DOK 2020

CHILDREN: Palästina aus Kinderaugen

Der Dokumentarfilm "Children" wurde im Jahr 2020 von der israelischen Regisseurin Ada Ushpiz im Grenzgebiet zwischen Israel und dem Westjordanland gedreht. Mädchen palästinensischer Herkunft sind die Protagonistinnen.
Children
Dokumentarfilm "Children", 2020

In "Children" werden Kinder aus Palästina in ihrem Alltag mit der Kamera begleitet. Eines der Mädchen beschreibt sich als Polit-Influencerin. Protestaktionen und gewaltsame Auseinandersetzungen mit der israelischen Polizei dokumentiert sie mit ihrem Smartphone, lädt diese Aufnahmen auf Social Media Plattformen hoch und versucht sich somit Gehör zu verschaffen.

Der Film porträtiert u.a. die sogenannte „Messer-Intifada“, die Gewaltbereitschaft junger palästinensischer Kinder, die mit Messern und Steinen auf die israelische Polizei losgehen. Diese wiederum ist im Leben der Mädchen ständig präsent und patrouilliert um die palästinensischen Familien und ihre Häuser. Die Regisseurin verzichtet dabei auf ausführliche Erklärungen und lässt die Zuschauer*innen sich weitestgehend ihre eigenen Gedanken zum Gezeigten machen. Die Machart entspricht einer typisch journalistischen Dokumentation, gleichzeitig werden viele Szenen mit einfachen Handkameras gefilmt.

Konfrontation mit allgegenwärtiger Angst und Unsicherheit 

Deutlich wird, wie die Kinder von palästinensischer Seite als Opfer und von israelischer Seite als potenzielle gewaltbereite Gefahr dargestellt werden. Bemerkenswert, mit welcher Ruhe diese jungen Menschen dort die zum Teil bürgerkriegsähnlichen Zustände auf der Straße hinnehmen und weiterhin ihrem Alltag nachgehen. Gleichzeitig sind die Kinder und Familien mit einer ständigen Angst konfrontiert, mit der Willkür der israelischen Polizei rechnen zu müssen. Der Film hinterlässt bei den Zuschauer*innen ein bedrückendes Gefühl. Ein Unverständnis, wie Kinder in so jungen Jahren mit dieser allgegenwärtigen Angst aufwachsen müssen und sich immer wieder unnötiger Schikane und Gewalt aussetzen.

Als Zuschauer*in hat man außerdem die Hoffnung, dass die heranwachsende Generation doch eigentlich auch die Chance bietet, die jahrzehntelangen Konflikte beizulegen. Und trotzdem wird deutlich, dass auch von Seiten der Kinder (Stichwort „Messer-Intifada“) die Bereitschaft besteht, den Konflikt weiter anzuheizen.

Der Film greift inhaltlich eine ewig aktuelle Thematik auf, mit der es lohnt, sich immer wieder zu beschäftigen. "Children" verdeutlicht die Komplexität und Vielschichtigkeit dieses bereits jahrzehntelang andauernden Konflikts, der längst mehr als nur politisch ist, und beleuchtet ihn durch eine interessante Perspektive: die, der Kinder. Auch wenn der Film ein beklemmendes Gefühl hinterlässt, ist er absolut sehenswert. 

 

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CHILDREN feierte seine Weltpremiere auf dem 63. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm.

 

Regie: Ada Ushpiz

Laufzeit: 128 Minuten

Land: Israel

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