzerhand eine Webedition. Alle Konzerte, Raves, Workshops, Workouts und Co. fanden entsprechend dem eigentlich geplanten Timetable auf ihrer Website statt. Und tun es immer noch. (balance.ifz.me)

 

Hier geben sich kraftvolle Visionen und vernichtende Zukunftsprognosen die Hand. Wer am Ende stärker sein wird, bleibt ungewiss. Bis dahin bleibt der Rave im Wohnzimmer. Positiv bleiben. Stream an. Und gib ihm. Oder ihr.

 Den Beitrag zum Nachhören:

"Leipziger Clubs in Zeiten von Corona" - eine Beitrag von Anna Luckow
Leipziger Clubs

 

 

 

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Anna Luckow
02.06.2020 - 12:35
  Kultur