Gleichberechtigung

Coming-out im Job - noch ein Risiko?

Es liegt noch gar nicht so lange zurück, dass im Bundestag die „Ehe für alle“ beschlossen wurde. Aber auch wenn die Gleichberechtigung Homosexueller auf dem Papier immer weiter voranschreitet, sieht es im Alltag noch anders aus.
Regenbogenflagge
Die Regenbogenflagge als Symbol für Gleichberechtigung

Erst am vergangenen Wochenende wurde auch in Leipzig mit dem Christopher-Street-Day quasi der Feiertag der sexuellen Vielfalt gefeiert. Da liegt die Vermutung nah, dass auch die Gesellschaft hierzulande sexuellen Orientierungen abseits des Heteronormativen offen gegenübersteht. Doch die Realität sieht offensichtlich anders aus. Das legen zumindest die Ergebnisse einer neuen Studie des Kölner Instituts für Diversity- und Antidiskriminierungsforschung (IDA) nah, für die zuvor rund 2900 Menschen befragt wurden. Die Studie ergab, dass eine große Mehrheit von 76,3 Prozent der homo- und bisexuellen sowie transgeschlechtlichen Beschäftigten mit Diskriminierung am Arbeitsplatz zu kämpfen hatten.

Sichtbare Homosexualität

Die Studie ergab zugleich aber auch, dass deutlich mehr homosexuelle Beschäftigte sich an ihrem Arbeitsplatz outen als noch vor 10 Jahren. Im Vergleich zu 2007 sprechen doppelt so viele Homosexuelle offen mit ihren Kollegen über ihre Sexualität. Dennoch ist der aktuelle Wert von etwa 30 Prozent noch immer eher niedrig. Schließlich ist es für heterosexuelle Menschen ganz normal, immer mal vom Partner zu erzählen. Für Florian Meinhold vom IDA ist der gestiegene Wert aber dennoch ein gutes Signal, schließlich werde Homosexualität dadurch viel sichtbarer:

Gleichzeitig kommt durch diese gesteigerte Sichtbarkeit die Möglichkeit hinzu, dass mehr Benachteiligung entsteht. Weil die Homosexuellen sichtbarer sind.

Florian Meinhold, Institut für Diversity- und Antidiskriminierungsforschung (IDA)

Während die Offenheit gegenüber Homosexuellen steige, stünden Bisexuelle zunehmend zwischen den Stühlen. Sie fühlen sich nach Ergebnissen der Studie einem Diskriminierungsniveau ausgesetzt, welches sowohl von Heterosexuellen als auch von der LGBT-Community ausgehe. Aber auch transgeschlechtliche Menschen seien laut Meinhold noch weit von der Offenheit entfernt, der Homosexuelle begegnen:

Das ist in der Gesellschaft jetzt an dem Punkt, an dem wir bei Lesben und Schwulen bei 20 Jahren waren. Da ist noch einiges an Aufklärungsarbeit zu machen.

Florian Meinhold

In Leipzig gibt es einige Institutionen, die sich für die Gleichstellung von Menschen abseits des Heteronormativen einsetzen. So zum Beispiel die Koordinierungsstelle zur Förderung der Chancengleichheit. Sie bietet regelmäßig Workshops zu Themen wie „Diversity & Gender in der Lehre“ an. Eine weitere Anlaufstelle für Betroffene von Diskriminierung am Arbeitsplatz ist das Referat für Gleichstellung der Stadt Leipzig. Für Kathrin Darlatt, Gleichstellungspolitische Referentin der Stadt, ist Leipzig auf einem sehr guten Weg:

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Leute daran gewöhnen müssen. Irgendwann ist es nicht mehr so fremd. Ich bin da zuversichtlich.

Kathrin Darlatt, Gleichstellungspolitische Referentin der Stadt Leipzig

Den Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Marisa Becker können Sie hier nachhören:

Ein Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Marisa Becker.
 
 

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Thomas Tasler
20.07.2017 - 20:37