CD der Woche

Chris Garneau - Winter Games

Vor fünf Jahren begann für Chris Garneau die Arbeit an dem Album "Winter Games". Er hatte sich das Ziel gesetzt die eisige Jahreszeit durch Geschichten zu erforschen. Das Ergebnis hält einige Überraschungen bereit.
Chris Garneuau

Tausche Stadt gegen Land Chris Garneau kommt ursprünglich aus Boston. Nachdem er eine Zeit mit seiner Familie in Paris gelebt hat, führt in sein Weg schlussendlich nach New York. In seiner Schulzeit lernt er Klavier und entdeckte somit auch die Liebe zur Musik. Sein Weg führte ihn dann zum Musiktheater. Für das Stück "Frühlingserwachen" übernahm er eine Rolle. Das Musical wurde mit einem Toni-Award ausgezeichnet. Keine unbeeindruckende Karriere bis dahin. Aber Garneau wollte mehr. So nahm er sich eine Auszeit vom Schauspielen im Musical und widmete sich nur noch der reinen Musik. Nach fünf Jahren erschien 2006 sein Debüt "Music for Tourists". Schon damals wurden seine zarte Stimme und seine ehrlichen Texte sein Markenzeichen. Auch für das neue Werk "Winter Games" hat der Musiker sich fünf Jahre Zeit gelassen und Brooklyn verlassen. Die Stadt war ihm zu laut geworden und so zog er auf eine kleine Farm im Bundesstaat New York. Dort fand er genug Inspiration um sein neustes Werk zu schreiben. Er sammelte Geschichten von seiner Familie und seinen Freunden und versuchte diese musikalisch zu vertonen. Bisher ist das Album nur als digitaler Download erhältlich. Warum es erst im April 2014 als CD verfügbar ist, bleibt hingegen ein Rätsel.

Ambivalente Wahrnehmung

"Winter Games" steigt mit dem Song "Our Men" sehr besinnlich ein. Zu hören sind Chöre im Hintergrund, gedämpftes Schlagzeug und dazu Garneaus Stimme. Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man das dritte Album des Amerikaners für ein seichtes Weihnachtsalbum halten, doch genau das ist es nicht. Garneau singt von fataler Liebe, prägenden Kindheitserinnerungen, dem Kampf gegen familiäre Zurückweisung sowie die Probleme eines gezeichneten Individuums. Der zweite Track "Oh God" steckt voller Leben und bildet einen deutlichen Kontrast zu den meisten Songs auf diesem Album. Er zeichnet sich durch seine volle Instrumentierung und die fast schon Garneau untypischen lauten Parts im Refrain aus. In vielen Songs spiegelt sich der Winter als eine dunkle Jahreszeit voller Leid, Schmerz und Selbstzweifel wieder. So zum Beispiel in dem Lied "Winter 2", doch wer nur das Negative in seinen Songs sieht, liegt falsch. Aus all diesem Leid, entsteht Stärke, die der Hörer unter anderem in der wunderschönen, kraftvollen Melodie spüren kann. Ein Beispiel dafür ist das Stück "Catherine". Mit Klavier, sporadisch eingesetztem Schlagzeug und Streichern schafft es der Song den Hörer zutiefst zu berühren.

"Dieses Album bin ich"

Der Singer und Songwriter hat für sich selbst einen Meilenstein erreicht. Er sagt selbst "Auf diesem Album habe ich mir selbst vertraut. Es ist das erste Mal, dass ich sagen kann: Dieses Album bin ich. Das ist alles, was ich weiß." Diese sehr persönliche Note kann man in den Songs spüren. Auch wenn er zum Teil sehr harte Themen behandelt, schwebt seine Stimme weich über allem und vermittelt dem Hörer so eine gewissen Wärme bei Hören von "Winter Games". Bisher ist er eher in de Insiderkreisen bekannt. Trotz dieser einzigartigen Stimme und den intimen Texten, scheint Garneau nicht in den Mainstream zu passen. Und das ist auch gut so!

 

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Carina Fron
17.12.2013 - 19:41
  Kultur

Chris Garneau: Winter Games

Tracklist:

1. Our men
2. Oh God *
3. Winter Song # 2 *
4. Winter Song # 1
5. Danny
6. The Whore in yourself
7. Reindeer
8. Pas Grave
9. Catherine *
0. Switzerland
* Anspieltips

Erscheinungsdatum: 06.12.2013
Clouds Hill